Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Gasmärkte zeigen sich diese Woche schwächer, die Gaspreise notieren auf einem Drei-Monats-Tief. Milde Temperaturprognosen und nach oben korrigierte Windprognosen sorgen für eine rückläufige Gasnachfrage. Grenzen des Abwärtspotentials ergeben sich durch den Gas-Kohle-Switch am Strommarkt.

Die Temperaturprognosen für Deutschland bis zum Jahresende liegen mit Tagesmitteln zwischen vier und sieben Grad Celsius bis zu vier Grad über der saisonalen Norm. Die Windstromprognosen für die nächste Woche wurden zuletzt nach oben korrigiert. Demnach soll die Leistung der Windkraft bei bis zu 36 Gigawatt (GW) liegen – rund 15 GW über der saisonalen Norm.

Gasnachfrage an Weihnachtstagen

Die Gasnachfrage ohne Einspeicherungen in Deutschland fiel zuletzt auf rund 3000 Gigawattstunden (GWh) pro Tag. Während der Kältewelle zu Monatsbeginn war die Nachfrage noch auf über 4500 GWh pro Tag gestiegen.

Während der Weihnachtsfeiertage fällt die Gasnachfrage in der Regel durch die rückläufige industrielle und gewerbliche Nachfrage deutlich. Im Vorjahr brach die Nachfrage in Deutschland auf bis zu 1000 GWh pro Tag ein.

Untergrenze durch Brennstoffwechsel

Die preisdämpfenden Fundamentaldaten geben den Gaspreisen Abwärtsdruck, der aber durch den Gas-Kohle-Brennstoffwechsel auf eine technische Widerstandsbarriere stößt.

Bei einem Gaspreis von 35 Euro pro MWh verläuft derzeit die Grenze, an der der sogenannte Clean-Spark-Spread von Gaskraftwerken mit Wirkungsgrad von 50 Prozent gleichauf liegt mit dem Clean-Dark-Spread der Kohlekraftwerke mit einem Wirkungsgrad von 40 Prozent.

Asiatische LNG-Preise als Referenz

Fällt der Gaspreis unter die 35-Euro-Marke, verdrängen also Gaskraftwerke bereits ab diesem Effizienzgrad diese Steinkohlekraftwerke aus der Merit-Order der deutschen Stromerzeugung. Würde der Gaspreis unter 25 Euro pro MWh fallen, würden bereits Gaskraftwerke ab einem Wirkungsgrad von 40 Prozent die Steinkohle verdrängen.

Zudem orientiert sich der europäische Markt auch an den LNG-Preisen in Asien. Ein zu großer Spread zum asiatischen Markt kann zur Abwanderung der LNG-Lieferung nach Asien führen. Der ICE Futures NWE notierte am Mittwoch für den Frontmonat Feb-24 bei 10,60 US-Dollar pro MMBtu. Am asiatischen JKM wurden dafür 12,07 US-Dollar pro MMBtu bezahlt.

Weiterhin hohe LNG-Importe in Europa

Auf den asiatischen LNG-Märkten hatte zuletzt ebenfalls ein starker Preisverfall stattgefunden. Ein Spread von weniger als 1,5 US-Dollar pro MMBtu hält jedoch das Fenster für LNG-Lieferungen nach Europa offen.

In den nächsten zwei Wochen werden in Europa 27 weitere LNG-Lieferungen erwartet. Vier Lieferungen sollen nach Großbritannien und Spanien gehen. Jeweils drei Lieferungen werden in Frankreich, Belgien, Deutschland und Polen erwartet.

53 LNG-Schiffslieferungen

Auch in diesem Lieferfenster ist die Dominanz der US-Lieferungen erdrückend. 16 Lieferungen werden aus den USA erwartet, drei Lieferungen jeweils aus Katar und Algerien und zwei aus Nigeria.

Im laufenden Monat Dezember wurden bisher insgesamt in Europa 53 LNG-Schiffslieferungen importiert. Das ist im Vergleich zum Vormonat ein Minus von 18 Prozent. Zum gleichen Zeitpunkt im Vormonat waren es bereits 64 LNG-Lieferungen.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Fallende Preise trotz Kältewelle: Warum das Gasangebot derzeit so stark ist"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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