Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Gaspreise notieren in dieser Woche leicht unter dem Niveau der Vorwoche, seit dem Sommer haben sie sich in Summe aber deutlich verteuert. Die europäischen LNG Preise haben durch den jüngsten Preisanstieg zum Preisniveau in Asien aufgeschlossen. Der von der Energieregulierungsbehörde ACER veröffentlichte LNG Preis lag zuletzt nur rund 1,50 Euro pro MWh unter dem asiatischen JKM.

Auch die Terminpreise für LNG an der Energiebörse ICE, die sogenannten LNG Spark Futures liegen für die verbleibenden Wintermonate rund 0,5 US-Dollar pro Million Btu unter dem asiatischen LNG Preis, was ungefähr 1,50 Euro pro MWh entspricht.

Dies ist zu wenig, um die zusätzlichen Transportkosten für atlantische Fracht nach Asien zu decken und sorgte zuletzt vermehrt für eine Ableitung von atlantischem LNG von Asien nach Europa.
 

LNG Ankunftsliste verbessert sich

Nach dem schwachen Start im Monat November haben sich daher zwischenzeitlich die LNG-Importe Europas verbessert. Bisher wurden 95 LNG Lieferungen im November an den europäischen Terminals importiert. Die Importstatistik bewegt sich damit wieder in Richtung des Vormonatsniveaus, als 109 Lieferungen importiert wurden.

Die LNG Nachfrage in Asien zeigt sich im laufenden Monat November schwach. An die fünf größten asiatischen LNG-Importeure (China, Japan, Südkorea, Taiwan und Indien) wurden bisher nur 215 LNG-Frachten geliefert. Die Importe bewegen sich damit derzeit auf Jahrestief, im Vormonat wurden noch 283 LNG-Lieferungen importiert.

In den nächsten 14 Tagen werden an den europäischen LNG-Terminals 27 LNG-Lieferungen erwartet. Neun Lieferungen werden an den Terminals Großbritanniens erwartet, vier in Italien und jeweils drei Lieferungen sollen in die Niederlande und an das belgische LNG-Terminal Zeebrugge gehen.

Gaspreis verteuert sich seit Sommer um ein Fünftel

Ende Juli dieses Jahres handelte der Terminpreis für Winter-24 und auch Nov-24 am niederländischen TTF noch bei rund 40 Euro pro MWh, das Niveau am Spotmarkt lag zuletzt jedoch bei rund 48 Euro pro MWh. Damit haben sich die Gaspreise innerhalb von vier Monaten um 20 Prozent verteuert.

Die geopolitischen Spannungen sind seit dem Sommer nicht kleiner geworden, hinzugekommen sind politische Herausforderungen in Deutschland, Europa und den USA und ein kälterer Einstieg in den Winter als im Vorjahr. Dies sind die Faktoren, die zum Preisanstieg seit Sommer führten.

Die Volatilität beschäftigt die Energieeinkäufer und macht die richtige Beschaffungsstrategie zur Herausforderung. Wäre in diesem Fall die Eindeckung im Sommer mit Long-Positionen für Nov-24 ertragreich gewesen, so wäre die längerfristig angelegte Beschaffung im November des Vorjahres wahrscheinlich defizitär gewesen, denn vor einem Jahr handelte der Terminkontrakt Q4-24 noch bei rund 49 Euro pro MWh.

Terminkurve in Backwardation

Die Gaspreise handeln derzeit entlang der Terminkurve in Backwardation, das bedeutet, die Terminpreise in ferner Zukunft sind billiger als im Kurz- bis Mittelfristbereich. Dies verdeutlicht die angespannte Situation in diesem Winter und die Erwartung der Händler, einer verbesserten Angebotssituation vielleicht erst ab 2027.

Im Falle eines überdurchschnittlich kalten restlichen Winters und dem Stopp der russischen Gasflüsse durch die Ukraine zum Jahresende 2024 könnten die Speicherstände der EU-Länder zum Ende der Wintersaison auf bis zu 20 Prozent sinken.

Für die nächste Sommersaison erwarten die Marktteilnehmer dann eine starke Speichernachfrage. Daher handelt derzeit der Sommerkontrakt um rund drei Euro pro MWh über dem nachfolgenden Winter-25-Kontrakt.

Ende des Ukraine-Transits

Seit Wochen kursiert am Markt viel Spekulation, wie es mit den russischen Transitlieferungen durch die Ukraine in 2025 weitergeht. Das Transitabkommen mit der Ukraine endet zum 31. Dezember 2024 und zuletzt verdichteten sich die Anzeichen, dass es auch so kommt.

Laut Pressemeldungen zu Beginn der Woche haben Moldawien und Russland Gespräche geführt, um alternative Lieferrouten für die Versorgung der abtrünnigen moldawischen Region Transnistrien zu besprechen. Eine Umgehung des Ukraine-Transits wäre mit der Belieferung über die Turkstream-Pipeline, Bulgarien und Rumänien an die moldawische Grenze möglich.

Dazu berichtete die Nachrichtenagentur Reuters zu Beginn der Woche, dass Gazprom davon ausgehe, nach dem 31. Dezember kein Gas mehr durch die Ukraine nach Europa zu transportieren. Dies hätte eine mit den Plänen vertraute Person gegenüber Reuters erklärt.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK Morning Briefing. Der Titel seiner letzten Analyse lautet "Gaspreise fest, Ausspeicherungen hoch".

 

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