Die Gaspreise zeigten in den letzten zehn Jahren im Monat Dezember oftmals eine höhere Volatilität als im Monat November. Das Risiko für Preisspitzen ist weiterhin entsprechend hoch.
Im Dezember 2024 beispielsweise fielen die Spotpreise am THE von 48 Euro je Megawattstunde auf 40 Euro je Megawattstunde zur Monatsmitte und stiegen dann wieder bis zum Monatsende auf 48 Euro je Megawattstunde an.
Keine Kältewelle in Sicht
Überträgt man die beobachtete Volatilität der letzten 10. Dezember-Monate auf das aktuelle Preisniveau, so ergibt sich ein statistisch möglicher Preiskorridor für den Spotpreis am deutschen THE im Dezember zwischen 25 und 40 Euro je Megawattstunde.
Für über oder unter diesen Grenzen liegende Preise liegt die statistische Eintrittswahrscheinlichkeit auf Basis der beobachteten Volatilität der letzten zehn Jahre nur bei fünf Prozent.
Auf Basis der verfügbaren Wettermodelle liegen die Temperaturprognosen für die meisten europäischen Länder derzeit bis Mitte Dezember über der saisonalen Norm.
Eine Kältewelle wie zuletzt in der zweiten Novemberhälfte ist derzeit nicht in Sicht. Auch für die zweite Dezemberhälfte zeigen die Mittelfristprognosen Tagesmittel über der saisonalen Norm.
Dunkelflauten sind Treiber der Gasnachfrage
Auch für die Erneuerbaren-Stromproduktion sind bis Mitte Dezember derzeit keine Flauten in Sicht. In dieser Jahreszeit sind jedoch Wetterprognosen über sieben Tage hinaus mit Vorsicht zu genießen, alles kann sich schnell ändern. Im vergangenen Winter sorgten gerade die Dunkelflauten für eine deutliche Steigerung der Gasnachfrage und dementsprechende Preisvolatilität.
In der aktuellen Woche stieg beispielsweise in Deutschland die Gasnachfrage mit Tageswerten über 4300 Gigawattstunden pro Tag auf den höchsten Stand seit Februar dieses Jahres. Grund war die schwache Erneuerbaren-Stromproduktion aus Solar- und Windkraft.
Die Stromgeneration der Gaskraftwerke war damit in den letzten Tagen in Deutschland auf Tagesmittel von über 17 Gigawatt gestiegen, so viel wie zuletzt im Februar dieses Jahres. Der Anteil von Erdgas als Brennstoff machte damit im Tagesmittel bis zu 32 Prozent aus.
Niedrige Füllstände der Gasspeicher
Die Gasspeicher sind in Deutschland derzeit nur zu 69 Prozent gefüllt, im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt lag der Füllstand noch bei 95 Prozent. Für den Fall, dass die nächsten Monate kälter als die saisonale Norm verlaufen, zum Beispiel wie im Winter 2012/ 2013, könnte der Füllstand der Gasspeicher bereits zum 1. Februar deutlich unter 30 Prozent fallen und bis zum Ende des Winters im Extremfall auch unter die 10-Prozent-Linie fallen.
Dies könnte regionale Gasmangellagen und eine hohe Volatilität der Gaspreise auslösen. Im vergangenen Winter sorgten die Nachfragespitzen während der Dunkelflauten für Spotpreise von bis zu 60 Euro je Megawattstunde. Die Gasspeicher waren damals jedoch noch über 40 Prozent gefüllt, sodass in Szenarien für diesen Winter die Preisspitzen auch über die Extremwerte des Vorjahres hinaus gehen könnten.
Handel vertraut auf LNG-Angebot
Derzeit zeigt sich der Handel wegen des stabilen LNG-Angebots weitgehend entspannt und trotzt der niedrigen Gasspeicher-Füllstände. Die Marktteilnehmer gehen derzeit davon aus, dass sich das gute LNG-Angebot auch im Dezember fortsetzt.
Im Dezember 2024 wurden an den europäischen Terminals insgesamt 116 LNG-Lieferungen importiert. Für die nächsten 14 Tage werden rund 50 LNG-Lieferungen an den europäischen Terminals erwartet, damit zeichnet sich für Dezember 2025 ein ähnliches Importvolumen wie im Vorjahresmonat ab.
Bezeichnend ist die Dominanz der US-Lieferungen auf dem europäischen Markt. 70 Prozent der erwarteten Lieferungen für die nächsten zwei Wochen sollen aus den USA kommen. Die hohe Abhängigkeit der europäischen LNG-Versorgung von nur einem Lieferanten birgt hohe Risiken, die eigentlich allen Marktteilnehmern bekannt sein sollten.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Strombedarf: Deutschland und seine Gaskraftwerke

