Eduard Sudheimer ist Geschäftsführer von NEW Netz. Er verantwortet Strategie, Digitalisierung und den Ausbau der Mittel- und Niederspannungsnetze.

Eduard Sudheimer ist Geschäftsführer von NEW Netz. Er verantwortet Strategie, Digitalisierung und den Ausbau der Mittel- und Niederspannungsnetze.

Bild: © NEW

Herr Sudheimer, bei großen Anschlüssen wie Batteriespeichern oder Rechenzentren: Wo stoßen Ihre Netze aktuell an ihre Grenzen?

Zuallererst müssten wir einordnen, wofür die NEW Netz zuständig ist. Wir betreiben Mittel- und Niederspannung für rund 750.000 Einwohner für die Stadt Mönchengladbach und die Kreise Viersen, Neuss und Heinsberg. Ferner betreiben wir Gas- und Wasserinfrastruktur. Ab der Hochspannungsebene übernimmt Westnetz als unsere vorgelagerte Netzbetreiberin. Bei Großbatteriespeichern wurde binnen ein bis zwei Jahren die 1,5‑fache Kapazität, konkret 1,2 Gigawatt, von dem angefragt, was unser bestehendes Netz für alle bestehenden Letztverbraucher bereitstellen kann. Da kommt jedes Netz an seine Grenzen, deshalb lehnen wir etwa 95 Prozent der Anfragen ab. Oft verweisen wir dann auf das vorgelagerte Hochspannungsnetz, da die angefragte Last nur in der Hochspannung verfügbar wäre.

Wie hat sich die Rolle von NEW Netz verändert?

Wir entwickeln uns vom klassischen Netzbetreiber hin zum aktiven Systemmanager. Flexibilität ist ein zentrales Instrument – nicht starre Steuerungszeiten, sondern ein Netz, das sich dynamisch anpasst. Wir führen Pilotprojekte mit Speichern und virtuellen Kraftwerkskonzepten durch, implementieren flexible Netzanschlussvereinbarungen und entwickeln automatisierte Prozesse, um Partner digital zu unterstützen. Wir haben in der NEW-Gruppe fünf KI-Manager eingestellt, um Abläufe zu optimieren, Projektbearbeitung zu beschleunigen und den Mitarbeitenden ein Hilfswerkzeug zu geben, um den Alltag so effizient wie möglich gestalten und die Herausforderungen meistern zu können.

Wie priorisieren Sie mehrere Großkundenanfragen gleichzeitig?

Wir bearbeiten nach Eingang, also nach dem Windhund-Prinzip. Wichtig ist, dass wir die Technik zukunftssicher planen. Mittelspannungsanlagen können wir innerhalb eines Jahres umsetzen; limitierend sind Hochspannungstransformatoren, deren Lieferzeit bis zu drei Jahre beträgt. Wir müssen derzeit jährlich drei bis fünf Umspannstationen realisieren. Diese Projekte müssen langfristig geplant sein, damit die Technik auch in Zukunft zuverlässig arbeitet. Wir legen Wert auf N‑1‑Sicherheit und hohe Qualität, die braucht eben Zeit.

Welche Chancen sehen Sie in dynamischen Netzentgelten?

Ziel ist, Kapazitäten effizient zu steuern und teure Infrastruktur nicht unnötig auszubauen. Derzeit nutzen wir den §14a des Energiewirtschaftsgesetzes, um Ressourcen zu schonen, und setzen Smart-Meter-Rollouts und digitale Ortsnetzstationen ein. Energieinfrastruktur, wie Umspannwerke, Kabel und vor allem Tiefbau, kosten mehrere Millionen Euro. Da lohnt sich ein Vergleich, wie man mit Flexibilitäten und einem gezielten Einsatz von Netzdiensten die vorhandene Infrastruktur optimal – technisch und wirtschaftlich – nutzen kann.

Was bremst den Netzausbau aktuell am stärksten?

Genehmigungen, Materialengpässe und Fachkräfte wirken zusammen. Bei großen Projekten muss die Planung langfristig erfolgen – Qualität braucht Zeit. Auch die kommunale Wärmeplanung bringt neue Dimensionen: Im ländlichen Raum werden viele Haushalte von Gas oder Öl auf Strom umgestellt, was zusätzliche Lasten ins Netz bringt.

Wie groß ist die Rolle der Digitalisierung?

Wir wollen digitaler Vorreiter sein. Alle Prozesse sollen standardisiert und automatisiert werden, von der Anfrageprüfung bis zur Umsetzung. Gleichzeitig muss Transparenz sensibel erfolgen – zu viele Informationen über Netzkapazitäten könnten Risiken bergen.

Wie sichern Sie die Netzdienlichkeit von Speichern?

Bisher haben wir keinen Speicher gesehen, der wirklich netzdienlich arbeitet. Wir führen konkrete Gespräche zu flexiblen Netzanschlussvereinbarungen, die 2026 umgesetzt werden sollen. Flexibilität bedeutet für uns, dass das Netz dynamisch genutzt wird – nicht, dass man starre Regelungszeiten vorgibt. Wir bieten auch proaktiv die gemeinsame Nutzung von Anschlüssen über sogenanntes Cable-Pooling an und versuchen, das Verständnis zwischen Netzbetreiber und Anschlussbegehrenden zu stärken, etwa bei runden Tischen mit Projektierern.

Häufig ist zu hören, Netzbetreiber bremsen die Energiewende.

Statements, in denen alle Netzbetreiber über einen Kamm geschert werden, kann ich nicht mehr lesen. Das trifft auf viele nicht zu. Ich möchte nicht, dass die Netzbetreiber als Verhinderer der Energiewende wahrgenommen werden. Wir arbeiten partnerschaftlich, digital und strategisch daran, dass Versorgungssicherheit, Flexibilität und erneuerbare Energien für alle Kunden zusammenpassen.

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