Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die europäische Gasnachfrage lag im November bei 445 TWh und damit rund 9 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Die Heizgasnachfrage lag dabei weitgehend auf dem Niveau des Vorjahresmonats, einen starken Anstieg verzeichnete jedoch die Gasnachfrage im Stromsektor.

Die Temperaturen in Deutschland lagen im November mit durchschnittlich 6,5 Grad Celsius nur 0,7 Grad ‒ und damit unwesentlich ‒ über dem Normalniveau. Zu Beginn des Monats und nach der kurzen Kältewelle in der zweiten Monatshälfte lagen die Temperaturen deutlich über der Norm.

Gasnachfrage im Stromsektor auf Jahreshoch

Die Dunkelflaute im November sorgte für eine deutlich gestiegene Gasnachfrage im Stromsektor. Die Stromproduktion der Gaskraftwerke in Europa markierte im November mit durchschnittlich 55 Gigawatt (GW) ein neues Jahreshoch und die Kraftwerke stellten 18 Prozent der gesamten europäischen Stromproduktion.

Die Stromgeneration der Gaskraftwerke lag signifikant über dem Wert vom Oktober als durchschnittlich 35 GW am Netz lagen und über dem Vorjahresmonatswert von rund 40 GW.

Zu Beginn dieser Woche stieg die Kraftwerksgasnachfrage erneut stark an und markierte am 4. Dezember einen neuen Jahreshöchstwert. Die Stromleistung der Gaskraftwerke erreichte europaweit insgesamt 82 GW und in Deutschland den Jahresspitzenwert von 13,3 GW. Erdgas war an diesem Tag in Deutschland der Energieträger mit der größten Stromleistung, noch vor Braunkohle.

Hohe Ausspeicherungen im November

Die hohe Nachfrage im November wurde im Wesentlichen durch die Flexibilität der Gasspeicher bereitgestellt, da die LNG-Importe hinter den Erwartungen zurückblieben. Die Netto-Ausspeicherung der europäischen Gasspeicher stieg daher im November mit insgesamt 112 Terawattstunden (TWh) auf den höchsten Stand seit Januar.

Damit lagen die Ausspeicherungen signifikant über dem Vorjahr (Oktober 2023: 45 TWh) und auch über dem Wert des Februar (86 TWh). Eine solch hohe Ausspeicherung im November ist ungewöhnlich und sorgte für Preisbewegung an den Märkten. Der Füllstand der EU-Gasspeicher fiel im Monatsverlauf von 95 auf 85 Prozent.

In praktisch allen EU-Ländern lag die Ausspeicherung im November deutlich über der Norm. Die höchsten Werte zeigten die Niederlande (23 TWh) und Frankreich (21 TWh), dort fielen die Füllstände der Gasspeicher auf zuletzt 72 beziehungsweise 78 Prozent. In Deutschland wurden im November insgesamt 18 TWh netto-ausgespeichert.

Schwaches LNG-Angebot im November

Die Pipeline-Lieferungen zeigten sich im November weitgehend stabil und gemäß der Erwartungen. Norwegen lieferte 104 TWh (Nov 2023: 112 TWh), Algerien 31 TWh (Nov 2023: 27 TWh), Russland 33 TWh (Nov 2023: 30 TWh) und Aserbaidschan rund 11 TWh.

Die Aussendungen der LNG-Terminals der EU lagen im November bei nur 120 TWh und damit 25 TWh niedriger als noch im Vorjahresmonat. Insgesamt wurden 105 LNG-Lieferungen an den EU-Terminals importiert, signifikant weniger als im November 2023 als 149 Lieferungen importiert wurden. Im Dezember zeigt sich das LNG-Angebot leicht verbessert, bisher wurden im laufenden Monat 15 LNG-Lieferungen importiert, in den nächsten zwei Wochen werden weitere 25 LNG-Lieferungen an den EU-Terminals erwartet.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Gaspreise steigen seit Sommer um 20 Prozent, LNG Angebot verbessert

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