Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Das warme Wetter führte auch in dieser Woche zu einer schwachen Gasnachfrage und fallenden Gaspreisen. Die Marktstimmung bleibt bearish. Bullishe Anzeichen sind derzeit nicht in Sicht.

Der Großteil der Preisbewegung gegenüber der Vorwoche fand am Kurzfristmarkt und am kurzen Ende der Terminkurve statt. Der Day-Ahead verbilligte sich um rund einen Euro pro Megawattstunde (MWh). Der Kalenderkontrakt Cal-25 bewegte sich im Vorwochenvergleich seitwärts.

Marktstimmung bearish

Der Preisverfall am Spotmarkt spiegelt das hohe LNG-Angebot und die anhaltend wärmeren Wettervorhersagen wider. Die Ausspeicherungen der Gasspeicher sind für diesen Jahreszeitpunkt ungewöhnlich niedrig.

Auch für die nächste Woche ist aus fundamentaler Sicht nicht mit steigender Nachfrage oder einem bullishen Impuls zu rechnen. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen in Deutschland sollen mit fünf bis sieben Grad Celsius weiterhin deutlich über der saisonalen Norm liegen.

Hohes LNG-Angebot

Innerhalb der nächsten sieben Tage werden 30 LNG-Lieferungen an den europäischen LNG-Terminals erwartet. Die meisten Lieferungen gehen nach Spanien, Frankreich und die Niederlande. In Deutschland wird eine Lieferung erwartet.

Im laufenden Monat wurden bis dato 95 Lieferungen importiert. Im Vormonat waren es zum Vergleichszeitpunkt ungefähr genauso viele. Im Januar wurden insgesamt 136 LNG-Lieferungen in Europa eingeführt. Damit zeichnet sich für Monat Februar ein ähnliches LNG-Import-Volumen wie im Vormonat Januar ab.

Sommer-Winter-Spread vergrößert sich

Gegenüber der Vorwoche hat sich der Sommer-Winter-Spread für dieses Jahr um rund einen Euro pro MWh erhöht. Der Sommerkontrakt notierte am Donnerstag bei rund fünf Euro pro MWh billiger als im Winter-24. Für Februar weiterhin ungewöhnlich bleibt die Tatsache, dass die Spotpreise knapp unter den Preisen für den Sommerkontrakt liegen.

Die Spot-LNG-Preise sind gemäß der Preisabschätzung der EU-Regulierungsbehörde Acer zuletzt mit rund 22,50 Euro pro MWh auf den tiefsten Stand seit Juni 2023 gesunken. Damit hat sich der Abstand zu den asiatischen Preisen am JKM um rund einen Euro pro MWh erhöht.

Risiko fehlender Spot-LNG-Lieferungen im Sommer

Am asiatischen JKM notierten der Frontmonat und auch die Kontrakte für Sommer-24 bei umgerechnet rund 27 Euro pro MWh. Bei den aktuellen Spreads könnten in der Sommersaison vermehrt Spot-LNG-Ladungen nach Asien umgeleitet werden.

Daraus leitet sich zumindest ein leichtes bullishes Signal für die Sommerkontrakte ab. Diese müssten gegenüber den JKM-Preisen rund ein bis zwei Euro pro MWh zulegen, um ein für die Einspeicherungen ausreichendes LNG-Angebot in Europa während der Einspeicherungssaison zu gewährleisten.

Gasnachfrage auf Allzeittief

Die europäische Gasnachfrage liegt weiterhin für diesen Jahreszeitpunkt auf einem Allzeittief. Zuletzt lag die Nachfrage aller europäischen Länder bei insgesamt rund 12 TWh/Tag, ein Wert der üblicherweise eher Ende April zu erwarten ist.

Im Februar beläuft sich die Gesamtnachfrage auf bisher insgesamt 277 TWh. Im Vormonat lag die Nachfrage zum gleichen Zeitpunkt bei 380 TWh. In Deutschland bewegt sich der Wert seit Mitte des Monats zum Teil deutlich unter 3 TWh pro Tag. Saisonal üblich sind 3,5 bis 4 TWh pro Tag.

Gasspeicher Rehden zu 46 Prozent gefüllt

Die Gasspeicher der EU sind aggregiert zu 64 Prozent gefüllt. Die deutschen Gasspeicher sind zu 71 Prozent voll. Damit liegen sie 17 Prozentpunkte über dem Fünf-Jahres-Mittel. Aus dem größten Speicher Deutschlands in Rehden (Speicherkapazität 46 TWh) wurde zuletzt kontinuierlich ausgespeichert. Der Speicher ist zu 46 Prozent gefüllt.

Die anderen großen Gasspeicher Deutschlands weisen deutlich höhere Füllstände auf. Bernburg, Lauchstädt, Epe, Etzel und Breitbrunn mit einem Speichervolumen von insgesamt mehr als 80 TWh sind zusammen zu über 80 Prozent gefüllt.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Gaspreise verlieren seit Winterbeginn 35 Prozent"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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