Geothermische Wärmepumpen gelten als effizient, langlebig und klimafreundlich. Dennoch zögern viele Hausbesitzer, insbesondere im Einfamilienhaus, wegen der vergleichsweise hohen Anfangsinvestitionen für Bohrungen und Erschließung des Erdreichs. Eine aktuelle Kurzstudie des Beratungsunternehmens Prognos kommt nun zu einem klaren Ergebnis: Unter den heutigen Rahmenbedingungen ist die Erdwärmepumpe langfristig die wirtschaftlich günstigste Heizoption.
Untersucht wurden ein typisches unsaniertes Einfamilienhaus sowie ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten aus der Baualtersklasse 1984 bis 1994. Verglichen hat Prognos einen neuen Gaskessel, eine Luft-Wasser-Wärmepumpe und eine Sole-Wasser-Wärmepumpe. Grundlage ist die Annuitätenmethode, bei der Investitions-, Betriebs- und Energiekosten über die jeweilige Lebensdauer in gleichbleibende jährliche Kosten umgerechnet werden.
Eine Erdwärme-Sonde schafft locker 50 Jahre
Ein zentraler Unterschied liegt in der Lebensdauer der Systeme. Während Heizgeräte wie Gas- oder Wärmepumpenanlagen mit etwa 18 bis 20 Jahren angesetzt werden, kalkuliert Prognos bei Erdwärmesonden konservativ mit 50 Jahren. In der Praxis, so betonen Branchenvertreter, könnten diese sogar deutlich länger genutzt werden. "Wer in Erdwärme investiert, handelt weitsichtig und stellt seine Wärmeversorgung auf sichere Füße", sagt Gregor Dilger, Geschäftsführer des Bundesverbands Geothermie. Die Erdwärmesonde sei kaum verschleißbehaftet und könne mehrere Gerätegenerationen überdauern.
Die Ergebnisse der Studie zeigen: Im Einfamilienhaus liegen die jährlichen Gesamtkosten einer Erdwärmepumpe von Beginn an rund fünf Prozent unter denen einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. Über einen Zeitraum von 20 Jahren wächst dieser Kostenvorteil auf etwa acht Prozent. Zwar sind die Investitionskosten höher, sie werden jedoch durch geringere Energie- und Wartungskosten mehr als kompensiert. Steigende Gaspreise, zunehmende Biomethananteile sowie höhere CO₂-Kosten verschärfen den Kostennachteil fossiler Heizsysteme zusätzlich.
Im Mehrfamilienhaus fallen die Unterschiede noch deutlicher aus. Durch Skaleneffekte sind Wärmepumpen dort bereits ab dem ersten Betriebsjahr günstiger als neue Gaskessel. Sole-Wasser-Wärmepumpen liegen langfristig rund zwölf Prozent unter den Kosten von Luft-Wasser-Wärmepumpen.
Aus Sicht der Wärmepumpenbranche bestätigt die Studie, dass wirtschaftliche Aspekte kein Gegenargument mehr sind. "Für Eigentümerinnen und Eigentümer mit langer Nutzungsperspektive lohnt es sich auch wirtschaftlich, bei der Auswahl des Wärmepumpensystems genau hinzusehen", sagt Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe. Besonders Erdwärmelösungen würden oft unterschätzt, obwohl sie leise arbeiten, unsichtbar sind und eine höhere Effizienz bieten.
Nahezu wartungsfrei über Jahrzehnte
Auch aus der Praxis gibt es Rückenwind. "Erdwärmesonden sind im Grunde kein Teil des Heizsystems, sondern Teil des Gebäudes", erklärt Christoph Knepel, Vorstand der Erdwärmegemeinschaft Bayern. Sie würden über Jahrzehnte nahezu wartungsfrei betrieben und stellten eine langfristige, generationenübergreifende Investition dar.
Berücksichtigt wurden in der Prognos-Analyse die aktuellen Förderbedingungen nach Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sowie modellierte Energiepreise für Gas und Strom. Nicht eingerechnet ist die Möglichkeit der passiven Kühlung über Erdwärmesonden – ein Faktor, der die Wirtschaftlichkeit zusätzlich verbessern könnte.
Das Fazit der Studie fällt eindeutig aus: "Erdwärmepumpen sind damit die klar günstigste Heizoption – bereits ab dem ersten Jahr und auch langfristig", heißt es in der Prognos-Auswertung. Für Einfamilienhäuser bedeutet das: Geothermie ist nicht nur eine klimafreundliche, sondern auch eine ökonomisch tragfähige Entscheidung.



