Die durchschnittliche Stromgeneration der Gaskraftwerke in Deutschland im Januar lag bei knapp elf Gigawatt (GW) und damit auf dem höchsten Stand seit mindestens fünf Jahren. Dies waren rund zwei GW mehr als noch im Vorjahresmonat. Die Gaskraftwerke produzierten damit 19 Prozent des gesamten Strombedarfs in Deutschland.
Dies hatte im Wesentlichen mit einer ausgeprägten Windflaute in Deutschland Mitte Januar zu tun, als die Windstromgeneration auf Tageswerte von bis zu drei GW fiel und die Stromleistung der Gaskraftwerke dann auf Tageswerte von bis zu knapp 18 GW stieg.
Hohe Gasnachfrage trotz mildem Januar
Die durchschnittliche Tagestemperatur lag im Januar 2025 in Deutschland mit durchschnittlich 3° Celsius, rund 1,6 Grad über der saisonalen Norm. Gegenüber dem Vorjahresmonat Januar 2024 war es damit rund 0,5 Grad wärmer.
Die Impulse aus dem Strommarkt sorgten somit trotz des milden Temperaturdurchschnitts für eine höhere Gasnachfrage als im Vorjahresmonat. Die europäische Gesamtnachfrage stieg im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um rund 20 Terawattstunden (TWh) auf 564 TWh. In Deutschland lag die Gasnachfrage im Januar bei insgesamt 122 TWh (Januar 24: 120 TWh), nur 8 Prozent unter der Fünf-Jahres-Norm.
Starke Entleerung der Gasspeicher
Im Januar wurden die wegegefallenen russischen Gaslieferungen durch die Ukraine im Wesentlichen durch höhere Ausspeicherungen kompensiert. Zusammen mit den Impulsen aus dem Strommarkt, sorgte dies für eine deutlich stärkere Entleerung der Gasspeicher als im Vorjahr. Der Speicherstand der EU-Länder ist mittlerweile auf einen Füllstand von 51 Prozent gesunken. Im Januar wurden insgesamt 213 TWh Erdgas aus den Gasspeichern der EU-Länder ausgespeichert. Das waren rund 30 TWh mehr als noch im Januar 2024.
Hohe Ausspeicherungen in Deutschland
Einen Großteil der Steigerung machten die Ausspeicherungen in Deutschland aus, die gegenüber dem Vorjahr um rund 20 TWh auf insgesamt 61 TWh im Januar stiegen.
Die Gasspeicher Deutschlands sind zu 53 Prozent gefüllt. Der größte Gasspeicher Deutschlands Rehden ist hingegen nur noch zu 29 Prozent gefüllt, das sind rund 24 Prozentpunkte weniger als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre zu diesem Zeitpunkt im Jahr.
Speicherentleerung bisher ohne ausgeprägte Kältewelle
Es wird erwartet, dass die Gasnachfrage im Februar aufgrund der kälteren Temperaturen und der geringeren Windenergieerzeugung hoch bleiben wird. Dies könnte an den Märkten in den nächsten Wochen für eine weitere bullishe Stimmung führen.
Im laufenden Winter haben wir bisher noch keine ausgeprägte Kältewelle durchlebt. Sollte es in den restlichen Winterwochen noch richtig kalt werden oder sollten LNG-Importe ausbleiben, so könnte es in Teilen Europas zu Versorgungsengpässen und Preisspitzen an den Handelsmärkten kommen.
LNG-Importe im Januar auf 9-Monats-Hoch
Erfreulich haben sich die LNG-Importe im Januar entwickelt. Insgesamt wurden 123 LNG-Schiffslieferungen an den europäischen Terminals importiert, so viel wie seit April 2024 nicht mehr. Im Wesentlichen sorgten die gestiegenen Importe aus den USA für die Steigerung. Im Januar importierten die EU-Länder 61 LNG-Lieferungen aus den USA, in den Vormonaten waren es meist nicht mehr als 45 Schiffe, der höchste Stand seit 12 Monaten. Russland legte mit insgesamt 27 Lieferungen in die EU ebenfalls zu, knapp unter dem Spitzenwert von 28 Lieferungen im Januar 2024. In den Vormonaten lagen die Exporte Russlands hingegen meist bei rund 20 Lieferungen.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Emissionsmarkt sorgt für Rallye an den Gasmärkten


