Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Nachdem der April 2025 durch einen deutlichen Preisverfall geprägt war, erholten sich die Preise im Mai 2025, zeigten sich dabei aber weniger volatil als im Vormonat. Am Spotmarkt handelten die Preise durchschnittlich bei 35,75 Euro je Megawattstunde (Euro/MWh), ein Minus von 0,5 Euro/MWh gegenüber dem Vormonat. Die Handelsspanne war mit 5 Euro/MWh deutlich geringer als im Vormonat (11 Euro/MWh)

Am Terminmarkt handelte Cal-26 bei 35,45 Euro/MWh, rund 1 Euro/MWh teurer als im April. Die Spitzen- und Minimalwerte lagen rund 4 Euro/MWh auseinander.

Heizgasnachfrage in Deutschland legt zu

Die europäische Gasnachfrage lag im Mai mit rund 234 Terawattstunden (TWh) nur geringfügig über dem Wert des Vorjahresmonats (232 TWh) und rund 13 Prozent niedriger als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Deutlich schwächer als im Vorjahresmonat zeigte sich die Gasnachfrage in Großbritannien (31 TWh, -13 %) und in Frankreich (16 TWh, -17 %).

In Deutschland lag die Gasnachfrage bei insgesamt rund 49 TWh und damit drei Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber dem Fünf-Jahres-Mittel entsprach dies einem Minus von 12 Prozent.

Während die Heizgasnachfrage wegen einiger kühlerer Tage gegenüber dem Vorjahresmonat von 12 TWh auf 15 TWh zulegte, verringerte sich die industrielle Nachfrage von 35,3 TWh auf 34 TWh. Die Gasnachfrage aus dem Stromsektor lag dabei auf dem Niveau des Vorjahresmonats, die Gaskraftwerke produzierten durchschnittlich 4,2 GW Strom.

Einspeicherungen unterdurchschnittlich

Die Netto-Einspeicherungen der EU-Gasspeicher steigen im Mai auf 102 TWh, ein Plus von rund 40 TWh gegenüber dem Vormonat April 2025. Im Vergleich der letzten fünf Jahre entspricht dies dennoch einem Minus von 6 Prozent. Der Speicherfüllstand stieg dabei über den Monat hinweg um rund 10 Prozentpunkte auf 48 Prozent.

In Deutschland wurden im Mai insgesamt 18 TWh Erdgas eingespeichert, rund doppelt so viel wie im Vormonat. Deutlich zulegen konnten die Netto-Einspeicherungen auch in Italien; mit insgesamt 25 TWh stieg der Speicherfüllstand zum Monatsende auf 60 Prozent.

Pipeline-Importe auf 8-Monate-Tief

Die europäischen Länder importierten im Mai rund 150 TWh Erdgas per Pipeline, das war der niedrigste Wert seit letztem September. Die LNG-Aussendungen zeigten sich mit 144 TWh verhältnismäßig fest und lagen damit nur 6 TWh niedriger als die pipeline-gebundenen Lieferungen.

Wartungsbedingt schwach zeigten sich die Gasimporte aus Norwegen mit rund 96 TWh, 10 TWh weniger als im Vormonat und damit der niedrigste Wert seit letztem September.

Die Lieferungen aus Algerien (27 TWh), Aserbaidschan (9,7 TWh) und Libyen (1,1 TWh) lagen ungefähr auf dem Niveau des Vormonats, wohingegen die russischen Lieferungen über die Pipeline Turk Stream nach dem Tiefstwert des Vormonats (13,4 TWh) wieder auf 16,2 TWh stiegen.

LNG-Importe auf Kurs

Die europäischen LNG-Importe zeigten sich im Mai mit insgesamt 130 Tankerlieferungen zwar leicht schwächer als im Vormonat (135 Lieferungen), bleiben damit jedoch trotzdem in der Größenordnung, die benötigt wird, um die Einspeicherungen in den Gasspeichern im benötigten Maße zu unterstützen.

Frankreich erhielt mit insgesamt 26 LNG-Lieferungen die meisten Tankerlieferungen innerhalb Europas, gefolgt von Spanien (23 Lieferungen), den Niederlanden (21 Lieferungen) und Italien (18 Lieferungen). An den deutschen LNG-Terminals wurden insgesamt 8 LNG-Lieferungen importiert, genauso viele wie im Vormonat.

Mit insgesamt 71 LNG-Lieferungen waren die USA auch im Mai mit einem Marktanteil von 55 Prozent wieder der dominante LNG-Importeur auf dem europäischen Markt. Russland lieferte 15 LNG-Tanker an die europäischen Häfen, Algerien 12 und Katar 11.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautetEU-Pläne: Mehr Gas aus Aserbaidschan für Europa

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