Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Gaspreise zeigen sich in dieser Woche gegenüber der Vorwoche schwächer. Milde Wetterprognosen und hohe Füllstände der Gasspeicher sorgen für eine bearishe Stimmung an den Gasmärkten.

Gaspreise könnten unter 25 EUR/MWh sinken

Unsicherheiten in der geopolitischen Lage sorgten zu Beginn der Woche mit den Attacken der Houthi-Rebellen auf Handelsschiffe im Roten Meer zu einer Reaktion an den Märkten. Die Stimmung ist wegen der bisher guten Versorgungslage und der vollen Gasspeicher derzeit dennoch bearish.

Die durchschnittlichen Tagesmitteltemperaturen in Deutschland sollen über Weihnachten auf bis zu 10° C steigen (8 Grad über saisonaler Norm). Die Windstromproduktion soll währenddessen auf Spitzenwerte von bis zu 41 GW steigen.

Das bisherige Jahrestief am deutschen Spotmarkt stammt von Anfang Juni mit 23,50 EUR/MWh. Bestätigen sich die Fundamentalprognosen, so könnten die Gaspreise noch bis zum Jahresende bzw. in den nächsten Wochen ein neues Tief ausprägen.

Gasspeicher zum Ende Winter über 50 Prozent

Die Gasspeicher der EU sind zu 88 Prozent gefüllt, knapp unter dem Rekordniveau aus dem Jahr 2019, als der Füllstand 89 Prozent betrug. Am Ende des Winters 2019/2020 kamen die Gasspeicher im Frühjahr 2020 mit einem Füllstand von 55 Prozent aus dem Winter.

Würden die Ein-und Ausspeicherungen von nun entlang der langfristigen Norm erfolgen, so wären die Gasspeicher zum 1. Mai zu 54 Prozent gefüllt, weit über dem EU-Speicherziel von 27 Prozent. Unser pessimistisches Szenario sieht zum 1. Mai 20024 einen Füllstand von 36 Prozent vor.

Gaspreise im 1. Quartal 2024

Kommt es zu keinen weiteren Störungen an den Märkten (Kriege, Pipelineausfälle, LNG-Ausfälle), könnten die Gaspreise im 1. Quartal 2024 in einer mittleren Spanne zwischen 20 bis 40 EUR/MWh handeln.

Sollte sich das milde Wetter im Januar fortsetzen, könnten die Spotpreise auf zeitweise 20 EUR/MWh sinken. Für das gesamte 1. Quartal prognostizieren wir einen durchschnittlichen Spotpreis von 32 EUR/MWh.

Mittelfristig sollte sich jedoch der Switching-Preis, ab dem Gaskraftwerke gegenüber Steinkohlekraftwerken in der Merit-Order der deutschen Stromerzeugung teurer werden, als stabile Untergrenze für die Gaspreise ausbilden. Diese Untergrenze verläuft derzeit zwischen 23-25 EUR/MWh.

Kurzfristige Preisrisiken

Die globale Exposition des europäischen Gasmarkts mit einem LNG Anteil im laufenden Jahr von 36 Prozent am Gesamtangebot macht den Markt anfällig für kurzfristige Preisspitzen.

Mögliche Ausfälle von LNG-Exportterminals, Schäden oder ungeplante Wartungen an LNG-Importterminals oder Ausfälle der norwegischen Gasflüsse zusammen mit einer Kältewelle bergen hohes Preissteigerungspotential.

Mit einem Marktanteil von 44 Prozent, sind die USA der größte LNG-Importeur auf dem europäischen LNG-Markt. Ein Ausfall der US-Exportterminals würde den europäischen Markt empfindlich treffen. Die Preissteigerungspotentiale lassen sich dann nur schwer prognostizieren, sind sentiment-getrieben und können je nach Art der Hysterie schnell dreistellige Preisniveaus erreichen.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Fallende Gasmärkte: Was derzeit die Preisuntergrenze markiert".

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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