Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Im Juni wurden insgesamt rund 119 Terawattstunden (TWh) Arbeitsgas in die europäischen Gasspeicher netto eingespeichert. Das waren 17 TWh mehr als im Vormonat Mai-25 und rund 40 Prozent mehr als noch im Juni 2024. Die Gasspeicher der EU sind zu 59 Prozent gefüllt.

Dennoch verbleibt ein signifikantes Defizit gegenüber dem Vorjahr, als die EU-Gasspeicher zum gleichen Zeitpunkt zu 78 Prozent gefüllt waren. Damals waren rund 875 TWh eingespeichert, aktuell sind es rund 200 TWh weniger.

Deutschlands Gasspeicher bei 51 Prozent

Auch in Deutschland stiegen die Netto-Einspeicherungen mit rund 25,5 TWh auf den höchsten Stand seit 34 Monaten. Im Vormonat lag der Wert bei 18 TWh, im Vorjahresmonat bei 21 TWh. Die Gasspeicher Deutschlands sind zu 51 Prozent gefüllt, das sind rund 30 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr, damals waren die Speicher zu 82 Prozent gefüllt. Einer der Hauptgründe ist der leere Gasspeicher Rehden. Nach wie vor wird hier praktisch nichts eingespeichert, der Gasspeicher ist nur zu 2 Prozent gefüllt, aktueller Bestand Arbeitsgas rund 1 TWh. Vor einem Jahr waren hier bereits mehr als 35 TWh Arbeitsgas eingespeichert.

Insgesamt sind in Deutschland aktuell 126 TWh Arbeitsgas eingespeichert. Rechnet man die gegenüber dem Vorjahr in Rehden fehlenden 35 TWh hinzu, so wäre das Gesamtbild signifikant anders, der Füllstand in Deutschland betrüge dann rund 70 Prozent.

Gasangebot im Juni

Das europäische Gasangebot im Juni zeigte sich wegen der stabilen LNG-Importe solide und lag mit rund 322 TWh im Juni 2025 rund 9 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats. Verantwortlich waren die gegenüber dem Vorjahr gestiegenen LNG-Aussendungen mit insgesamt 135 TWh.

Damit machten die LNG-Aussendungen rund 42 Prozent des Gesamtangebots aus. Die pipelinegebundenen Lieferungen lagen insgesamt bei 147 TWh, der niedrigste Wert seit September 2024. Im Vorjahresmonat Juni 2024 lag die Pipeline-Bilanz noch bei knapp 173 TWh.

Die LNG-Ankünfte aus den USA gingen in der letzten Juniwoche wegen vieler Wartungsarbeiten deutlich zurück. Dies trübt die positive Bilanz aus der ersten Monatshälfte. Die europäischen Terminals importierten daher im Juni nur 129 LNG-Lieferungen, die niedrigste Anzahl seit Januar. 78 Lieferungen kamen dabei aus den USA, 15 aus Russland, 13 aus Algerien und sieben Lieferungen aus Katar.

Gasexporte Norwegens auf 9-Monats-Tief

Die Wartungsarbeiten im Juni in Norwegen ließen die Gasexporte per Pipeline des skandinavischen Landes mit insgesamt 94 TWh auf den tiefsten Stand seit September 2024 fallen. Die Lieferungen aus Algerien (27 TWh), Russland (14 TWh), Aserbaidschan (11 TWh) und der Anteil der europäischen Gasförderung (32 TWh) bewegten sich im Rahmen der Erwartungen.

Gasnachfrage auf Vorjahresniveau

Die europäische Gasnachfrage sinkt im Juni mit rund 215 TWh auf den tiefsten Stand seit 10 Monaten und lag dabei nahezu exakt auf dem Niveau des Vorjahresmonats Juni 2024. Die europäische Nachfrage wurde insbesondere in der zweiten Monatshälfte durch die in Südeuropa wegen der hohen Temperaturen hochlaufende Gasnachfrage im Stromsektor gestützt. In Deutschland zeigte sich die Gasnachfrage mit 37 TWh eher schwach und lag 28 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Mittel. Auch im Vergleich zum Vorjahresmonat Juni 2024 ergibt sich ein Minus von rund 14 Prozent, damals lag die Nachfrage noch bei rund 43 TWh.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautetRumänien auf dem Weg zum größten Gasproduzenten der EU

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