Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Mit Blick auf einen weiterhin wahrscheinlich stark volatilen Gasmarkt und die Abfederung möglicher Preisrisiken in diesem Winter hat die Europäische Kommission einen Vorschlag für einen Gaspreisdeckel vorgelegt.

Die Bedingungen, Preis für Frontmonat innerhalb einer Zwei-Wochen-Periode höher als 275 EUR pro MWh und Spread zu einem LNG-Referenzpreis höher als 58 EUR pro MWh, wurden in diesem Handelsjahr bisher nicht erfüllt. Daher ist fraglich, ob dieser Mechanismus am Markt überhaupt Wirkung entfalten könnte.

Gefahr von Fehlsignalen

Legt man die Preisentwicklung der vergangenen Monate zugrunde, müsste die Preisobergrenze wohl eher zwischen 150 und 200 Euro pro MWh liegen. Doch dann könnte sich der Markteingriff als eher schädlich herausstellen.

Eine verbindliche Preisobergrenze reduziert den Anreiz für zusätzliche Gaslieferungen, wenn der regulierte Preis niedriger ist, als der Preis, zu dem der Markt Angebot und Nachfrage ausgleichen würde. Dazu kann ein mikroökonomisches Fehlsignal gesetzt werden und die freiwillige, sprich preisbedingte Nachfragereduzierung kann unterbunden beziehungsweise nicht ausreichend stattfinden.

Regulierung von Teilmärkten problematisch

Somit könnte eine verbindliche Preisobergrenze unterhalb des Clearingpreises das Angebot reduzieren und gleichzeitig die Nachfrage erhöhen, was die angespannte Marktsituation noch verschärfen könnte.

Insbesondere ist problematisch, wenn man nur Teilmärkte mit der Regulierung belegt. Der Vorschlag der Europäischen Kommission bezog sich im ersten Entwurf nur auf den börsennotierten TTF-Frontmonatspreis. Dies könnte mit erheblichen und unbeabsichtigten Folgen für den Gesamtmarkt verbunden sein.

Was jetzt wichtig ist

Mit der Ausnahme des OTC-Handels gesteht die EU-Kommission auch das Problem einer solchen Preisobergrenze ein, macht sie damit aber auch weitgehend unwirksam. Die Preisobergrenze und mögliche regulatorische Markteingriffe werden sicherlich in den nächsten Wochen weiter diskutiert werden. Aber der bisher vorgelegte Entwurf ist wohl eher Symbolpolitik.

Wichtig sind daher Lösungen, die die richtigen Signale für die Reaktion des Angebots und der Nachfrage setzen. Haushalte mit niedrigem Einkommen oder Industriebereiche, die höheren Energiekosten nicht weitergeben können, sollten direkt entlastet werden, ohne in den Marktmechanismus einzugreifen.

Weitere Diversifizierung der Versorgung vonnöten

Die Anstrengungen müssen auf eine weitere Diversifizierung der Versorgung gelegt werden und Möglichkeiten zur Erhöhung der Produktions- und Exportkapazitäten müssen geprüft werden. Dazu gehören auch Maßnahmen, die den Erzeugern und Weiterverteilern am besten langfristige Sicherheit geben.

Transportengpässe innerhalb Europas müssen behoben werden. Nach Süd-und Westeuropa importiertes LNG muss besser nach Mittel- und Osteuropa fließen können. Insbesondere sind dies die Verbindungen zwischen Spanien und Italien mit Mittel- und Osteuropa.

Fokus auf Dekarbonisierung

Der Energieverbrauch muss weiter reduziert und die Produktion von kohlenstoffarmer und erneuerbarer Energie erhöht werden, um die Dekarbonisierung der europäischen Wirtschaft voranzutreiben.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Die große Frage am Gasmarkt: Wie viel LNG kommt nächstes Jahr nach Europa?"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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