In dieser Woche steigt die europäische Gasnachfrage mit bis zu 22 TWh pro Tag auf den höchsten Stand seit Februar 2021. Wegen der niedrigen Stromerzeugung aus Wind- und Solarkraft zeigt sich die Gasnachfrage aus dem Stromsektor auch in dieser Woche auf Rekordniveau.
Die Stromgeneration der Gaskraftwerke in Deutschland machte in der ersten Wochenhälfte mit bis zu 17 GW rund 30 Prozent der gesamten Stromerzeugung aus. Erdgas war damit an vielen Tagen die am stärksten nachgefragte Ressource zur Stromerzeugung, die Stromgeneration von Windkraft sank auf bis zu 3 GW. Bis zum Ende des Monats sollen jedoch die Temperaturen wieder deutlich ansteigen und auch für die Windstromgeneration sollen in Deutschland wieder Werte von bis zu 37 GW erwartet werden. Die europäische Gasnachfrage sollte sich dann wieder auf Tageswerte um 15 TWh erholen.
Hohe Ausspeicherungen
Mit der hohen Nachfrage stiegen die Ausspeicherungen der europäischen Gasspeicher zuletzt auf bis zu 10 TWh pro Tag, der höchste Wert seit mindestens fünf Jahren. Der aggregierte Füllstand der europäischen Gasspeicher sinkt damit auf 58 Prozent, rund acht Prozentpunkte unter der Fünf-Jahres-Norm.
Wird der Februar kalt und sollte sich eine hohe Nachfrage auch im März fortsetzen, so könnte der Füllstand zum Ende des Winters auf rund 20 Prozent sinken. Bliebe dann das LNG-Angebot im Sommer hinter den Erwartungen zurück, könnte das 90 Prozent-Ziel zum 1. November verfehlt werden.
Negativer Spread – THE schlägt Subvention vor
Die Gashändler erwarten daher im Sommer eine hohe Gasnachfrage, was die Preise für die Sommer-Kontrakte befeuert. Der Sommer-Winter-Spread notiert bereits seit letztem November negativ, ist jedoch in dieser Woche auf einen Höchststand von bis zu 5 Euro/MWh gestiegen.
Üblicherweise ist die Konstellation umgekehrt, die Unternehmen speichern im Sommer billiges Erdgas ein, um es zu einem höheren Preis im Winter auszuspeichern. Der aktuell negative Spread bietet den Unternehmen keine wirtschaftlichen Anreize und hält damit die Speicherbetreiber von den Einspeicherungen ab.
Der Marktgebietsverantwortliche THE hat daher in dieser Woche die Einführung einer Subvention vorgeschlagen, welche den Speichernutzern auch bei negativen Marktanreizen die Speicherbefüllung ermöglichen würde. Derzeit führen THE, das Wirtschaftsministerium und die Regulierungsbehörde dazu Gespräche.
Trumps Auswirkungen auf LNG Angebot
US-Präsident Trump hat angekündigt die US-amerikanische Öl- und Gasproduktion massiv anzukurbeln. Dies könnte mittelfristig die LNG-Lieferungen nach Europa unterstützen und auch zu mehr Investments von US-amerikanischen Firmen in die europäische LNG-Infrastruktur führen.
Wohingegen die Aufhebung des Vergabestopps von neuen LNG-Exportlizenzen sich nach Ansicht der meisten Analysten erst in rund fünf Jahren auf das LNG-Angebot in Europa auswirken könnte, hat der hohe Marktanteil von US-LNG auf dem europäischen LNG-Markt auch Abhängigkeiten geschaffen.
Im Jahr 2024 wurden an den europäischen LNG-Terminals rund 1330 LNG-Tankerlieferungen importiert. Rund 550 LNG-Lieferungen kamen dabei aus den USA. US-amerikanisches LNG hatte damit einem Marktanteil von rund 42 Prozent am europäischen LNG-Angebot.
Hoher Marktanteil von US-LNG
Ein hoher Marktanteil schafft Abhängigkeiten und könnte Märkte anfällig für Preissprünge bzw. die Versorgung vulnerabel für mögliche politische Durchgriffe Trumps machen.
Steigende US-LNG-Exporte stehen einerseits im Kontrast zu den Emissionszielen der EU. Andererseits könnte Trump mögliche Zölle gegen europäische Unternehmen und auch die Aufhebung der US-Sanktionen gegen Russland als Verhandlungsmasse nutzen. Derzeit scheinen hier die Trümpfe ungleich verteilt und Europa nicht in einer starken Verhandlungsposition zu sein.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet:Europa verbraucht mehr Erdgas


