Thomas Beier ist Geschäftsführer der Stadtwerke Wertheim.

Thomas Beier ist Geschäftsführer der Stadtwerke Wertheim.

Bild: © Stadtwerke Wertheim GmbH

Grüner Wasserstoff gilt als ein Schlüssel beim Übergang zu einem klimaneutralen Energiesystem. Doch seien solche Projekte ohne Förderung kaum darstellbar, sagt Thomas Beier, Geschäftsführer der Stadtwerke Wertheim in Baden-Württemberg, im Interview. Warum sein Unternehmen dennoch Millionen in einen 10-Megawatt-Elektrolyseur steckt, welche Rolle PPAs spielen und wieso 2027 ein entscheidendes Jahr wird, lesen Sie im ersten Teil des Interviews.

Herr Beier, Wasserstoffprojekte sind mit hohen Risiken verbunden und für kommunale Versorger kein Tagesgeschäft. Wie ist das bei den Stadtwerken Wertheim?

Wir beschäftigen uns damit schon seit Beginn der Energiekrise 2022. Damals war der Druck groß, unabhängiger von fossilen Importen zu werden. Auch wenn sich die Lage an den Energiemärkten später etwas beruhigt hat und das Thema politisch wie medial zwischenzeitlich an Aufmerksamkeit verloren hat – wir sind dabeigeblieben. Für uns war früh klar, dass Wasserstoff ein Baustein der zukünftigen Energieversorgung sein kann.

Was war der Auslöser für Ihr Projekt?

Wir haben uns angeschaut, welche Voraussetzungen wir vor Ort haben. Wertheim liegt an einer wichtigen Verkehrsachse, wir haben erneuerbare Energien in der Region, betreiben Wärmenetze und haben industrielle Abnehmer. Wenn man diese Bausteine zusammen denkt, ergibt sich ein recht vollständiges Bild eines möglichen Wasserstoff-Ökosystems. Da haben wir gesagt: Wenn es irgendwo funktionieren kann, dann hier.

Wenn alles nach Plan läuft, könnten wir Ende dieses Jahres beziehungsweise Anfang nächsten Jahres in die Bauphase gehen.

Wie weit sind Sie inzwischen?

Wir stehen kurz vor Abschluss der Genehmigungsplanung. Einen positiven immissionsschutzrechtlichen Vorbescheid haben wir bereits. Unser Ziel ist, die finalen Unterlagen Mitte dieses Jahres einzureichen. Wenn alles nach Plan läuft, könnten wir Ende dieses Jahres beziehungsweise Anfang nächsten Jahres in die Bauphase gehen. Die Inbetriebnahme der Elektrolyseanlage ist für Ende 2027 vorgesehen.

Warum dieser Zeitdruck?

Das hat viel mit regulatorischen Rahmenbedingungen zu tun, insbesondere mit den europäischen Vorgaben für grünen Wasserstoff. Wenn wir bis Ende 2027 produzieren, können wir bestimmte Vorteile aus der aktuellen Regulierung nutzen. Deshalb haben wir das Projekt rückwärts von diesem Datum aus geplant.

Sie erhalten Fördermittel vom Land Baden-Württemberg. Wie wichtig ist diese Unterstützung?

Ohne Förderung wäre ein solches Projekt derzeit kaum darstellbar. Wir haben eine Zusage über 9,1 Millionen Euro erhalten. Allerdings kommt ein Großteil dieser Mittel erst in späteren Jahren. Das bedeutet für uns, dass wir eine längere Zwischenfinanzierung stemmen müssen. Das belastet den Business Case zusätzlich.

Unser Ziel ist es, zumindest eine schwarze Null zu erreichen. Mehr verlangen unsere Gesellschafter zunächst gar nicht.

Apropos Wirtschaftlichkeit: Lässt sich mit grünem Wasserstoff aktuell Geld verdienen?

Kurz gesagt: Es ist extrem schwierig. Wir rechnen sehr genau und sind aktuell noch leicht im negativen Bereich. Unser Ziel ist es, zumindest eine schwarze Null zu erreichen. Mehr verlangen unsere Gesellschafter zunächst gar nicht. Aber selbst das ist bei den aktuellen Rahmenbedingungen ambitioniert – steigende Zinsen machen es zusätzlich schwer.

Wo liegen die größten wirtschaftlichen Herausforderungen?

Ein zentraler Punkt ist die Stromversorgung. Für eine wirtschaftliche Elektrolyse brauchen Sie viele Volllaststunden – wir sprechen von mindestens 4500 im Jahr. Das lässt sich mit rein regionalen erneuerbaren Energien kaum darstellen. Deshalb setzen wir auf Power Purchase Agreements mit Anlagen aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Nur so kommen wir auf ausreichende Auslastung.

Wie stellen Sie sicher, dass der Wasserstoff tatsächlich grün ist?

Über entsprechende Herkunftsnachweise im Rahmen dieser PPAs. Physisch kommt der Strom bei uns aktuell über eine leistungsfähige Leitung aus Bayern. Für die Zertifizierung entscheidend ist aber die bilanziell zugeordnete erneuerbare Erzeugung.

Am 30. April erschien Teil 2 des Interviews. Erfahren Sie darin unter anderem, wie es um die Abnehmerseite steht, weshalb Ankerkunden wichtig sind und wie sich die Energiepreise auswirken.

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