Die Gasnachfrage der europäischen Länder sank im März auf 385 TWh. Im Vorjahresmonat waren es noch rund 419 TWh, ein Minus von 8 Prozent. In Deutschland sank die Gasnachfrage auf 91,7 TWh, ein Minus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat März 2023 (82,3 TWh).
Im zurückliegenden Winter, das heißt in den Monaten Oktober 2023 bis März 2024 lag die Gasnachfrage in Europa bei insgesamt 2505 TWh und in Deutschland bei 540 TWh. Wegen der kurzen Kältewellen im Januar 2024 und November 2023 liegt die Gesamtbilanz dennoch ungefähr auf dem Niveau des vorherigen Winters 2022 (2530 TWh bzw. 538 TWh).
Warme Temperaturen und starke Erneuerbare
Im Vergleich zum Durchschnitt der letzten fünf Jahre ergibt sich in der Nachfragebilanz des Winters ein Minus von 16 Prozent. Daher bewertet die Bundesnetzagentur (BNetzA) an den meisten Tagen des zurückliegenden Winters den temperaturbereinigten Gasverbrauch als angespannt. Erst bei einer Einsparung von mehr als 20 Prozent stuft die BNetzA die Lage als stabil ein.
Ursächlich für die schwache Erdgasnachfrage war einerseits die schwache Heizgasnachfrage. Mit Temperaturen von durchschnittlich 8,8° C war der März 2023 in Deutschland rund 2,6 Grad wärmer als im langfristigen Mittel und rund 2,1 Grad wärmer als der Vorjahresmonat.
Andererseits war die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien höher als im Vorjahresmonat. Dies sorgte für eine rückläufige Kraftwerksgasnachfrage im Stromsektor. Die Stromgeneration der Gaskraftwerke sank in Europa mit durchschnittlich 36 GW auf den tiefsten Stand seit Mai 2023.
Gasimporte per Pipeline legen zu
Fest hingegen zeigten sich im März die Gasimporte per Pipeline, welche mit insgesamt 190 TWh ein neues Jahreshoch markierten. Im Vorjahresmonat März 2023 lieferten Norwegen, Algerien, Russland, Aserbaidschan und Libyen zusammen nur knapp 175 TWh Erdgas nach Europa.
Norwegen exportierte mit rund 116 TWh circa 3 TWh mehr als im Vorjahresmonat März 2023. Ebenso fest zeigten sich die Lieferungen aus Algerien mit 30 TWh (März 2023: 24 TWh) und Russland mit 31 TWh (März 2023: 24 TWh). Aserbaidschan und Libyen hielten mit 11 TWh bzw. knapp 2 TWh ihre Mengen weitgehend konstant.
Rückläufige LNG-Lieferungen
Deutlich rückläufig zeigten sich im März jedoch die LNG-Importe. Mit LNG-Aussendungen von insgesamt knapp 123 TWh lag die Regasifizierung in Europa rund 18 Prozent unter dem Vorjahresmonat März 2023, als noch 151 TWh ausgesendet wurden.
An den europäischen LNG-Terminals wurden im März 2024 insgesamt nur 106 LNG-Lieferungen importiert, die niedrigsten Einfuhren seit mindestens 15 Monaten. Im Vormonat Februar wurden 134 Lieferungen importiert, im Vorjahresmonat März 2023 waren es 142 Lieferungen.
Wegen der gesunkenen Gaspreise in Europa wanderte viel LNG im März nach Asien ab. Die fünf größten asiatischen LNG-Importeure Japan, China, Südkorea, Taiwan und Indien importierten insgesamt 271 LNG-Lieferungen. Dies waren neun Lieferungen mehr als im Vormonat und fünf mehr als noch im Vorjahresmonat März 2023.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Höhere Risiken in der Gasbeschaffung als vor der Energiekrise".
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.


