In vielen Solaranlagen sind Wechselrichter aus chinesischer Produktion verbaut.

In vielen Solaranlagen sind Wechselrichter aus chinesischer Produktion verbaut.

Bild: © Adobe Stock/ultramansk

Die Europäische Kommission hat die Vergabe von EU-Fördermitteln an Energieprojekte eingestellt, in denen Wechselrichter aus bestimmten Hochrisikoländern verbaut sind. Betroffen sind theoretisch Geräte aus China, Russland, Iran und Nordkorea – praktisch aber vor allem diejenigen der chinesischen Marken Huawei und Sungrow. Der Förderstopp gilt offenbar ab sofort – doch eine offizielle Pressemitteilung oder einen veröffentlichten Rechtsakt sucht man bislang vergeblich.

Bekannt wurde der Schritt zunächst durch eine Recherche des "Spiegels". Demnach wurde die Entscheidung nicht öffentlich verkündet, sondern intern – unter anderem in einer Videokonferenz mit Branchenvertretern – kommuniziert. Ein EU-Beamter soll dabei auf "unverzüglichen Handlungsbedarf" hingewiesen haben.

US-Ermittler fanden undokumentierte Funkmodule

Die Reichweite des Verbots ist beachtlich: Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat im Jahr 2025 rund ein Fünftel aller Solarprojekte in der EU mitfinanziert. Brancheninsidern zufolge wurden in den meisten dieser Projekte chinesische Wechselrichter eingesetzt – Geräte, die nun von der Förderung ausgeschlossen sind.

Hintergrund sind wachsende Sicherheitsbedenken gegenüber Komponenten aus Ländern, die als potenzielle Angreifer auf kritische Infrastruktur gelten. Konkret sollen US-Ermittler in importierten Wechselrichtern undokumentierte Funkmodule entdeckt haben, die nicht Teil der offiziellen technischen Spezifikation sind. Solche versteckten Komponenten könnten theoretisch genutzt werden, um Energieanlagen aus der Ferne zu manipulieren oder abzuschalten.

Das bisher greifbarste offizielle Dokument dazu ist ein Kommissionsarbeitspapier vom März – ein "Staff Working Document" mit der Kennung SWD(2026) 71. Darin benennt die Kommission ausdrücklich Cybersicherheitsrisiken im Zusammenhang mit Wechselrichtern und verweist auf Gefahren durch geopolitische Abhängigkeiten und mögliche Angriffe auf die Versorgungssicherheit.

Als Alternativen zu chinesischen Produkten nennt die EU Hersteller aus Japan, Südkorea, den USA und der Schweiz sowie Unternehmen aus der EU selbst. Damit verbindet Brüssel den Förderstopp auch mit dem industriepolitischen Ziel, europäische Lieferketten zu stärken und die Abhängigkeit von Drittstaaten bei kritischen Energiekomponenten zu reduzieren.

Der Markt für Wechselrichter wird weltweit von chinesischen Herstellern dominiert. Ein abrupter Ausschluss aus der EU-Förderung trifft nicht nur laufende Projektplanungen, sondern stellt auch die Frage, ob und wie schnell europäische oder andere zugelassene Hersteller die entstandene Lücke füllen können.

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