Die Gasmärkte zeigen sich in dieser Handelswoche sehr volatil. Am deutschen THE schwankte der Spotpreis bisher zwischen 23 und 29 Euro pro MWh.
Im Zuge gesunkener Gaspreise machen Gaskraftwerke Braunkohlemeilern Konkurrenz. In der vergangenen Woche produzierten sie mehr Strom als Braunkohlekraftwerke.
Gasnachfrage auf Neunmonatstief
Solange sich die Gaspreise und CO2-Preise über den Sommer auf dem derzeitigen Niveau halten, könnte sich dieser Trend fortsetzen. Aufwärtsrisiken am Gasmarkt bestehen in Form von Preis- und Nachfrageimpulsen aus Asien und einer damit verbundenen Verknappung von LNG auf dem europäischen Gasmarkt.
Im vergangenen Monat Mai sank die Gasnachfrage in Deutschland mit insgesamt rund 45 TWh auf den tiefsten Stand seit August 2022. Im Vergleich zum Fünfjahresmittel entsprach dies einem Minus von 32 Prozent.
Mai-Gasverbrauch bei knapp 1600 TWh
Die Gasnachfrage der EU zusammen mit Großbritannien lag im Mai bei insgesamt 193 TWh. Das waren rund 70 TWh (26 Prozent) weniger als im Fünfjahresmittel.
In den Monaten Januar bis Mai lag der Gasverbrauch bei insgesamt knapp 1600 TWh. Das waren etwa 400 TWh weniger (20 Prozent) als im Fünfjahresmittel.
Hohe Speicherstände, niedrige Einspeicherungen
Die Gasspeicher in der EU sind zu knapp 71 Prozent gefüllt. Insgesamt lagerten dort zuletzt 795 TWh. Im Mittel der vergangenen fünf Jahre waren zu diesem Zeitpunkt im Jahr lediglich 620 TWh eingespeichert.
Die Einspeicherungen im Mai lagen jedoch mit 14 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Insgesamt wurden in der EU im Mai nur 112 TWh Erdgas eingespeichert.
Deutsche Gasspeicher bei 76 Prozent
Die Gasspeicher in Deutschland sind zu 76 Prozent gefüllt. Im Mai wurden knapp 26 TWh eingespeichert. Das sind rund zwei Prozent mehr als im Fünfjahresmittel.
In Italien, dem Land mit der zweitgrößten Speicherkapazität in der EU, wurden jedoch nur 22 TWh eingespeichert, also 14 Prozent weniger als im Fünfjahresmittel.
LNG-Aussendungen weiter auf Rekordniveau
Im Mai sendeten die LNG-Terminals der EU und Großbritanniens insgesamt 160 TWh Erdgas in die Netze – ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem Fünfjahresmittel. Die Kapazitätsauslastung der Terminals lag bei durchschnittlich 64 Prozent.
In den Niederlanden waren die zwei Terminals in Rotterdam und Eemshaven zu durchschnittlich 91 Prozent ausgelastet. Dies entsprach der höchsten Auslastungsquote in der EU. In den Niederlanden wurden im Mai knapp 22 TWh Erdgas regasifiziert.
Großbritannien mit höchsten Aussendungen
Die europaweit höchsten Aussendungen im Mai verzeichnete Großbritannien mit insgesamt 33,8 TWh, gefolgt von Frankreich (31,1 TWh) und Spanien (22,7 TWh).
Die norwegischen Pipeline-Gasexporte sanken wartungsbedingt im Mai auf 90,65 TWh und damit auf ein neues Jahrestief. Im Vormonat exportierte das skandinavische Land über angebundene Pipelines noch rund 105 TWh Erdgas.
Russische Pipelinelieferungen gefallen
Die algerischen Gasexporte in die EU via Pipelines sanken im Mai gegenüber dem Vormonat um 6,3 TWh auf insgesamt 27,4 TWh. Die russischen Gasexporte über die Pipelines Turkstream und die Ukraine fielen mit insgesamt 20,9 TWh auf den tiefsten Stand seit Februar.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Wie ukrainische Gasspeicherkapazitäten der EU helfen könnten"
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



