Die Preise für Emissionszertifikate steigen in dieser Woche für den EUA Dez-25 Kontrakt auf über 84 Euro je Tonne, der höchste Preise seit Oktober 2023. Die Marktteilnehmer gehen davon aus, dass dies auf spekulative Käufe von Investmentfonds zurückgeht.
Börsendaten der ICE zeigen, dass die Long-Positionen spekulativer Investoren in dieser Woche über 90 Mio. Tonnen EUAs angestiegen sind. Die Fonds wechselten damit von Netto-Short-Positionen im vergangenen Oktober von 24 Millionen EUAs auf ein Netto-Long-Positionen von über 50 Mio. Tonnen. Die Fonds erwarten einen Aufschwung der EUA-Preise in 2026, da die Zuteilung an die Industrie zurückgehen wird, die Obergrenzen nach unten korrigiert werden und der Verkauf von zusätzlichen EUAs für die "RePowerEU"-Initiative auslaufen wird.
Gaspreise auf 22-Monats-Hoch
Steigende CO2-Preise verbessern die Wirtschaftlichkeit der Gaskraftwerke gegenüber den Kohlekraftwerken und sorgt für zusätzliche Gasnachfrage im Stromsektor. Die Gaspreise am deutschen THE steigen daher in dieser Woche für den Day-Ahead-Kontrakt über 52 Euro pro Megawattstunde.
Die Stromgeneration aller europäischen Gaskraftwerke (EU + UK) steigt in dieser Woche wieder über 44 GW, nachdem sie in der Vorwoche auf unter 30 GW gefallen waren und könnte in den nächsten Tagen wieder auf über 60 GW steigen.
Bei fallenden Temperaturen wird für die nächsten fünf Tage eine ausgeprägte Windflaute in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien erwartet. Dies sollte die Gasnachfrage im Stromsektor deutlich stützen.
Ausfälle in Norwegen
Die norwegischen Gasflüsse sind in dieser Woche durch Ausfälle und Wartungen in den Anlagen des Trollfelds, Visund, Gulfaks und Asgard eingeschränkt. Die täglichen Nominierungen des Betreibers Gassco gehen von rund 340 Millionen Kubikmeter pro Tag in der letzten Woche auf 324 Millionen Kubikmeter am Donnerstag zurück.
Die aserbaidschanischen Gasexporte in die EU haben sich seit den Ausfällen Mitte Januar nicht vollständig erholt. Lagen die täglichen Gaslieferungen davor bei rund 385 Gigawattstunden (GWh) pro Tag, so pendelten die Tageswerte in den letzten Tagen zwischen 310 bis 340 GWh/Tag.
Die niederländische Gasförderung zeigt sich in dieser Woche schwächer und fällt auf Tageswerte bei rund 130 GWh/Tag gegenüber der Vorwoche bei bis zu 280 GWh pro Tag. Damit sinkt die europäische Gasförderung mit einem Tagesvolumen von nur rund 900 GWh in dieser Woche auf ein sehr niedriges Niveau.
Speicherstände im Fokus
Die Speicherstände bleiben weiterhin ein wichtiges Thema. Aktuell sind die europäischen Gasspeicher zu 55 Prozent gefüllt, das sind 7 Prozentpunkte weniger als im Fünf-Jahres-Durchschnitt. Im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt waren die Speicher noch zu 70 Prozent gefüllt.
Zwar sollten die Speicherreserven reichen, um gut durch diesen Winter zu kommen, doch die Wiederbefüllung bis zum nächsten Winter beschäftigt die Marktteilnehmer. Zuletzt kostete der Sommer-25 Kontrakt rund 5 Euro/MWh mehr als Winter-25. Das macht die Einspeicherung wirtschaftlich unattraktiv. Zum Vorschlag des Marktgebietsverantwortlichen THE, eine Subvention für die Speicherbefüllung gibt es Stand Donnerstag nichts Neues. Derzeit führen THE, das Wirtschaftsministerium und die Regulierungsbehörde dazu Gespräche.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Hohe Ausspeicherungen mit starker Gasnachfrage


