Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Der europäische Gasverbrauch fällt im November im Vergleich zum Vorjahresmonat November 2024 um vier Prozent auf 437 Terawattstunden (TWh). Damit liegt der Verbrauch im Vergleich zum Durchschnitt der letzten fünf Jahre um sieben Prozent niedriger.

Ein Grund für die rückläufige Nachfrage waren die milden Wetterbedingungen. Beispielsweise lag die Temperatur in Deutschland mit durchschnittlich 7° Celsius knapp ein Grad über der saisonalen Norm und rund 0,7 Grad über dem Wert des Vorjahresmonats.

Andererseits zeigte sich die Gasnachfrage im Strombereich leicht schwächer als im Vorjahresmonat. Die europäische Gasnachfrage produzierte im November 2025 eine durchschnittliche Stromleistung von 53 Gigawatt (GW) und damit rund 2 GW weniger als im November 2024.

Niedrigere Ausspeicherungen der EU-Gasspeicher

Der Füllstand der europäischen Gasspeicher lag zu Anfang November bei rund 83 Prozent und damit praktisch auf Höhe des maximalen Füllstands in diesem Winter; den Monat hindurch fiel der Füllstand bis zum Monatsende auf 75 Prozent.

Damit wurden im Monatsverlauf nur 85 TWh netto ausgespeichert; das waren rund 27 TWh weniger als noch im November 2024. Trotzdem lag der Füllstand Ende November 2024 mit 85 Prozent noch zehn Prozentpunkte höher als in diesem Jahr.

In Deutschland war die Entwicklung jedoch leicht gegenläufig, hier wurden mit insgesamt 19,3 TWh rund acht Prozent mehr netto ausgespeichert als noch im Vorjahresmonat. Der Füllstand fiel zum Monatsende auf 67 Prozent, Ende November 2024 waren die deutschen Gasspeicher hingegen zu knapp 91 Prozent gefüllt.

Robuste Gaslieferungen aus Norwegen

Die Gaslieferungen aus Norwegen lagen mit insgesamt rund 111 TWh rund 7 TWh höher als im Vorjahresmonat und damit auf stabilem Niveau. Algerien lieferte jedoch mit rund 26 TWh rund 5 TWh weniger. Die Lieferungen aus Aserbaidschan lagen mit rund 11 TWh knapp auf Vorjahresmonatsniveau.

Russland lieferte über die Turkstream-Pipeline insgesamt 18,4 TWh Erdgas nach Europa. Im November 2024 lag der Wert wegen des zusätzlichen Ukraine-Transits noch bei über 33 TWh.

LNG-Importe auf 5-Monats-Hoch

An den europäischen LNG-Terminals wurden im November insgesamt 126 LNG-Lieferungen importiert, das war der höchste Wert seit fünf Monaten. Dominierender Lieferant waren wieder die USA mit insgesamt 74 Lieferungen und damit einem Marktanteil von über 58 Prozent.

Mit insgesamt 26 LNG-Tankern gingen die meisten Lieferungen nach Frankreich, gefolgt von den Niederlanden (20 Lieferungen) und Spanien (16 Lieferungen). An die drei deutschen LNG-Terminals gingen insgesamt 11 LNG-Lieferungen.

Russland lieferte im November insgesamt 16 LNG-Lieferungen nach Europa, die höchste Anzahl von LNG-Tankern seit April dieses Jahres. Im laufenden Jahr kamen damit mehr als 170 LNG-Lieferungen (12 Prozent von Gesamt-LNG-Import) aus Russland. Diese gilt es dann, nach dem in dieser Woche beschlossenen Importstopp ab 2027 zu ersetzen.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautet: "Warme Prognosen – kalte Risiken: Wie Dunkelflauten die Preise treiben"

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