Von Daniel Zugehör
Ein Vorzeigeprojekt der Energiewende liegt vorerst auf Eis. In dem Heizkraftwerk (HKW) Süd der Leipziger Stadtwerke strömt kein Wasserstoff – obwohl das für dieses Jahr fest vorgesehen war. "Wir planen, ab 2025 mit der Beimischung von Wasserstoff zu beginnen", hatte der ehemalige Projektleiter bei den Stadtwerken, Thomas Brandenburg, bei der offiziellen Eröffnung des HKW im Jahr 2023 erklärt.
Aber Deutschlands laut dem damaligen sächsischen Energiestaatsminister Wolfram Günther (Grüne) erstes wasserstofffähiges Heizkraftwerk wird "bis auf Weiteres" mit Erdgas betrieben, teilen die Leipziger Stadtwerke auf Nachfrage mit. Als einen Verantwortlichen dafür, dass bislang noch kein Wasserstoff beigemischt wird, nennt der Energieversorger das Bundeswirtschaftsministerium.
"Können sofort starten"
"Wenn der Bund dieses Projekt gefördert hätte, hätten wir die Tests in diesem Jahr begonnen", erklärt ein Unternehmenssprecher gegenüber der ZfK. "Da dies bis heute, trotz anderslautender Absichtserklärungen, nicht erfolgt ist, haben sich unsere Prioritäten für dieses Projekt verschoben", so der Sprecher weiter. Er betont: "Sobald sich an der Situation etwas ändert, können wir sofort starten."
Das HKW Süd der Leipziger Stadtwerke bildet das Herzstück des Forschungsprojekts "Burn4H2". Untersucht werden soll darin der "Betrieb von Wasserstoffturbinen im Energiesystemverbund aus verschiedenen Energiespeichern, Solarthermie, Wärmepumpen, Elektrolyseuren und regenerativen Energieerzeugern", heißt es auf der Website der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK).
Im Fokus stehen demnach die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Sektoren sowie die zeitabhängige Verfügbarkeit und Nachfrage. Ziel ist eine kostenoptimierte Fahrweise für den gesamten Energieverbund. Neben der HTWK als wissenschaftliche Begleitung ist auch Siemens Energy Global Partner des Projekts. Zuvor hatten lokale Medien, darunter die "Leipziger Volkszeitung" (LVZ), berichtet.
Konkurrenz zu stark
Das Wirtschaftsministerium selbst kommentiert die Ablehnung auf ZfK-Anfrage nicht. Man bitte um Verständnis, aber "über die Inhalte vertraulich eingereichter Projektskizzen und Gründe für eine Ablehnung können wir uns nicht äußern", erklärt eine Ministeriumssprecherin.
Offenbar waren andere Projekte aus Sicht der Behörde vielversprechender oder die Fördergelder aufgebraucht. "Die Projektskizze zu Phase 1 wurde bewilligt, Phase 2 hat es in Konkurrenz um die zur Verfügung stehenden Mittel, derzeit nicht in die Förderung geschafft", so die Sprecherin weiter.
Apropos Geld: Was der probeweise Einsatz von Wasserstoff in dem Kraftwerk eigentlich hätte kosten sollen oder wie hoch die Fördersumme gewesen wäre, dazu schweigen sowohl das Ministerium als auch der Hauptakteur, die Leipziger Stadtwerke.
"Es stand im Raum, dass sich der Bund an den Kosten der Tests beteiligen wollte", teilt der Sprecher des kommunalen Unternehmens weiter mit. Aber: "Konkrete Zahlen können nicht beziffert werden, da wir keine validen Angebote für die Anlieferung des grünen Wasserstoffs per Lkw eingeholt haben."
Infrastruktur Fehlanzeige
Auch eine geplante Pipeline scheint der "LVZ" zufolge erst mal vom Tisch zu sein. Noch im Januar dieses Jahres kündigte der Energieversorger den Bau einer Wasserstoffleitung an. Diese sollte das HKW Süd mit der bestehenden Wasserstoff-Infrastruktur im Westen von Leipzig verbinden, hieß es in einer entsprechenden Mitteilung.
Doch jetzt erklären die Leipziger Stadtwerke: "Für den Dauerbetrieb des Kraftwerks mit Wasserstoff fehlt es derzeit sowohl an der Infrastruktur als auch an verfüg- und bezahlbarem grünem Wasserstoff."
Auf den "entscheidenden Schritt Richtung Energieversorgung der Zukunft", von dem Ex-Staatsminister Günther bei der Eröffnung sprach, wird Leipzig wohl noch warten müssen. Rund 5000 Besucher seien im Oktober 2023 zur Eröffnungsfeier gekommen.
Schadstoffe "kaum messbar"
Dennoch arbeite das HKW Süd auch ohne den Einsatz von Wasserstoff vergleichsweise sauber. Laut dem Betreiber handelt es sich sogar um eines der emissionsärmsten Gasturbinenkraftwerke weltweit. Aufgrund moderner Technik seien Luftschadstoffe kaum messbar und lägen "weit unter dem Niveau der gesetzlich zulässigen Grenzwerte".
Die Anlage ist Teil der Fernwärme-Infrastruktur der Stadt. Die zwei Gasturbinen verfügen jeweils über 62,5 Megawatt (MW) Leistung elektrisch. Dazu kommen je 81,5 MW thermische Leistung. Die Baukosten bezifferte der Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke, Karsten Rogall, auf "reichlich 180 Millionen Euro".



