Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Derzeit sind in Deutschland drei schwimmende LNG-Terminals in Betrieb. Bei zwei weiteren verzögert sich die Fertigstellung. Langfristig sind drei Onshore-Terminals geplant.

Die Bilanz ist bisher durchwachsen, die Auslastung sehr unterschiedlich. Ein Überblick:

Energie-Terminal Deutsche Ostsee – bisher keine Erfolgsgeschichte

Im Industriehafen Mukran ist seit September 2024 das Energieterminal Mukran im Regelbetrieb. Im Regelbetrieb soll ein LNG-Tanker alle drei bis vier Tage das Terminal anlaufen und seine Ladung löschen. Das LNG wird in Mukran regasifiziert und dann über die Ostsee-Anbindungsleitung (OAL) transportiert und mit dem deutschen Fernleitungsnetz in Lubmin verbunden. Das Terminal wird durch den privaten Investor Deutsche Regas betrieben. Soweit die Theorie.

Das Terminal ist auf dem Papier mit einer täglichen Aussendungskapazität von 412 Gigawattstunden (GWh) pro Tag derzeit das größte LNG-Terminal in Deutschland. Im laufenden Jahr wurden jedoch nur 830 GWh ins Netz gespeist. Das Terminal ist im Jahr 2025 bisher daher nur zu drei Prozent ausgelastet. Im Mittelwert sind es seit Inbetriebnahme im vergangenen September nur rund 5 Prozent.

Schon seit mehreren Monaten hatte sich ein Streit zwischen der Deutschen Regas und dem Bund angebahnt. Im Februar hatte die Deutsche Regas den Sub-Chartervertrag für das schwimmende Anlandungsterminal (im Fachjargon FSRU genannt) Energos Power mit dem Bund gekündigt. Damit verbleibt dem LNG-Terminal nur das FSRU Neptune. Dazu steht die Deutsche Regas in einem Rechtsstreit mit Gascade bezüglich der Kostenbeteiligung der Netzanbindung über die Ostsee-Anbindungsleitung. Wie es hier weitergeht, ist derzeit unklar.

LNG-Terminal Stade – FSRU-Inbetriebnahme fraglich

In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass das LNG-Terminal in Stade vorerst nun doch nicht in Betrieb gehen soll. Hintergrund ist ein Streit über die Fertigstellung der Infrastruktur zwischen der Deutschen Energy Terminal GmbH (DET), der bundeseigenen Gesellschaft für den Betrieb von LNG-Terminals und der Hanseatic Energy Hub (HEH), die für die Infrastruktur an Land zuständig ist.

Die DET hatte anscheinend bereits im Januar der HEH den Vertrag gekündigt – wegen der angeblich nicht fertiggestellten Suprastruktur. Die HEH weist dies zurück. Sie verweist auf nicht geleistete Zahlungen der DET. Brancheninsider bewerten das Verhalten der DET als eher kritisch.

Die Inbetriebnahme wurde zuvor bereits mehrere Male verschoben, zuletzt auf März 2024. Seitdem liegt das FSRU Energos Force vor Ort und kostet die DET, die das Schiff für zehn Jahre gechartert hat, rund 200.000 Euro pro Tag.

Die HEH ist in diesem Zusammenhang keine Unbekannte. In Stade möchte die HEH ein landseitiges LNG-Terminal realisieren, das das FSRU ersetzen soll. Der Hanseatic Energy Hub soll im Jahr 2027 in Betrieb gehen.

Brunsbüttel LNG-Terminal – höchste Auslastung

Das schwimmende LNG-Terminal (FSRU) wurde im Januar 2023 in Betrieb genommen und wird seit 2024 durch die DET betrieben. Mit dem FSRU Hoegh Gannet hat das Terminal eine maximale LNG-Aussendungskapazität von nur 73 GWh pro Tag. Es ist damit derzeit das kleinste LNG-Terminal in Deutschland.

Im vergangenen Jahr wurden über das Terminal rund 22 Terawattstunden (TWh) Erdgas in das Fernleitungsnetz eingespeist. Im laufenden Jahr sind es bisher rund 8 TWh. Die Kapazitätsauslastung lag damit im letzten Jahr bei über 80 Prozent. Im laufenden Jahr ist das Terminal nahezu voll ausgelastet.

Landseitig soll bis zum Jahr 2027 ein festes LNG-Terminal errichtet werden und das FSRU ersetzen. Der Betreiber German LNG Terminal GmbH errichtet das Terminal mit einer jährlichen Kapazität von zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas.

LNG-Terminal Wilhelmshaven

Als erstes deutsches LNG-Terminal war das Terminal Wilhelmshaven I mit dem FSRU Hoegh Esperanza im Dezember 2022 in Betrieb gegangen. Das FSRU hat eine maximale tägliche Aussendungskapazität von 154 GWh. Mit einer Aussendung von insgesamt 37 TWh im Jahr 2024 regasifizierte dieses Terminal so viel LNG wie kein anderes Terminal in Deutschland.

Das Terminal war damit im Jahr 2024 zu 66 Prozent ausgelastet. Im laufenden Jahr bleibt die Auslastung mit nur 33 Prozent jedoch bislang hinter den Erwartungen zurück.

Mit dem FSRU Excelerate Excelsior soll im ersten Quartal dieses Jahres unter der Bezeichnung Terminal Wilhelmshaven II ein zweites schwimmendes LNG-Terminal in Betrieb gehen. Bisher sind auf den Transparenzseiten jedoch keine Daten zu den Aussendungen ersichtlich.

Zukünftig soll in Wilhelmshaven das größte Gasimportterminal Deutschlands entstehen. Der Wilhelmshaven Green Energy Hub soll perspektivisch grüne Rohstoffe importieren.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Geopolitik und Spekulationen beschäftigen die Gasmärkte

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