Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Ein Schiedsgericht hat der österreichischen OMV im Rechtsstreit mit der russischen Gazprom einen Schadensersatz in Höhe von mindestens 230 Mio. Euro zugestanden. OMV möchte diesen Betrag von den Zahlungsverpflichtungen gegenüber Gazprom abziehen.

Dies könnte dazu führen, dass Gazprom bereits vor dem Auslaufen des Transitvertrags mit der Ukraine die gesamte Lieferung oder Teile der Lieferung einstellt. Österreich bezieht von Gazprom monatlich 5 TWh Erdgas.

Mit Unsicherheit steigen die Preise

Die EU setzt auf der Angebotsseite in ihrem Prozess, sich von russischem Erdgas unabhängig zu machen, im Wesentlichen auf US-amerikanisches LNG. Einerseits steht der Wahlsieg Trumps für einen Ausbau der Gasproduktion, andererseits könnten Zölle, fehlende Handelsabkommen oder auch Handelskriege die US-Exporte nach Europa einschränken.

Wie sich die Neuwahlen in Deutschland auf den Energiesektor auswirken werden, ist unklar. Geplante Gesetzesvorhaben sind zumindest ausgebremst, darunter wichtige ausstehende Vorhaben wie das Kraftwerkssicherheitsgesetz und die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes.

Gasnachfrage steigt mit Kälte, Stromsektor

Die europäische Gasnachfrage steigt in dieser Woche zum ersten Mal seit Anfang Februar dieses Jahres auf über 16 TWh pro Tag. Zu Beginn des Monats lagen die Tageswerte noch bei circa 10 TWh. Ursächlich sind wie auch schon in der Vorwoche die kühlen Temperaturen und die starke Nachfrage aus dem Stromsektor. In Deutschland steigt die tägliche Gasnachfrage über 3,5 TWh. Im laufenden Monat wurden bisher insgesamt 36 TWh Erdgas verbraucht, zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahresmonat waren es nur 29,5 TWh, ein Plus von 22 Prozent. Damit liegt die Nachfrage gegenwärtig um 3 Prozent über dem Fünf-Jahres-Mittel.

In der nächsten Woche soll es in Nordwesteuropa deutlich kälter werden. In Deutschland sollen die Tagesmittel auf bis zu 1° C fallen und lägen damit 4 Grad unter der saisonalen Norm. Immerhin sollte die Gasnachfrage im Stromsektor wieder zurückgehen, da mit einer Erholung der Windstromeinspeisung gerechnet wird.

Ausspeicherungen auf 5-Jahres-Hoch im November

Da die Pipeline-Lieferungen aus Norwegen, Russland, Algerien und Aserbaidschan weitgehend stabil auf hohem Niveau verlaufen, stammt die Angebotsflexibilität im Wesentlichen aus stark gestiegenen Ausspeicherungen und nur wenig gestiegenen LNG-Aussendungen.

Die Ausspeicherungen in den EU-Ländern steigen auf über 5 TWh pro Tag, der höchste Stand im Monat November seit mindestens fünf Jahren. Der Füllstand der Gasspeicher sinkt aggregiert auf 92 Prozent, im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt waren die Speicher zu 99 Prozent gefüllt. Mit der Kältewelle in der nächsten Woche könnte der Füllstand deutlich unter 90 Prozent fallen. Damit würden sich die Gasspeicher frühzeitiger entleeren als zu Beginn des Winters angenommen, was die Aufwärtsbewegung der Gaspreise erklärt.

LNG-Importe enttäuschend

Die LNG-Importe bleiben bisher im laufenden Monat November hinter den Erwartungen zurück. Bis Dienstag wurden an den europäischen Terminals nur 45 LNG-Lieferungen importiert, im Vorjahresmonat waren es zum gleichen Zeitpunkt bereits 59 Lieferungen. Auch die Ankunftsliste für die nächsten zwei Wochen macht wenig Hoffnung. Dementsprechend sind die LNG-Speicher der EU aggregiert nur zu 50 Prozent gefüllt. Das belgische LNG-Terminal Zeebrügge ist nur zu rund 30 Prozent gefüllt, die französischen Terminals zusammen nur zu 45 Prozent.

Die LNG-Aussendungen stiegen daher zuletzt nur auf 4 TWh pro Tag an. Im Vorjahr waren es noch bei deutlich schwächerer Gesamtnachfrage mehr als 5 TWh pro Tag. Die Hauptlast der Angebotsflexibilität lag also zuletzt bei den Gasspeichern.

Der Titel der letzten Kolumne lautete: Dunkelflaute setzt bullische Impulse am Gasmarkt

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