Die Gaspreise zeigen sich auch in dieser Woche sehr volatil und getrieben durch die geopolitische Nachrichtenlage. Dazu belastet die Hitzewelle und Dürre die Energiemärkte. Die hohe Volatilität ist eine große Herausforderung für die Gasbeschaffung der Energieversorger.
Volatile Gaspreise
Die Gaspreise zeigen sich bisher im dritten Quartal sehr volatil. Am deutschen THE pendelte der Preis für den Day-Ahead im Juli 2026 zwischen 43 und 63 Euro die Megawattstunde. Auch im August bisher bewegen sich die Preise in einer Spanne von 10 Euro die Megawattstunde zwischen 52 und 62 Euro die Megawattstunde.
Am Terminmarkt zeigt sich ein ähnliches jedoch leicht abgeschwächtes Bild. Der Preis für Cal-27 pendelte im Juli 2026 zwischen 36 und 48 Euro die Megawattstunde. Im August bisher zwischen 40 bis 45 Euro die Megawattstunde.
Die hohe Volatilität der Preise, insbesondere in den Sommermonaten, stellt die Gasbeschaffung der Energieversorger und Stadtwerke vor große Herausforderungen. Seit der Pandemie 2020 und der Energiekrise 2022 sind die Versorger heute besser vorbereitet, viele Maßnahmen zur Resilienz wurden eingeführt. Dennoch ist nichts mehr so, wie es einmal vor 2020 war.
Resilienz vor Kostenoptimierung
Vor dem Jahr 2020 war die Gasbeschaffung hauptsächlich durch das Prinzip der Kostenoptimierung geprägt. Nach den Erfahrungen der Pandemie und der Preisspitzen 2022 sowie auch Fehleinschätzungen bei milden Wintern, hat sich spätestens im Jahr 2026 nun das Leitprinzip der Resilienz und Risikostreuung etabliert.
In Zeiten der starken Preisreaktionen auf die jeweilige Nachrichtenlage sollten die Versorger ihre Beschaffung nicht auf die Einschätzung der geopolitischen Lage ausrichten, sondern ihr Beschaffungs- und Risikomanagement bewusst defensiv aufstellen.
Wir sehen daher am Markt eine starke Rückkehr zu strukturierten Tranchen- und Vollversorgungsmodellen. Einige Einkaufsgemeinschaften bieten dazu Stresstests oder Resilienz-Checks für das Beschaffungsportfolio an. Dazu werden von einigen Handelsorganisationen auch temperaturindizierte Toleranzbänder wieder verstärkt angeboten.
Diversifizierung und Flexibilität
Die Diversifizierung der Handels- und Vertragspartner ist zunächst eine Möglichkeit, das Kontrahentenrisiko zu streuen und zu minimieren. Dazu binden viele Versorger LNG-Spot und Kurzfristkontrakte neben den klassischen Pipeline-Bezugsverträgen in ihr Portfolio ein, auch um saisonale Spitzen abzudecken.
Kleinere Stadtwerke bündeln zunehmend ihr Beschaffungsvolumen über Kooperationen und Einkaufsgemeinschaften, um bessere Konditionen und einen besseren Marktzugang zu erhalten.
Eine weitere Möglichkeit zur Flexibilitätsnutzung ist die aktivere Nutzung eigener oder gebuchter Speicherkapazitäten zur Preisarbitrage zwischen Sommer- und Winterkontrakten.
Hedging und Risikomanagement
Interne Risikomanagementfunktionen wie Value-at-Risk-Limits, Stop-Loss-Marken und Stresstest-Szenarien werden zunehmend auch bei kleineren Stadtwerken systematisch etabliert.
Viele Versorger nutzen dazu mittlerweile intensiver den Einsatz von Terminmarktinstrumenten wie Futures oder Optionen, um die einzelnen Tranchen abzusichern. Dazu sollten Fuel-Switch und Arbitrage-Signale intensiver beobachtet werden und künftige Lieferperioden mit Blick auf mögliche Nachfrageschwankungen der Kunden besser strategisch abgesichert werden.
Marktberichte und Marktanalysen sowie Prognosetools sind für die Gasbeschaffung wichtiger denn je, um die veränderten Rahmenbedingungen und Marktbewegungen besser und schneller einschätzen zu können. Geeignete Analysetools können das Reporting und die Positionsführung automatisieren, um auf Portfoliorisiken schneller zu reagieren.