Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Versorgungsängste, globale Handelsspannungen und wiederkehrende Windflauten haben die Gaspreise in dieser Woche bis auf 60 Euro pro Megawattstunde (MWh) getrieben. Die Entwicklung der Handelsvolumina lässt aber noch einen weiteren Grund für den Preisanstieg vermuten.

Der negative Winter-Sommer-Spread führte in den vergangenen Wochen zu viel Diskussion unter den Händlern. Die Situation am Terminmarkt gibt den Speicherbetreibern keinen ökonomischen Anreiz zur Einspeicherung. Damit gerät die Einhaltung der Speicherziele bis zum nächsten Winter in Gefahr.

Sorgen treiben allgemeinhin die Preise nach oben, da mit der Unsicherheit die Energieversorger versuchen, sich für die anstehenden Perioden einzudecken. Folgt man dieser Logik, sollten sich in den letzten Wochen die Handelsvolumina für den nächsten Sommer und Winter zumindest einigermaßen gleichmäßig nach oben entwickelt haben.

Gestiegene Handelsvolumina

Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Die Nachfrage nach den Sommerkontrakten ist insbesondere im Januar förmlich explodiert. An der Energiebörse EEX wurden im Januar für die TTF-Kontrakte Q2/25 und Q3/25 zusammen mehr als 20 TWh gehandelt. Im Februar liegt das Handelsvolumen bislang bereits bei rund neun Terawattstunden (TWh)

In den Vormonaten November und Dezember 2024 lag das Handelsvolumen für diese Sommerkontrakte jedoch nur bei durchschnittlich 6 TWh pro Monat.

Die Nachfrage nach den Terminkontrakten Q4-25 und Q1-26 stieg im Januar von zuvor monatlich rund 3 TWh auf über 6,5 TWh. Das war zwar auch eine deutliche Steigerung, machte aber letztendlich weniger als ein Drittel der Sommernachfrage aus.

Spekulation treibt Gaspreise

Es scheint, dass einige Handelsteilnehmer wohl Wetten auf steigende Preise im Sommer geschlossen haben, was den Markt und die Preisentwicklung massiv befeuert hat. Mit der steigenden Abhängigkeit von globalem Flüssigerdgas oder LNG hat sich der europäische Gasmarkt nicht nur aus fundamentaler, sondern auch finanzieller Sicht global exponiert. Der niederländische TTF gerät zunehmend in den Fokus institutioneller Anleger und spekulativer Akteure.

Prägten in den vergangenen Wintern die geopolitischen und fundamentalen Rahmenbedingungen das Marktgeschehen, so sehen wir in den vergangenen Wochen einen verstärkten Einfluss der spekulativen Marktteilnehmer auf die Preisentwicklung.

Gaspreis um 50 Prozent gestiegen

Vor Beginn des laufenden Winters lag der Preis für Sommer-25 noch bei rund 35 Euro pro MWh. Winter-25 kostete rund ein bis zwei Euro pro MWh mehr. Seitdem ist der Preis für die Sommersaison bis auf 58 Euro pro MWh gestiegen – ein Plus von rund 50 Prozent.

Dieser massive Preisanstieg ereignete sich ohne signifikante Kältewelle in Zentraleuropa. In Deutschland lag die durchschnittliche Tagestemperatur im Januar bei drei Grad Celsius, rund 1,6 Grad über der saisonalen Norm und 0,5 Grad wärmer als im Januar 2024.

Auch aus geopolitischer Sicht gab es neben den bestehenden und zugegebenen schlimmen Krisen zumindest mit Fokus auf den Gasmarkt kein nennenswertes neues Ereignis, was diesen Preisanstieg allein hätte rechtfertigen können.

Endverbraucher zahlen die Zeche

Die Gasspeicher der EU-Länder sind zuletzt auf einen Füllstand von 47 Prozent gefallen. Dies ist zwar deutlich weniger als im Vorjahr, war jedoch ein Stück weit mit dem Wegfall der russischen Gasflüsse zu erwarten und auch eingepreist.

Kommt kein wesentliches Kälteereignis hinzu, so sollten die Gasspeicher zum Ende des Winters nicht nennenswert unter 30 Prozent fallen. Kein Grund zur Panik, sollte man meinen.

Natürlich ist die Preisentwicklung die Summe vieler Faktoren. Wenn jedoch Versorgungsthemen in den Fokus der Spekulanten geraten, so wird es zumindest für die Schwächsten in diesem Spiel am Ende teuer. Und das sind die Endverbraucher.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Gasverstromung erreicht im Januar Fünfjahreshoch

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