Über die Auswirkungen des Netzpakets für Stadtwerke und Erneuerbarenprojekte wird in der Branche weiterhin kontrovers diskutiert.

Über die Auswirkungen des Netzpakets für Stadtwerke und Erneuerbarenprojekte wird in der Branche weiterhin kontrovers diskutiert.

Bild: © Eyewave/AdobeStock

Der Ausbau erneuerbarer Energien soll künftig vor allem über den Markt geregelt werden. Zudem sollen Netz- und Erneuerbarenausbau stärker miteinander verzahnt werden, um Kosten zu senken. Das sind die wesentlichen Ziele der EEG-Novelle und des Netzpakets. Die Regierungsentwürfe zu diesen wichtigen Gesetzesvorhaben befinden sich aktuell im parlamentarischen Verfahren. Signifikante Änderungen sind noch möglich.


Besonders kontrovers diskutiert wird die Möglichkeit zur Ausweisung kapazitätslimitierter Gebiete. Diese sollen Netzbetreiber künftig in besonders stark überlasteten Gebieten ausweisen und den Zugang neuer Erzeugungsanlagen einschränken können. Betreiber neuer Erneuerbaren-Anlagen sollen für abgeregelte Mengen bis zu einer bestimmten Grenze gar keine Entschädigung mehr erhalten (Redispatch-Vorbehalt).

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Kapazitätslimitierte Gebiete im Fokus


Der Bundesverband Windenergie warnte kürzlich vor einem "Finanzierungsschock". Er forderte die Bundesregierung auf, den Vertrauensschutz für bestehende Projekte sicherzustellen. Andernfalls droht ein dramatischer Einbruch des Windenergieausbaus. Doch was sagen die Geschäftsbanken? Die ZFK hat bei Nord/LB, Umweltbank und Helaba nachgefragt.

Nord/LB rechnet mit volatileren Cashflows


"Aus Finanzierungssicht führen die neuen Rahmenbedingungen jedoch zunächst zu einer erhöhten Komplexität und stellen insbesondere bislang weitgehend EEG-basierte Projektfinanzierungen vor große Herausforderungen", sagt Tim Junghans, Leiter Firmenkundengeschäft Energiewirtschaft bei der Nord/LB. Der teilweise Wegfall der regulatorischen Absicherung von Negativpreisstunden erhöhe die Volatilität der erwarteten Cashflows von Erneuerbare-Energien-Projekten. Gleichzeitig gewinnen Marktpreis-, Netz- und Flexibilitätsrisiken für die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Vorhaben deutlich an Bedeutung.

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PPAs und Speicher gewinnen an Bedeutung


"Banken werden ihre Risikobewertung und Strukturierungsansätze entsprechend anpassen müssen. Dies wird deutliche Auswirkungen auf die Ausgestaltung von Finanzierungsstrukturen haben“, prognostiziert Junghans. Insbesondere würden höhere Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung, zusätzliche Liquiditätsreserven, ein verändertes Pricing sowie angepasste Covenant-Regelungen erforderlich werden. Darüber hinaus würden umfassende Sensitivitätsanalysen und die detaillierte Prüfung der verfügbaren Netzkapazitäten weiter an Bedeutung gewinnen.


Gleichzeitig steige die Relevanz langfristiger Stromabnahmeverträge (PPAs) sowie unterschiedlicher CfD-Strukturen, um Erlösrisiken wirksam zu begrenzen. Auch Speicherlösungen würden eine zunehmend wichtige Rolle einnehmen, da sie dazu beitragen können, die Auswirkungen von Negativpreisstunden zu reduzieren und zusätzliche Arbitrageerlöse zu generieren.

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Tim Junghans ist Leiter Firmenkunden Energiewirtschaft bei der Norddeutschen Landesbank (NordLB).Bild: © NordLB

Es ist von einer Investitionsdelle im Markt auszugehen. Langfristig erwarte ich jedoch eine Anpassung der Marktteilnehmer an die neuen Parameter.

Tim Junghans

Leiter Firmenkunden Energiewirtschaft bei der Nord/LB


„Vor diesem Hintergrund ist von einer Investitionsdelle im Markt auszugehen, solange sich Investoren, Projektentwickler und Finanzierer auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen", prognostiziert Junghans. Mittel- bis langfristig erwarte er jedoch eine Anpassung der Marktteilnehmer an die neuen Parameter. Grundsätzlich sei der langfristige Ansatz, die Finanzierbarkeit der Energiewende zu stärken und zugleich die gesellschaftliche Akzeptanz des weiteren Ausbaus erneuerbarer Energien zu fördern, positiv zu bewerten, so der Fachmann für Energiefinanzierungen bei der Nord/LB.

Aus seiner Sicht ist entscheidend, dass die Marktteilnehmer möglichst schnell Planungssicherheit erhalten und sich auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen können. "Eine Umstellung der Rahmenparameter, ohne einen hinreichenden Bestandsschutz für in Realisierung befindliche Vorhaben sicherzustellen, erscheint kontraproduktiv“, sagt Junghans. Nur durch kalkulierbare, verlässliche und nachvollziehbare regulatorische Vorgaben lasse sich die nachhaltige Finanzierbarkeit von Energiewendevorhaben langfristig sicherstellen und unnötige Unsicherheiten für Investoren und Finanzierer vermeiden.


Umweltbank sieht zusätzliche Mengenrisiken


Die Umweltbank in Nürnberg sieht insbesondere das Netzpaket und den Redispatch-Vorbehalt als schwierig an. „Das geplante Netzpaket macht die Standortwahl zum zentralen Faktor für die Bankability", schreibt Thomas Scheppler, Leiter der Abteilung Finanzierung Erneuerbare Energien bei der Umweltbank. Einschränkungen beim Netzzugang sowie beim Anspruch auf Entschädigungszahlungen in kapazitätslimitierten Gebieten machten die Projekte schwerer kalkulierbar. Hieraus könnten höhere Eigenkapitalanteile, höhere Risikoprämien und damit Zinsen sowie die Ablehnung von Finanzierungen resultieren. Mit dem Netzpaket in seiner aktuellen Fassung würden durch den Redispatch-Vorbehalt zusätzliche schwer kalkulierbare Mengenrisiken hinzukommen.

Umweltbank fordert Alternative zu kapazitätslimitierten Gebieten





Die Ausweisung kapazitätslimitierter Netzgebiete sieht er kritisch. „Da Einspeisestopps und Netzengpässe vom Wetter und dem schleppenden Netzausbau abhängen, lassen sich die künftigen Cashflows und Erträge einer Photovoltaik- oder einer Windkraftanlage kaum noch verlässlich prognostizieren“, verdeutlicht Scheppler. Dies könne dazu führen, dass Banken bestimmte Regionen oder Netzanschlusspunkte künftig mit höheren Risikoaufschlägen bewerteten.



Scheppler plädiert deshalb dafür, auf die Ausweisung von kapazitätslimitierenden Gebieten zu verzichten. Für praktikabler und kalkulierbarer hält er stattdessen einen einmaligen Netzanschlussbeitrag anstelle von laufendem Ertragsausfall bei Redispatch.

Helaba betont Bedeutung verlässlicher Cashflows


Für Jan Kastenschmidt, Managing Director und Bereichsleiter Öffentliche Hand bei der Helaba, sind die Erlösabsicherung und die Netzanschluss-Sicherheit die Elemente bei den geplanten Reformen, die den größten Einfluss auf eine Kreditentscheidung haben.


Verlässliche Cashflows sind ein entscheidender Faktor für die Finanzierbarkeit. Das gelte gerade für Energieversorger, welche im steuerlichen Querverbund organisiert sind, aber auch für Projektgesellschaften. "Wenn die EEG-Reform zu einer erhöhten Cashflow-Schwankung führt, müsse ein dadurch entstehendes Finanzierungsrisiko durch andere Maßnahmen ‚mitigiert‘ (gelindert) werden. Gerade bei Projektfinanzierungen ist das nicht trivial“, betont Kastenschmidt.

Jan Kastenschmidt ist Managing Director und Leiter Öffentliche Hand bei der Helaba.Bild: © Helaba

Die Ausweisung kapazitätslimitierter Gebiete kann dazu führen, dass die verbleibenden Vorhaben mit einer nachhaltigen Resilienz ausgestattet werden.

Jan Kastenschmidt

Managing Director und Bereichsleiter Öffentliche Hand bei der Helaba



Die Ausweisung kapazitätslimitierter Netzgebiete könne dazu führen, dass es vielleicht weniger Projekte geben werde, die verbleibenden Vorhaben aber mit einer nachhaltigen Resilienz ausgestattet würden, hofft Kastenschmidt. "Alles, was zu einer planbaren Erlössituation beiträgt, ist gut."
Generell brauche es für die Wende in der Energieversorgung Planbarkeit, Cashflow-Sicherheit, nachvollziehbare und bezahlbare Preise. „Letzteres gilt sowohl für die erforderlichen Anlageninvestitionen als auch insbesondere für diejenigen, die das alles am Ende des Tages bezahlen müssen: Bürger:innen, Kleinunternehmen, Mittelstand, Industrie – und letztlich die öffentliche Hand selbst", fasst Kastenschmidt zusammen.


Ursula Heinen-Esser ist Präsidentin beim Bundesverband Erneuerbare Energie.Bild: © BEE

Wir gehen davon aus, dass im parlamentarischen Verfahren Änderungen erfolgen, die die Finanzierbarkeit der Projekte ermöglichen.

Ursula Heinen-Esser

Präsidentin beim Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE)


Ursula Heinen-Esser, Präsidentin beim Bundesverband Erneuerbare Energie (EEG), zeigt sich dennoch vorsichtig optimistisch, dass nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. "Wir gehen davon aus, dass im parlamentarischen Verfahren Änderungen erfolgen, die die Finanzierbarkeit der Projekte ermöglichen und die Energiewende weiter positiv begleiten werden", schreibt Heinen-Esser auf ZFK-Anfrage.

Grundsätzlich könnten die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Änderungen im EEG und im Netzpaket die Wirtschaftlichkeit der Projekte negativ beeinflussen, so die BEE-Präsidentin. Die geplanten Änderungen würden sehr stark in die Planbarkeit von Projekten eingreifen. Betreiber müssten damit rechnen, dass sie – beispielsweise bei der Kombination aus Redispatch und Wirkleistungsbegrenzung – pauschal mit weniger Erlösen kalkulieren müssten. Durch diese Unsicherheiten sei bisher auch damit zu rechnen, dass bislang günstige Bankenkredite für die Anschubfinanzierung teurer würden.

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