Von Daniel Zugehör
Die ohnehin hohen Produktionskosten für grünen Wasserstoff in Deutschland könnten durch neue Gesetzesvorgaben nochmal um bis 20 Prozent steigen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln (EWI).
Die Europäische Union plant, die sogenannten RFNBO (Renewable Fuels of Non-Biological Origin)-Vorgaben für erneuerbare Energieträger wie grünen Wasserstoff auszuweiten. Bislang gelten diese für den Verkehrsektor, künftig sollen sie auch für die Industrie verbindlich sein.
Die EU-Kriterien sehen vor, dass bei der Herstellung bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen: Zusätzlichkeit, Gleichzeitigkeit und Korrelation. Dies soll sicherstellen, dass der Wasserstoff klimafreundlich produziert wird.
Im Schnitt acht Prozent höhere Kosten
Das EWI kommt zu dem Ergebnis, dass die durchschnittlichen Produktionskosten durch diese Kriterien in Europa insgesamt dann um etwa acht Prozent steigen würden. In Deutschland hingegen ergeben sich bei einzelnen Szenarien sogar Aufschläge von bis zu 20 Prozent.
Ursächlich dafür seien unter anderem weniger Synergien zwischen Strom- und Wasserstoffsektor, wenn Stromerzeuger exklusiv für die Elektrolyse gebaut werden. Zudem führten neue Anlagen zwangsläufig zu höheren Initialkosten und längeren Anlaufphasen. Darüber hinaus erschwerten die neuen Vorgaben, dass sich Akteure wir Investoren und Stromversorger koordinieren.
Allerdings zeigen sich auch positive Effekte für das Gesamtsystem. So könnte etwa der Strompreis durch Rückspeisung überschüssiger erneuerbarer Energie sinken. Die 56-seitige Studie "Green Hydrogen Production under RFNBO criteria – Analyzing the system and business case perspective" ist online als PDF verfügbar.
Debatte nimmt an Fahrt auf
Am 28. Oktober warnte darüber hinaus bereits der Bundesrechnungshof vor Milliardenrisiken für den Steuerzahler durch Verzögerungen beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft. Es drohe eine dauerhafte staatliche Förderung mit gravierenden Folgen für die Bundesfinanzen.
Dem widersprach jetzt der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE): Grüner Wasserstoff sei "zentral für die Energiewende und wirtschaftliche Zukunft Deutschlands". BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser betonte, die jetzt investierten Mittel seien "eine Rendite für die Zukunft". Der Verband fordert eine aktivere politische Flankierung, um den Hochlauf zu beschleunigen.
Die in der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (Renewable Energy Directive; RED) III enthaltenen Kriterien sehen insbesondere drei Voraussetzungen für grünen Wasserstoff vor: So soll der für die Elektrolyse genutzte Strom erstens aus neu gebauten Erneuerbare-Energien-Anlagen stammen.
Zweitens soll der grüne Strom dann erzeugt werden, wenn er auch für die Wasserstoffproduktion benötigt wird – womöglich sogar in der gleichen Stunde. Und drittes sollen Strom- und Wasserstofferzeugung in der gleichen Stromgebotszone stattfinden.


