Im Jahr 2025 war Gas erneut der zweitwichtigste Energieträger in Deutschland. Der Verbrauch stieg nach den krisenbedingten Einbrüchen der Vorjahre um rund drei Prozent auf 835 Terawattstunden (TWh). Damit erhöhte sich der Anteil am Primärenergieverbrauch auf 26,9 Prozent.
"Gas ist kein Auslaufmodell, sondern systemrelevant – heute für die Versorgungssicherheit und morgen als Träger klimaneutraler Moleküle", betonte Timm Kehler, Vorstand des Branchenverbands "Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft" anlässlich der Energiemesse E-World in Essen.
Industrie, Wärme und Strom treiben Verbrauch
Der größte Gasverbrauch entfiel dem Verband zufolge weiterhin auf die Industrie mit 305 TWh, ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber 2024. Zuwächse hätten aber alle Sektoren verzeichnet: Gewerbe, Wärmemarkt und Stromerzeugung legten spürbar zu.
In sogenannten Dunkelflauten – etwa in der Kalenderwoche drei – seien zudem rund 72 Prozent der Stromerzeugung durch regelbare Kraftwerke gedeckt worden.
Kraftwerksstrategie sehnlich erwartet
Laut Verband fallen in den nächsten Jahren mehr als 30 Gigawatt (GW) gesicherter Leistung durch den Kohleausstieg weg. Damit rückt die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung in den Fokus.
Ohne neue steuerbare Kraftwerkskapazitäten drohen steigende Strompreise und reale Versorgungsrisiken.
Diese müsse zügig umgesetzt und durch einen verlässlichen Kapazitätsmechanismus ergänzt werden. "Ohne neue steuerbare Kraftwerkskapazitäten drohen steigende Strompreise und reale Versorgungsrisiken", warnte Kehler.
Gasspeicher weiter unter Druck
Für die Versorgungssicherheit zentral sind insbesondere Gasspeicher – und diese stehen auch Jahre nach dem Aus von russischem Gas unter Druck. Nach dem vergangenen Winter 2024/25 waren die deutschen Speicher zu 27,9 Prozent gefüllt und erreichten die gesetzliche Vorgabe von 30 Prozent zum 1. Februar.
In der laufenden Heizperiode seien die Gasmengen absehbar gesichert. "Allerdings wird Deutschland mit vergleichsweise leeren Speichern aus dem Winter kommen", heißt es vom Verband.
Die Akteure sind gefangen.
Mit einem Arbeitsgasvolumen von rund 256 TWh seien die Speicher ein zentraler Stabilitätsfaktor. Gleichzeitig gerate das traditionelle Geschäftsmodell der saisonalen Speicherung unter Druck, da steigende LNG-Importe die Preisunterschiede zwischen Sommer und Winter verringern.
"Die Akteure sind gefangen", so Kehler. Sie müssten einerseits privatwirtschaftlich handeln, andererseits die Versorgung sichern. Die Branchenvertretung plädiert dafür, die Füllstandsvorgaben weiterzuentwickeln.
Wärmemarkt: Modernisierung stockt
Erdgas dominiert außerdem nach wie vor den Wärmemarkt. Mehr als 56 Prozent der Wohnungen würden aktuell noch damit beheizt, bei der Fernwärmeerzeugung liege der Gasanteil bei rund 50 Prozent. Der langfristige Trend zeigt eine deutliche Verdrängung von Heizöl, dessen Marktanteil seit 2000 von 23,3 auf 17,3 Prozent gesunken ist.
Gleichzeitig stocke die Modernisierung: 2025 seien nur noch rund 627.000 Heizgeräte verkauft worden – ein Minus von zwölf Prozent. Kehler fordert deshalb einen stärker CO₂-orientierten und technologieoffenen Ordnungsrahmen. Das neue Gebäudeenergiegesetz müsse hybride Lösungen und erneuerbare Gase systematisch einbinden.
Wasserstoff und Biomethan: Potenziale vorhanden, Rahmen fehlt
Beim Wasserstoffhochlauf zeigt sich ein gemischtes Bild. Zwar seien 2025 mit rund 525 Kilometern umgestellter Leitungen wichtige Fortschritte beim Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes erzielt worden, doch seien die konkret geplanten Elektrolysekapazitäten bis 2030 von einst über 11 GW auf aktuell 7,2 GW geschrumpft. Mehr Potenzial sei vorhanden, der Markt warte auf verlässliche Regeln und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.
Es fehlen ambitionierte Elektrolyseziele.
Als "schwieriges Signal" wertet Kehler, dass die Bundesregierung die ursprünglichen Elektrolyseziele augenscheinlich nicht weiterverfolgt. "Es fehlen ambitionierte Elektrolyseziele", sagte er auf ZFK-Nachfrage.
Auch Biomethan bleibe hinter seinen Möglichkeiten zurück. 2025 wurden rund 11,5 TWh ins Gasnetz eingespeist, getragen von etwa 260 Aufbereitungsanlagen. Unklare Regelungen zu Netzzugang, Nachweisen und Massenbilanzierung würden jedoch Investitionen bremsen.
"50 Prozent des Marktes ist Psychologie", sagte Kehler gegenüber der ZFK. Es müsse etwa mehr Akzeptanz hergestellt werden, Stichwort Tank-Teller-Diskussion.



