Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Gaspreise erholten sich zuletzt geringfügig. Die Nachfrage im Februar war jedoch so schwach wie selten zuvor. In der ersten Märzhälfte sollen die Temperaturen zwar wieder auf die saisonale Norm fallen. Ein großes Aufwärtspotenzial lässt sich daraus jedoch gegenwärtig nicht ableiten.

Die durchschnittliche Tagestemperatur in Deutschland lag im Februar bei 7,5 Grad Celsius. Es war ungewöhnlich warm. Denn die saisonale Norm für den zurückliegenden Monat liegt in Deutschland bei 2,2 Grad Celsius. Das heißt, es war mehr als fünf Grad zu warm.

Ungewöhnlich schwache Nachfrage

Die Gasnachfrage in Deutschland lag bei rund 86 Terawattstunden (TWh). Dies war der niedrigste Monatswert seit vergangenem Oktober und 13 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Gegenüber dem Fünf-Jahres-Mittel ergibt sich im Februar ein Minus von 24 Prozent.

Auch die europäische Gasnachfrage zeigte sich im Februar außergewöhnlich schwach. Mit einem Wert von insgesamt rund 400 TWh lag sie ebenfalls 13 Prozent unter dem Vorjahresmonat und 21 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Mittel.

Fallende Gaspreise

Die schwache Nachfrage traf auf ein starkes Gasangebot, was die Gaspreise im zurückliegenden Monat um rund 20 Prozent fallen ließ. Ein solch starker Preisverfall ist ungewöhnlich. Schließlich ist der Februar im langfristigen Mittel eher durch ein starkes Risiko von Preisspitzen durch Kältewellen geprägt.

Zum Vergleich: Im Februar 2017 fielen die Gaspreise ebenfalls stark – von rund 22 auf 17 Euro pro Megawattstunde (MWh), also um 23 Prozent. Der Winter 2016/2017 war rund ein Grad zu warm, die Gasspeicher waren aber damals mit 28 Prozent Füllstand gut entleert.

Starkes Angebot, volle Gasspeicher

Bisher ist der laufende Winter rund 2,5 Grad wärmer als die langfristige Norm. Die Gasspeicher sind Ende Februar in Deutschland mit 69 Prozent Füllstand so voll wie noch nie. Die heutige globale Ausrichtung des europäischen Gasmarkts und die Orientierung der Preise zu den asiatischen LNG-Preisen verhinderten im Februar einen stärkeren Preisverfall.

Das Gasangebot zeigte sich trotz der schwachen Nachfrage unverändert stark. Der Füllstand der LNG-Speicher liegt mit aktuell 53 Prozent für diesen Zeitpunkt im Jahr über den Vorjahren. Die europäischen Gasspeicher sind zu 63 Prozent gefüllt. Das sind knapp 17 Prozentpunkte über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt.

Wenige Ausspeicherungen für Februar

Üblicherweise sehen wir im Februar neben Januar die höchsten Ausspeichermengen. Im Vorjahresmonat lag die Ausspeicherung der europäischen Gasspeicher bei 132 TWh.

Nicht so im zurückliegenden Monat: Nach vorläufigen Schätzungen könnten die Ausspeicherungen im Februar 2024 knapp unter 100 TWh liegen. Dies entspricht einem Minus von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Zum Vergleich: Im Januar 2024 wurden aus den europäischen Speichern rund 193 TWh ausgespeichert.

Starkes LNG-Angebot, konstante Lieferungen aus Norwegen

Das LNG-Angebot zeigte sich im Februar unverändert stark wie schon in den Vormonaten. Nach vorläufigen Schätzungen importierten die europäischen LNG-Terminals 130 LNG-Lieferungen, darunter 60 Lieferungen aus den USA und 24 Lieferungen aus Russland.

Norwegen exportierte im Februar rund 107 TWh Erdgas nach Europa. Das entsprach knapp 5 Prozent mehr als noch im Vorjahresmonat Februar und rund 1 Prozent mehr als im Fünf-Jahres-Mittel.

Russlands Lieferungen stabil

Russland lieferte nach Europa nach vorläufigen Schätzungen im Februar rund 28 TWh Erdgas. Im Vorjahresmonat waren es nur 21 TWh. Wir sehen, dass sich die russischen Gasliefermengen in den vergangenen Monaten tendenziell stabilisierten.

Russland schickte die letzten Monate hindurch konstant stabile Gasmengen durch die Ukraine und über die Pipeline Turkstream. Das Transitabkommen für den Transport durch die Ukraine läuft Ende des Jahres jedoch aus. Wie es dann weitergeht, ist derzeit unklar. Aktuell spricht wenig für eine Verlängerung.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Keine Bullen in Sicht: Welche Folgen die anhaltende Gaspreisflaute hat"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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