Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Gaspreise notierten gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich niedriger. Dennoch bereitet der niedrige Füllstand der Gasspeicher Anlass zur Sorge und zum Ende des Winters könnte es eng werden.

Gaspreise billiger als im Vorjahr – Risiken der Terminabsicherung

Die Gaspreise am deutschen THE im August 2025 notierten mit durchschnittlich 33 EUR/MWh rund fünf EUR/MWh niedriger als im Vorjahresmonat. Im August 2024 touchierten die Gaspreise immer mal wieder die 40 EUR/MWh Marke, wohingegen in diesem Jahr im August der Trend den Monat hindurch fallend war.

Der Verfall am Terminmarkt gegenüber dem Vorjahr ist noch deutlicher. Frontjahr 2025 notierte im August 2024 bei durchschnittlich knapp 42 EUR/MWh. Je nach Preisentwicklung für die restlichen Monate im Jahr 2025 könnte die Terminabsicherung im August 2024 vielleicht zu teuer gewesen sein.

Ähnlich verlustreich könnte sich die Terminabsicherung für Q3-2025, getätigt im August 2024 ergeben. Der Kontrakt notierte damals bei durchschnittlich knapp 41 EUR/MWh, die Spotpreise im Juli und August 2025 liegen jedoch bisher bei rund 34 EUR/MWh.

Gasangebot höher als im Vorjahresmonat

Das europäische Gasangebot zeigte sich im August 2025 mit insgesamt 309 TWh um knapp 4 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Ein gegenüber dem Vorjahresmonat verbessertes LNG-Angebot konnte den Wegfall der russischen Transitlieferungen durch die Ukraine im Berichtsmonat August 2025 überkompensieren.

Die LNG-Aussendungen lagen mit 109 TWh zwar um 31 Prozent über dem Wert aus August 2024, dennoch markierte dies für das Jahr 2025 einen Jahrestiefststand. Im laufenden Jahr ist der Bedarf an LNG für die Einspeicherung deutlich höher als im Vorjahr.

Norwegen größter Lieferant – Libyen abgeschlagen

Norwegen lieferte im August rund 107 TWh Erdgas (Aug-24: 111 TWh), Algerien 28 TWh (Aug-24: 27 TWh), Russland 17 TWh (Aug-24: 30 TWh) und Aserbaidschan 11 TWh ((Aug-24: 8 TWh).

Das Fehlen einer einheitlichen Regierungsführung, regulatorische Unsicherheit und eine sich verschlechternde Infrastruktur führt in diesem Jahr zu einem historischen Verfall der Gaslieferungen aus Libyen, der sich auch im August fortsetzt. Das Land exportierte in die EU im August nur 200 GWh Erdgas.

Abwärtstrend der Gasförderung

Die Gasförderung der EU befindet sich seit dem Ende der Gasförderung im niederländischen Groningen in einem kontinuierlichen Abwärtstrend. Addiert man die Gasförderung Großbritanniens produzierten die Länder zusammen nur 30 TWh Erdgas (Vorjahresmonat 31 TWh).

Damit liegt die Gasförderung im August auf Allzeittief und im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2024 um 40 Prozent niedriger.

Größter Produzent im August waren die Niederlande mit knapp neun TWh. Mit steigender Tendenz dahinter folgt Rumänien mit rund acht TWh. Mit der Erschließung der neuen Gasfelder im Schwarzen Meer könnte Rumänien jedoch in den nächsten Jahren der größte Gasproduzent der EU werden.

Einspeicherungen auf drei-Monats-Tief

Im August wurden insgesamt 105 TWh Erdgas in die EU-Gasspeicher netto-eingespeichert. Das war zwar deutlich mehr als im Vorjahresmonat (89 TWh), aber dennoch der niedrigste Wert seit Mai dieses Jahres.

In Deutschland steigen die Netto-Einspeicherungen im August mit 26 TWh auf den höchsten Stand in diesem Jahr. Dennoch ist dies angesichts des Füllstands zu wenig, die deutschen Gasspeicher sind aktuell zu 75 Prozent gefüllt.

Im letzten Winter wurden 70 Prozent der Arbeitskapazität verbraucht, der Füllstand sank von 99 Prozent zu Beginn des Winters auf 29 Prozent zum Ende des Winters. Bis zum Beginn der Heizperiode müssten die Einspeicherungen nochmals deutlich zulegen, sonst wird es zum Ende dieses Winters knapp.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

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