Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die zuletzt kalten Temperaturen trieben in Deutschland die Gasnachfrage auf den höchsten Stand seit 25 Monaten. Zugleich sorgte das starke Angebot für ausreichende Flexibilität während der Kältewelle. Hohe LNG-Aussendungen und Ausspeicherungen, weiterhin konstant hohe Lieferungen aus Norwegen ließen die Gaspreise sogar fallen.

Die Kombination aus sehr kalten Temperaturen und wenig Wind führte dazu, dass die Gasnachfrage in Deutschland zuletzt auf rund 5100 Gigawattstunden (GWh) pro Tag stieg. Das war der höchste Wert seit Dezember 2021. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen in Deutschland fielen zuletzt auf minus sechs Grad Celsius, sprich sechs Grad unter Norm. Zudem sank die Windstromproduktion auf lediglich fünf Gigawatt (GW).

Ausreichend Flexibilität im Markt

Während der Kältewelle Ende des vergangenen Novembers war die Gasnachfrage in Deutschland nicht wesentlich über 4900 GWh pro Tag gestiegen. Im Winter 2022/2023 wurde der Spitzenwert am 14. Dezember 2022 mit rund 4800 GWh pro Tag markiert.

Die Gaspreise sanken zuletzt – trotz der Nachfragespitzen – auch vor dem Hintergrund milderer Wetterprognosen. Dies zeigt, dass die zuletzt hohen LNG-Aussendungen und Ausspeicherungen aus den Gasspeichern dem europäischen Gasmarkt ausreichend Flexibilität verleihen, um die Nachfrage während kurzer Kältewellen zu befriedigen.

Höchste Ausspeicherungen seit Februar 2021

Die Ausspeicherungen der EU-Länder stiegen zuletzt auf mehr als 9500 GWh pro Tag. Das war der höchste Wert seit Februar 2021. Im Winter 2022/2023 waren die Ausspeicherungen in der Spitze nicht über 7500 GWh pro Tag geklettert. Die maximale Ausspeicherungskapazität aller Gasspeicher der EU liegt insgesamt bei 20.000 GWh pro Tag.

In Deutschland gingen die Ausspeicherungen zuletzt auf knapp 3000 GWh pro Tag hoch. Das war deutlich mehr als während der Kältewelle im vergangenen November, als in der Spitze nur rund 2200 GWh pro Tag ausgespeichert wurden. Die maximale Ausspeicherungskapazität aller deutschen Gasspeicher liegt bei 6800 GWh pro Tag.

Deutsche Speicher zu 88 Prozent voll

Die Gasspeicher der EU-Länder sind zu 83 Prozent gefüllt. Die deutschen Speicher sind sogar noch zu 88 Prozent voll. In beiden Fällen bedeutet dies ein Plus gegenüber dem Fünfjahresmittel von 13 Prozent.

Im zurückliegenden Monat Dezember 2023 wurden in Deutschland netto nur 13.600 GWh ausgespeichert. Das waren 31 Prozent weniger als im Fünfjahresmittel.

Starkes LNG-Angebot

Die LNG-oder Flüssigerdgasaussendungen in den Ländern der EU und Großbritannien stiegen zuletzt auf mehr als 5700 GWh pro Tag. In Großbritannien gingen die Aussendungen mit rund 1400 GWh pro Tag auf den höchsten Stand seit Ende November hoch.

Die LNG-Aussendungen in das europäische Gasnetz liegen damit nur noch knapp hinter den Gasimporten per Pipeline. Diese bewegten sich zuletzt bei rund 6000 GWh pro Tag. Die norwegischen Gasflüsse liegen weiterhin konstant bei rund 3900 GWh pro Tag.

Goldene Zeiten für US-LNG-Produzenten

In den nächsten 14 Tagen werden an den europäischen Häfen weitere 28 LNG-Lieferungen erwartet – sechs in Frankreich, fünf jeweils in Großbritannien und den Niederlanden, je zwei in Spanien, Belgien und Italien sowie eine in Deutschland.

Die EU und Großbritannien importierten im vergangenen Jahr insgesamt 1618 LNG-Schiffslieferungen. 708 Lieferungen kamen dabei aus den USA, was einem Marktanteil auf dem europäischen Markt von 44 Prozent entsprach.

USA Deutschlands größter LNG-Lieferant – mit Abstand

Die deutschen LNG-Terminals importierten 2023 insgesamt 65 LNG-Schiffslieferungen. 51 davon kamen aus den Vereinigten Staaten. Damit hatte Flüssigerdgas aus den USA auf dem deutschen LNG-Markt einen Anteil von 78 Prozent.

Die größten asiatischen LNG-Importländer (China, Japan, Südkorea, Taiwan und Indien) importierten in 2023 insgesamt 3120 LNG-Schiffslieferungen. Der bestimmende Lieferant für diese fünf größten Nachfrageländer war Australien mit insgesamt 1045 Lieferungen. 274 LNG-Schiffe kamen aus den USA. Das entspricht einem Markanteil von neun Prozent. Damit waren die USA viertgrößter Lieferant nach Australien, Malaysia und Katar.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels (21. Dezember 2023): "Gasmarkt: Spotpreise können bis Monatsende neues Jahrestief erreichen"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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