Die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21) hat zum Jahresbeginn die Firma Kneip Leitungstiefbau und Infrastrukturtechnik erworben. Das Traditionsunternehmen wird künftig als eigenständige Tochtergesellschaft innerhalb der DEW21 Gruppe agieren. Im Interview ordnet der Technische Geschäftsführer der DEW21, Peter Flosbach, die Akquisition ein und spricht über die aktuellen Herausforderungen beim Stromnetzausbau.
Herr Flosbach, hält der Netzausbau in Dortmund aktuell noch mit den Anschlussbegehren und der zusätzlichen und in naher Zukunft erwarteten Netzauslastung Schritt? Wo liegen hier aktuell die speziellen Herausforderungen?
Peter Flosbach:Der Netzausbau in Dortmund hält derzeit noch mit den Anschlussbegehren und der erwarteten Netzauslastung Schritt. Dies ist vor allem der integrierten Zielnetzplanung zu verdanken, die Ende 2022 vorgelegt wurde. Auf Basis verschiedener Hochlaufszenarien für Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen wurde ermittelt, wo im Stromnetz Ausbaumaßnahmen erforderlich sind. Ein internes Projekt zur operativen Umsetzung dieser Maßnahmen wurde 2023 durchgeführt, sodass wir organisatorisch und fachlich gut aufgestellt sind, um die Anschlussbegehren zu befriedigen.
Herausforderungen bestehen jedoch weiterhin. Wenn ein Kunde auf uns zukommt und unser Netz die erforderlichen Kapazitäten nicht hergibt, kann es manchmal dauern, bis der Anschluss gebaut ist. Der Prozess von Planung, Projektierung und Bau kann sich in die Länge ziehen, da wir auf externe Unterstützung, wie zum Beispiel Genehmigungen im Bereich von Bombenverdachtsflächen, verkehrsrechtliche Anordnungen oder die Baugrunduntersuchungsergebnisse zur Beachtung der Ersatzbaustoffverordnung. angewiesen sind
Wie schwierig ist es aktuell, sich die erforderlichen Tiefbaukapazitäten am Markt zu sichern, und wie lange sind die Vorlaufzeiten? Welche Verzögerungseffekte sind zu befürchten?
Die Sicherung der erforderlichen Tiefbaukapazitäten am Markt ist derzeit herausfordernd. Rahmenverträge decken zwar die Grundlast zum Ausbau, aber für neue Netzanschlüsse und -verstärkungen sind schnelle Reaktionszeiten erforderlich. Wir haben langfristige Rahmenverträge mit fünf Tiefbaufirmen abgeschlossen, die ab dem 1. März in Kraft treten.
Diese Verträge ermöglichen es uns, Fremdleistungen bis zu 400.000 Euro einfach abzuwickeln. Für größere Projekte beträgt der Vorlauf etwa ein halbes Jahr. Da wir im Bereich der Planung und Projektierung gut aufgestellt sind, können wir diese Vorlaufzeiten gut einplanen. Verzögerungseffekte entstehen jedoch durch externe Faktoren wie Genehmigungen und verkehrsrechtliche Anordnungen. Darüber hinaus haben wir mit Kneip einen guten Partner für die Umsetzung der Energiewende.
Wie groß ist der Zeitgewinn durch die Übernahme und reicht dieser aus, um sich die erforderlichen Kapazitäten für den geplanten Stromnetzausbau zu sichern?
Die Übernahme eines Tiefbauunternehmens ermöglicht die Übertragung von Planungs-, Angebots- und Abrechnungsprozessen. Die Kapazitäten werden aber nicht ausreichen, um unseren gesamten Bedarf zu decken, sodass weiterhin eine Platzierung am Markt erforderlich ist.
Welche internen Kompetenzen werden durch die Übernahme gestärkt und welche Synergien auf gewisse Prozesse erhofft man sich?
Durch die Übernahme werden interne Kompetenzen gestärkt und Synergien in den Bereichen Planung, Ausschreibung und Abrechnung erwartet. Die Inhouse-Vergabe steigert die Zuverlässigkeit, auf Kundenwünsche zu reagieren, da die internen EVU-Prozesse nun beim übernommenen Unternehmen bekannt sind.
Ist dies die erste Übernahme eines Tiefbauunternehmens in den letzten Jahren? Sind weitere Übernahmen denkbar?
Ja, dies ist die erste Übernahme eines Tiefbauunternehmens in der DEW21 Gruppe. Andere Energieversorgungsunternehmen (EVUs) haben bereits ähnliche Schritte unternommen und Tiefbauunternehmen übernommen oder sich daran beteiligt. Weitere Übernahmen sind für uns durchaus denkbar, um die Kapazitäten und Kompetenzen weiter auszubauen.
Wird das Tiefbauunternehmen Kneip nur für DEW 21 tätig sein? Werden auch andere Geschäftsfelder von der Übernahme profitieren, beispielsweise der Glasfaserausbau?
Kneip wird hauptsächlich für die DEW21 Gruppe tätig sein, jedoch wird sich das Unternehmen auch mit etwa 20 Prozent seines Umsatzes am Markt platzieren. Aktuell ist keine Erweiterung der Geschäftsfelder geplant, sodass der Fokus auf den bestehenden Tätigkeiten bleibt.
Wie viele Mitarbeitende hat Kneip und wie hoch ist in etwa der Kaufpreis?
Zum Zeitpunkt des Kaufs hatte Kneip rund 60 Mitarbeitende.
(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)



