Am Spotmarkt erweist sich die 50-Euro-Marke auch in dieser Woche als sehr feste Widerstandslinie. Sobald die Preise unter 50 Euro pro MWh fallen, löst dies einen Nachfrageeffekt aus und spätestens am Folgetag gehen die Preise wieder nach oben.
Seit Beginn des Monats bewegen sich die Spotpreise zwischen 48 und 60 Euro pro MWh. In den vergangenen zwei Wochen verlief die Pendelbewegung deutlich enger zwischen 45 und 55 Euro pro MWh. Für die nächsten Tage spricht wenig dafür, dass die Gaspreise aus dieser Handelsspanne nachhaltig ausbrechen könnten.
EU-Gasspeicher zu 63 Prozent gefüllt
Die Temperaturprognosen für die nächsten fünf Tage wurden um rund ein Grad Celsius nach unten korrigiert. Demnach sollen die Tagesmittel in Deutschland bis zum Wochenende auf minus ein Grad fallen. Das US-amerikanische Wettermodell GFS prognostiziert für die erste Märzwoche kaltes Wetter mit Tagesmitteln bis zu minus zwei bis fünf Grad Celsius (fünf Grad unter saisonaler Norm).
Trotz der kühlen Wetterprognosen sind die Marktteilnehmer derzeit der Ansicht, dass die europäischen Gasspeicher auf einem komfortablen Niveau aus dem Winter kommen sollten. Die Gasspeicher sind derzeit zu 63 Prozent gefüllt und damit knapp 18 Prozentpunkte über dem Fünfjahresmittel.
EU-Speicherszenarien
Im Jahr 2020 waren die Gasspeicher zu diesem Zeitpunkt im Jahr ebenso gut gefüllt. Ihren Tiefstand bei 54 Prozent erreichten die Gasspeicher dann zum Ende der Wintersaison am 31. März.
Geht man weiterhin von einem saisonal üblichen täglichen Speichersaldo aus, so könnten die Gasspeicher zum 1. Mai zu 56 Prozent beziehungsweise mindestens zu 45 Prozent gefüllt sein, also mindestens 15 Prozentpunkte über dem aggregierten EU-Speicherziel.
Vergleichsweise niedrige Gasnachfrage
Die europäische Gasnachfrage sinkt in dieser Woche mit rund 14.500 GWh pro Tag auf den tiefsten Stand seit Anfang Januar. Damit liegt die Gesamtnachfrage im laufenden Monat in Europa rund 17 Prozent unter dem Fünfjahresmittel.
In Deutschland sank die Erdgasnachfrage am vergangenen Wochenende unter 2500 GWh pro Tag. Saisonal üblich sind Werte um 4000 GWh pro Tag. Damit verbraucht Deutschland im laufenden Monat etwa 25 Prozent weniger Erdgas als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre im Februar.
Brunsbüttel und Niederlande
Gute Nachrichten kommen auch weiterhin vom LNG-Markt: Die LNG-Aussendungen bewegen sich auf einem Fünf-Jahres-Hoch. Zudem hat der Tanker Höegh Gannet zwischenzeitlich Brunsbüttel erreicht. Damit könnten vielleicht schon in der nächsten Woche erste Einspeisungen vom dort befindlichen schwimmenden LNG-Terminal in das deutsche Erdgasnetz erfolgen.
In den Niederlanden will Gasunie die Kapazität des schwimmenden LNG-Terminals Eemshaven auf neun Milliarden Kubikmeter pro Jahr ausbauen. Die Kapazität des LNG-Terminals Rotterdam soll um vier Milliarden Kubikmeter pro Jahr erweitert werden. Das Terminal ist im laufenden Jahr zu 92 Prozent ausgelastet, bisher wurden insgesamt 24.000 GWh ausgesendet.
LNG-Terminalprojekte in Belgien
Das LNG-Terminal Zeebrugge (ungefähr gleich groß wie Rotterdam) ist hingegen im laufenden Jahr nur zu 67 Prozent ausgelastet. Hier wurden bisher im laufenden Jahr lediglich 18.500 GWh ausgesendet.
Um die vorhandenen Importkapazitäten – Pipelines inklusive – besser zu nutzen, möchte Belgien nun seine Transportkapazitäten kurzfristig verdoppeln. Nach Angaben des belgischen Premierministers sollen die Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen, um die Pipelinekapazitäten nach Deutschland auszubauen.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Trotz milden Wetters: Warum die Gaspreise derzeit nicht weiter fallen"
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



