Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Im Jahr 2021 lag der Gasverbrauch Rumäniens bei 12 Milliarden Kubikmeter und wurde bis zum Jahr 2024 auf etwa 9,5 Milliarden Kubikmeter reduziert. Das Land ist damit unter den südosteuropäischen EU-Ländern der größte Gasverbraucher.

Ein Drittel des gesamten Gasverbrauchs entfällt auf Haushalte und Gewerbe, der Rest auf Industrie und Stromerzeugung. Die Gaskraftwerke machen bei circa 3,2 Gigawatt installierter Leistung rund 15 Prozent der jährlichen Stromerzeugung aus.

Russland einziger Gasimporteur bis zur Energiekrise

Rumänien hat die bedeutendsten Erdgasvorkommen in der Region und deckte schon vor der Energiekrise seinen Gasbedarf bis zu 70 Prozent aus eigener Gasförderung. Bis zum Jahr 2021 bezog Rumänien praktisch sein gesamtes importiertes Erdgas aus Russland.

Russland hatte damit bis dato ein De-facto-Monopol auf die Gasimporte Rumäniens, der Anteil der russischen Gasimporte lag im Jahr 2021 bei 31 Prozent. Trotz der eigenen Gasförderung und der Gasspeicher war das Land insbesondere bei kalten Wintern und hohem industriellen Bedarf auf russisches Erdgas angewiesen.

Die russischen Gasmengen wurden hauptsächlich über die Trans-Balkan-Pipeline am rumänisch-ukrainischen Grenzübergangspunkt Isaccea/Orlovka (Ukraine-Transit), über Bulgarien am Punkt Negru Voda Kardam (Turkstream) und in kleineren Mengen auch über den Umweg durch Ungarn am Grenzübergangspunkt Csanadpalota importiert.

Veränderungen seit der Energiekrise

Rumänien hat seitdem seine Abhängigkeit von russischem Erdgas schrittweise reduziert und ist nun im Laufe des Jahres 2025 komplett unabhängig von russischen Gasimporten geworden. Die russischen Gasflüsse über Bulgarien werden nur noch als Transit an die Hauptabnehmerländer der Turkstream-Pipelinelieferungen an Ungarn, die Slowakei und Serbien weitergeleitet.

Rumänien hat seit der Energiekrise seinen Gasverbrauch um etwa 21 Prozent reduziert, im industriellen Bereich lag die Einsparung sogar bei 25 Prozent. Rumänien konnte damit dank der hohen Einsparungen des Gasverbrauchs, der stabilen Eigenförderung und Nutzung der Gasspeicher sowie neuer Pipelineverbindungen die russischen Gasimporte ersetzen.

Rumänien importiert nun auch Lieferungen aus anderen Quellen wie Aserbaidschan und LNG aus Griechenland. Verbunden ist das Land dafür mit dem Gas-Interkonnektor Griechenland-Bulgarien (IGB-Pipeline). Rumänien konnte so im Jahr 2024 rund 3 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Aserbaidschan importieren.

Größter Gasproduzent der EU

Im Jahr 2024 betrug die inländische Gasförderung Rumäniens rund 8 Milliarden Kubikmeter. Das Land ist damit mit Abstand der größte Gasproduzent der Europäischen Union.

Rund die Hälfte der Gasproduktion stammt aus der Förderung des staatlichen Unternehmens Romgaz. Dazu fördert OMV Petrom, eine Tochter der österreichischen OMV AG, rund 3 Milliarden Kubikmeter pro Jahr, die restlichen rund 1 Milliarde Kubikmeter Erdgas stammen aus dem Midia-Projekt, einem Zusammenschluss von Gasfeldern im Schwarzen Meer (Black See Oil & Gas, BSOG).

Ein bedeutendes zukünftiges Projekt ist das Neptun-Deep-Gasfeld im Schwarzen Meer, das gemeinsam von Romgaz und OMV Petrom entwickelt wird. Mit geschätzten 100 Milliarden Kubikmetern förderbarem Gas wird erwartet, dass die Förderung 2027 beginnt und sich die rumänische Gasproduktion verdoppelt.

Neptun-Deep-Projekt – Rumäniens Strategie

Mit der Erschließung des Neptun-Deep-Projekts möchte Rumänien ab 2027 zum Netto-Exporteur von Erdgas aufsteigen. Ab 2027 soll die Gasförderung aus diesem Projekt bei rund 8 Milliarden Kubikmeter pro Jahr liegen. Dabei ist geplant, dass sich dieses Produktionsvolumen bis zum Jahr 2037 konstant auf diesem Niveau halten soll.

Viele Umweltverbände, darunter Greenpeace, üben erhebliche Kritik an dem Projekt und verweisen auf die Klimarisiken durch die zusätzlichen CO2-Emissionen und die Bedrohung der Artenvielfalt in der Region.

Für die aktuelle Regierung Rumäniens steht mit der Umsetzung dieses Projekts viel auf dem Spiel und man geht mit Kritik nicht gerade zimperlich um. Das staatliche Gasunternehmen Romgaz hatte so zuletzt Greenpeace Rumänien verklagt und fordert die Auflösung der Organisation.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautetGasmarkt erholt sich im Mai

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