Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Gaspreise am deutschen THE sanken am Mittwoch kurz nach Bekanntgabe des Wahlsiegs Trumps zunächst deutlich unter die 40-Euro-Marke. Da das Wahlergebnis jedoch wenig Einfluss auf die kurzfristigen Fundamentaldaten hat, stiegen die Gaspreise folgerichtig dann wieder stark an.

Wie sich das Wahlergebnis mittelfristig auf die Gasmärkte auswirkt, ist schwer abzusehen, waren doch die Entscheidungen Trumps während seiner letzten Präsidentschaft oftmals erratisch. In jedem Fall stehen die EU und die transatlantischen Beziehungen vor großen Herausforderungen.

Auswirkungen des Wahlsiegs schwer abzusehen

Trump hatte sich im Wahlkampf für eine verstärkte Produktion fossiler Brennstoffe und eine Aufhebung der Genehmigungsstopps für LNG-Terminals ausgesprochen. Die Einführung von Strafzöllen und mögliche Handelskriege bringen jedoch auch ein Risiko sinkender LNG-Exporte und steigender geopolitischer Risiken mit sich.

Gleichzeitig ist völlig offen, welche Auswirkungen die Trump-Präsidentschaft auf den Krieg in der Ukraine haben könnte. Einerseits könnte die weitere Integration der Ukraine in das europäische Energiesystem (Gasspeicher, Transit, Wasserstoff) und die Ukraine als Ganzes auf dem Spiel stehen, andererseits könnte es auch zu einer Beibehaltung des Gastransits führen.

Deutschland braucht schnell Klarheit

Nach dem Bruch der Regierungskoalition geht es nun in Deutschland darum, schnell klare Verhältnisse zu schaffen. Mit einer Minderheitsregierung könnten wichtige Entscheidungen ins Stocken geraten.

Ein Stillstand bis zu einer möglichen Neuwahl im März könnte wichtige energiepolitische Entscheidungen ausbremsen. Neue Förderprogramme, die geplante Novellen des Energiewirtschaftsgesetzes und KWK-Gesetzes, das anstehende Messstellenbetriebsgesetz und Kraftwerkssicherheitsgesetz sind damit in der Schwebe.

Dunkelflaute sorgt für hohe Gasnachfrage

Seit Beginn des Monats ist die Erneuerbaren Stromproduktion aus Wind und Sonne auf Jahrestiefststände gefallen. In Deutschland waren am Mittwoch praktische keine Windkraftwerke am Netz. Damit stieg in Deutschland die Gasnachfrage im Stromsektor auf den höchsten Stand im laufenden Jahr, die Gaskraftwerke speisten in den letzten Tagen bis zu 13 GW in das Stromnetz ein.

Der Anteil von Erdgas an der gesamten Stromproduktion stieg damit auf bis zu 30 Prozent und überholte damit zeitweise Braunkohle an der Spitze der Merit-Order in Deutschland. In den letzten Monaten lag die Stromgeneration der Gaskraftwerke im Durchschnitt bei 4-5 GW, der Anteil von Erdgas an der gesamten Stromgeneration bei durchschnittlich 10 Prozent.

Gasnachfrage auf 7-Monats-Hoch

In Folge der hohen Kraftwerksgasnachfrage und kühlen Temperaturen stieg die Gasnachfrage in Deutschland, aber auch EU-weit, mit insgesamt rund 14 TWh/Tag (Vorwoche: 10 TWh/Tag) auf den höchsten Stand seit Anfang April dieses Jahres. In der nächsten Woche soll sich die Windstromproduktion wieder erholen, die Temperaturen sollen jedoch weiter fallen und mit Tagesmitteln von 4 Grad Celsius um bis zu 2 Grad unter der saisonalen Norm liegen, was zu einer steigenden Heizgasnachfrage führen würde.

Der Titel der letzten Kolumne lautete: Wenig LNG, schwache Einspeicherungen im Oktober

Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Datenspezialisten Montel Analytics befüllt wird.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper