In ganz Deutschland ergreifen Versorger und Unternehmen die Initiative für Wasserstoff.

In ganz Deutschland ergreifen Versorger und Unternehmen die Initiative für Wasserstoff.

Bild: © malp/Adobe Stock

Das Bundeskabinett wird sich in dieser Woche nicht mit der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) befassen, wie die ZfK auf Nachfrage erfuhr.

Noch in der vergangenen Woche hatte Thomas Bareiß (CDU), der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, betont, dass man bei dem Thema auf der Zielgeraden sei. Eine Abstimmung war für den heutigen Mittwoch geplant. Nun ist die ursprünglich bereits für Herbst 2019 angekündigte Wasserstoffstrategie wieder von der Agenda des Bundeskabinetts gestrichen worden.

DVGW: Vertagung nachvollziehbar

"Es ist absolut nachvollziehbar, dass im Bundeskabinett aktuell andere Schwerpunkte als die Wasserstoffstrategie zu besprechen sind. Jetzt geht es darum, gemeinsam – und jeder in seinem Verantwortungsbereich – dazu beizutragen, die Corona-Krise bestmöglich und schnell zu bewältigen", kommentiert Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender der DVGW die Entscheidung der Bundesregierung.

Der DVGW und die gesamte Gas- und Wasserbranche würden Verantwortung übernehmen, indem sie die Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleisten. Zugleich hofft Linke, dass das Thema schnell wieder auf die Kabinettsagenda kommt. "Die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung bleibt natürlich ein zentraler Baustein, um die Energiewende CO2-arm zu gestalten. Sie schnellstmöglich zu verabschieden, muss daher weiterhin von gemeinsamem Interesse sein."

Inhaltliche Differenzen

Wann das Bundeskabinett über die NWS entscheiden wird, ist derzeit unklar. Nicht nur die Corona-Krise könnte einer schnellen Kabinettsbefassung entgegenstehen. Zumindest Mitte der vergangenen Woche wurde zwischen den mit dem Thema Wasserstoff betrauten Ressorts immer noch um die Details der Strategie gerungen, wie auch Bareiß einräumte.

Strittig ist beispielsweise die Rolle von blauem, als aus Erdgas gewonnenem Wasserstoff. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hält dessen Nutzung zumindest übergangsweise für unverzichtbar. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) setzt hingegen auf grünen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien.

Verschiedene Positionen auch in der CDU

Auch Altmaiers Parteifreundin, Forschungsministerin Anja Karliczek will in großem Stil auf grünen Wasserstoff setzen. Die hohen Anteile von fossiler und Kernenergie müssten bei einem Ausstieg aus der Atomenergie und Kohleverstromung nun schnell ersetzt werden. "Wir müssen jetzt energisch und nicht halbherzig in den grünen Wasserstoff einsteigen", so die CDU-Politikerin. Deutschland müsse hier weltweit zum Vorreiter werden. "Unser Anspruch ist eine sichere Energieversorgung zu einem bezahlbaren Preis", sagte Karliczek. "Ich stehe mit ganzer Kraft für eine grüne Energieversorgung ein."

Diese inhaltlichen Differenzen selbst in der CDU treiben auch die Initiative Zukunft Erdgas um. "Seit letztem Jahr warten wir auf die Nationale Wasserstoffstrategie, die den Weg für Wasserstoff in Deutschland frei machen soll. Derzeit herrscht in der Bundesregierung allerdings Uneinigkeit darüber, ob die Herstellung ausschließlich auf grünen Wasserstoff beschränkt werden soll. Die Diskussion zeigt, dass Teile der Bundesregierung die zukünftig benötigten Wasserstoffmengen drastisch unterschätzen. Selbst wenn der Anteil der erneuerbaren Stromerzeugung und der Elektrolysekapazitäten deutlich wächst, lässt sich mit grünem Wasserstoff nur ein geringer Teil des Verkehrs-, Wärme- und Industriesektors dekarbonisieren. So viel Strom wird schlichtweg nicht verfügbar sein", teilte die Initiative am heutigen Mittwoch auf ZfK-Anfrage mit.

Grüner Wasserstoff spiele zwar eine wichtige Rolle in der Speicherung von erneuerbarem Strom. "Für eine stabile Versorgung mit Wasserstoff brauchen wir aber unbedingt Produktionstechnologien, die grundlastfähig sind. Dafür kommen derzeit nur Verfahren in Frage, die Wasserstoff CO2-neutral aus Erdgas erzeugen."

Viele offene Fragen

Streit gibt es auf politischer Ebene zudem über die Frage, ob der Wasserstoff vorzugsweise einzelnen Branchen zur Verfügung gestellt werden soll oder ob es eine möglichst breite Nutzung brauche. Kontroverse Ansichten gibt es darüber hinaus mit Blick auf die Rolle von Wasserstoffimporten sowie die Bedeutung von Wasserstoff für die Wärmewende.  (amo)

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