Ein Spezialschiff und schwimmendes LNG‑Terminal legen im Industriehafen Stade-Bützfleth an. Das Terminal ist das neueste in Deutschland. Künftig soll auch in Stade Flüssigerdgas (LNG) importiert werden.

Ein Spezialschiff und schwimmendes LNG‑Terminal legen im Industriehafen Stade-Bützfleth an. Das Terminal ist das neueste in Deutschland. Künftig soll auch in Stade Flüssigerdgas (LNG) importiert werden.

Bild: © Daniel Reinhardt/dpa

Knapp 55 Prozent der 104 Teilnehmer einer Umfrage des Frankfurter Drohnenunternehmens Droniq und des Bundesverbands für den Schutz Kritischer Infrastrukturen (BSKI) berichteten im August von unautorisierten oder sicherheitsrelevanten Drohnenflügen. Gleichzeitig haben fast 47 Prozent der betroffenen Organisationen nach eigenen Angaben noch keinerlei Maßnahmen zur Drohnendetektion umgesetzt.

Die Zahlen zeigen eine Lücke zwischen Risikowahrnehmung und Vorbereitung. Für Betreiber von Flüssigerdgas-Terminals (LNG-Terminals) ist das mit Blick auf die kalte Jahreszeit besonders relevant. Dort wird importiertes Gas angelandet und ins deutsche Netz eingespeist. Ein Überflug muss nicht zu einem Schaden führen, kann aber Betriebsabläufe stören, Sicherheitskräfte binden und Erkenntnisse über schützenswerte Anlagen liefern.

Tägliche Überflüge an LNG-Terminals

Wie konkret die Bedrohung ist, schilderte Bernhard Kluttig, Leiter der Abteilung Sicherheit im Bundeswirtschaftsministerium, auf einer Fachkonferenz in der vergangenen Woche: "Wir erleben täglich Drohnenüberflüge über unseren LNG-Terminals, obwohl es verboten ist."

Droniq-Geschäftsführer Jan-Eric Putze formuliert die erste Aufgabe: "Betreiber kritischer Infrastrukturen müssen wissen, was in ihrem Luftraum passiert." Sie müssten Drohnen nicht nur erkennen, sondern auch beurteilen können, welche dort fliegen dürften. Dafür braucht es Daten, Technik und klare Zuständigkeiten.

Die Umfrage unter Organisationen aus Verwaltung, Transport, Energie, Telekommunikation und weiteren kritischen Bereichen bestätigt die Dringlichkeit. 46,2 Prozent der Teilnehmer sehen Drohnen bereits als reale Bedrohung. Weitere 36,5 Prozent erwarten, dass sie künftig zu einer solchen werden. Als größte Risiken nennen die Befragten Sabotage mit 46,5 Prozent und die Störung von Betriebsabläufen mit 39,5 Prozent. Spionage und Datenschutzrisiken folgen mit 7 beziehungsweise 5,8 Prozent.

Wer darf Drohnen abwehren?

Genau hier beginnt der politische Konflikt. Betreiber können Drohnen detektieren, für Abwehrmaßnahmen fehlen ihnen jedoch oft Befugnisse. Unklar ist auch, welche staatliche Stelle wann eingreift. Kluttig fordert einen Rechtsrahmen und eine Antwort darauf, "wer was, wann" tun darf. Ebenso offen ist die Finanzierung; im Gespräch sind bundeseinheitliche Lösungen und ein Resilienz-Fonds.

Die Debatte reicht bis zu der Frage, ob private Betreiber Drohnen künftig selbst abwehren dürfen. Christoph Müller, Chef des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, lehnt bewaffnete Mitarbeiter ab. "Nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Kolleginnen und Kollegen bewaffnet um unsere Anlagen herumlaufen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Abgeschossene Drohnen könnten zudem durch herabfallende Trümmer die eigenen Anlagen gefährden.

Auch in der Bundesregierung ist die Zuständigkeit noch nicht abschließend geklärt. Sebastian Schmidt, Mitglied des Innenausschusses des Bundestags (CDU), sprach sich auf der Fachkonferenz für ein gemeinsames Lagebild von Bund und Ländern aus. Informationen über kritische Anlagen dürften nicht "auf dem Silbertablett" präsentiert werden. Zugleich müssten Sicherheitsbehörden Erkenntnisse über Vorfälle auf einer übergeordneten Ebene an die Betreiber weitergeben können.

Die Betreiber stehen damit vor einem Dilemma: Sie sollen ihre Anlagen gegen eine wachsende Gefahr schützen, können neue Technik und Verfahren aber nicht kurzfristig in Betrieb nehmen. Erik Landeck, Geschäftsführer des Berliner Verteilnetzbetreibers Stromnetz Berlin, warnte: "Man darf nicht erwarten, dass Netzbetreiber eine neue Regelung zu Drohnen sofort umsetzen können."

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