Die Gaspreise zeigen sich im laufenden Monat deutlich weniger volatil als noch in den Vormonaten. Volle Gasspeicher, stabile Versorgung und temperaturbedingt schwache Nachfrage sorgen trotz rückläufiger LNG-Importe für eine entspannte Stimmung am Markt. Die Risiken für die mittelfristige Beschaffung haben sich jedoch erhöht.
Gaspreise in enger Handelsspanne
Der Frontmonat April-24 schwankt am deutschen THE im laufenden Monat in enger Handelsspanne zwischen 25-29 Euro pro Megawattstunde (MWh). Damit liegen die Extremwerte nur rund 7 Prozent über respektive unter dem derzeitigen Monatsdurchschnittspreis bei rund 27 Euro pro MWh.
Im Vormonat Februar lag zwar der Durchschnittspreis mit 26 Euro/MWh auf ähnlichem Niveau, die Preisentwicklung war jedoch durch eine starke Abwärtsbewegung von 30 Euro/MWh auf bis zu 23 Euro/MWh gekennzeichnet. Die Volatilität im Februar war damit doppelt so hoch wie im laufenden Monat.
Im Januar notierte der Frontmonat bei durchschnittlich 30,5 Euro/MWh und schwankte zwischen 35 und 28 Euro/MWh, im Wesentlichen gekennzeichnet durch eine Abwärtsbewegung. Die Schwankung um den Durchschnittspreis lagen damit bei rund 12 Prozent, 5-Prozentpunkte mehr als im laufenden Monat März.
Überwindung der Energiekrise
Mit Blick auf die Preisentwicklung in den letzten Monaten, die neue Marktordnung und den erfolgreichen Ausbau der LNG-Kapazitäten scheint die Energiekrise überwunden zu sein.
Die Gaspreise am THE stiegen in den letzten 12 Monaten nicht signifikant über 50 Euro/MWh. Seit Anfang letzten Dezember liegt das Preisniveau konstant unter 40 Euro/MWh, wesentlich über 30 Euro/MWh waren die Spotpreise zuletzt im Januar 2024.
Die neue Marktordnung mit einer derzeit hohen Abhängigkeit von Spot-LNG birgt jedoch weiterhin das Risiko einer höheren Preisvolatilität als vor der Energiekrise.
Höhere Beschaffungsrisiken als vor der Energiekrise
Die bis Anfang 2020 extremste Entwicklung war die Kältewelle im März 2018. Die Gaspreise stiegen auf das damalige Allzeithoch bei 58 Euro/MWh und insgesamt an sechs Tagen über 30 Euro/MWh. Der Terminkontrakt Q1/18 kostete im März 2017 rund 18 Euro/MWh. Eine Shortposition stand also an einigen Tagen bei mehr als dem Zweifachen der Absicherung über den Terminmarkt zu Buche.
Ansonsten lagen im Zeitraum 2010 bis 2020 die Kosten für solche kurzfristige Shortpositionen meist eher bei dem Faktor 1,2 bis 1,6. Eine entsprechende Longposition konnte schon damals bis zu der Hälfte des Terminpreises betragen.
Während der Energiekrise stiegen die entsprechenden Aufwendungen für solche Short- und Longpositionen auf mehr als den Faktor 11. Fehlentscheidungen wurden existenzbedrohend für das Unternehmen.
Preissprünge über 50 Euro/MWh sind möglich
Mit unserem Ganexo-Prognosemodell ermitteln wir Prognosewerte als Ober- respektive Untergrenzen der empirisch am Markt beobachteten Volatilitäten. Betrachtet werden die vier Front-Quartale, das Ergebnis sind Konfidenzintervalle 5 bis 95 Prozent multipliziert mit dem aktuellen Terminpreis.
Für das Konfidenzintervall 95 Prozent lagen die Prognosewerte für die Marktpreise in den Frontquartalen zuletzt bei: Q2-24: 36 Euro/MWh; Q3-24 65 Euro/MWh; Q4/24 89 Euro/MWh; Q1/25 93 Euro/MWh.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Nach Krisenschub: Wie weit ist Europa beim Ausbau der LNG-Terminals?".
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



