Mit dem Spatenstich in Görlitz ist ein Projekt in die Bauphase gestartet, das über die Region hinaus Signalwirkung entfalten soll. Mit "United Heat" sollen die Fernwärmenetze der sächsischen Stadt Görlitz und der polnischen Nachbarstadt Zgorzelec erstmals grenzüberschreitend miteinander verbunden werden.
Aus Sicht des Bundeswirtschaftsministeriums ist es ein Beispiel dafür, wie kommunale Wärmewende, europäische Zusammenarbeit und Versorgungssicherheit zusammengeführt werden können. Entsprechend hochrangig war die politische Begleitung des Baustarts. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, Vertreter des polnischen Energieministeriums, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sowie kommunale Spitzen beider Städte würdigten den Baustart als Signal für eine "sichere, bezahlbare und nachhaltige Wärmeversorgung mitten in Europa".
Kern des Projekts ist der Aufbau eines gemeinsamen, vollständig auf erneuerbaren Energien basierenden Fernwärmesystems. Bis 2030 sollen beide Städte ihre Wärmeversorgung komplett dekarbonisieren. Während Görlitz bislang überwiegend in Kraft-Wärme-Kopplung mit Erdgas heizt, stammt die Fernwärme in Zgorzelec weitgehend aus Braunkohle.
Leitung führt unter der Neiße hindurch
Die dafür notwendige Infrastruktur entsteht schrittweise: Insgesamt rund zwölf Kilometer neue Fernwärmeleitungen sind geplant, davon zunächst ein 3,8 Kilometer langer Abschnitt, der Görlitz‑Königshufen mit Zgorzelec verbindet und die Lausitzer Neiße quert. Parallel werden auf deutscher Seite bislang getrennte Fernwärmegebiete hydraulisch zusammengeführt.
Die Leitung bildet das Rückgrat eines integrierten Wärmesystems, das Erzeugung und Verbrauch erstmals über Landesgrenzen hinweg koordiniert. United Heat setzt dabei auf einen diversifizierten Technologiemix: Biomasse, Großwärmepumpen zur Nutzung von Fluss‑, See‑ und Abwasserwärme, Solarthermie mit saisonaler Speicherung sowie Power‑to‑Heat‑Anlagen sollen künftig gemeinsam betrieben werden. Ziel ist ein flexibles System, das nicht nur Wärme erzeugt, sondern auch Lastspitzen ausgleicht und erneuerbare Erzeugung wirtschaftlich nutzbar macht.
Organisatorisch setzen die Projektpartner auf ein gemeinsames Modell. Die Stadtwerke Görlitz, ein Unternehmen der Veolia‑Gruppe, und der polnische Wärmeversorger SEC Zgorzelec, eine Eon-Tochter, bereiten die Gründung eines deutsch‑polnischen Joint Ventures vor. Dieses soll Bau und Betrieb der grenzüberschreitenden Infrastruktur übernehmen.
Das Gesamtinvestitionsvolumen liegt bei rund 200 Millionen Euro. Der Bund unterstützt die Investitionen auf deutscher Seite mit rund 81,6 Millionen Euro aus der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze. Hinzu kommen etwa 38 Millionen Euro aus europäischen Programmen.



