Mit steigenden Temperaturen speisen PV-Anlagen immer mehr Strom ein.

Mit steigenden Temperaturen speisen PV-Anlagen immer mehr Strom ein.

Bild: @ AdobeStock/Günter Albers

Für das lange Pfingstwochenende bei hochsommerlichen Temperaturen haben viele Marktexperten mit deutlich negativen Stundenpreisen an der Spotbörse gerechnet. Doch die Rekorde blieben aus. Für eine Viertelstunde fiel der Strompreis an der Epex Spot auf maximal -86,71 Euro je Megawattstunde (24.05., 13:45 Uhr). Angesichts des negativen Rekords am 26. April von minus 480 Euro je Megawattstunde war die Erwartung eines weiteren Tiefstpreises durchaus berechtigt.

Keine Extremausschläge

Zwar war der Strompreis am Wochenende und am Montag an mehreren Stunden negativ. Die Solareinspeisung bewegte sich in den Mittagsstunden zwischen 65 und 75 Gigawatt. Dass die extremen Ausschläge nach unten dabei weitgehend ausgeblieben sind, hat mehrere Gründe, hat ZFK aus Gesprächen mit mehreren Marktexperten erfahren.

Zum einen war Pfingstmontag nicht überall in Europa ein gesetzlicher Feiertag – die Nachfrage ist daher in mehreren Ländern stabil geblieben. Das half auch, den Strompreis für die einzelnen Stunden zu stützen.

Stabile Nachfrage und moderate Windeinspeisung

Als einen weiteren Grund führen die Experten die unterdurchschnittliche Windeinspeisung an. Insgesamt lieferten Offshore- und Onshore-Anlagen zwischen 18 und 24 Gigawatt Strom. Die installierte Leistung liegt bei 78 Gigawatt. Das hat das gesamte Stromangebot deutlich reduziert und wirkte sich ebenfalls stabilisierend auf die Spotpreise.

Die Erzeugung aus erneuerbaren Energien fiel damit deutlich geringer aus als beispielsweise am 26. April – da sorgte die gleichzeitig hohe Solar- und Windeinspeisung für einen Preissturz an der Börse.

Limit gesenkt

Als Reaktion auf die zuletzt mehrfach aufgetretenen Stundenpreise, teils bei fast -500 Euro je Megawattstunde, hatte die Börse daraufhin die Mindestpreisgrenze auf den gekoppelten europäischen Day-Ahead-Strombörsen (SDAC) auf minus 600 Euro je Megawattstunde (MWh) abgesenkt.

Für Endverbraucher mit dynamischen Stromtarifen könnte die Änderung potenziell Vorteile bringen – allerdings nur dann, wenn sich die Marktpreise tatsächlich im neu geschaffenen Bereich zwischen -500 und -600 Euro je Megawattstunde bewegen. Branchenexperten betonten, das Ziel dynamischer Tarife bleibe grundsätzlich unverändert: den Stromverbrauch flexibel an Preissignale anzupassen.

Dass die Marke von -500 Euro dennoch eine Signalwirkung hat, betonte Energieexperte Lion Hirth gegenüber der ZFK: "Der Strompreis von -500 Euro/MWh ist ein Warnsignal. Bei einem so stark negativen Preis sollten eigentlich mehr Solaranlagen abschalten."

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper