Bleibt australisches LNG wegen Streiks vorübergehend aus? Diese Sorgen dominieren derzeit Gasmärkte weltweit.

Bleibt australisches LNG wegen Streiks vorübergehend aus? Diese Sorgen dominieren derzeit Gasmärkte weltweit.

Bild: © Ricardo/AdobeStock

Australien hält den Gasmarkt in Atem. Gebannt blickten europäische Händler auch am Dienstag Richtung anderes Ende der Welt und verfolgten, wie sich die Verhandlungen zwischen den LNG-Produzenten Chevron und Woodside Energy Group auf der einen sowie Industriegewerkschaften auf der anderen Seite entwickelten.

Meldungen, die Gespräche könnten scheitern, trieben die Gaspreise am kurzen Ende in die Höhe. Der Liefermonat September auf dem Handelsplatz TTF sprang von knapp 36 Euro pro MWh bis zum Tagesende auf exakt 40 Euro pro MWh. In der Spitze wurden untertags sogar rund 40,50 Euro pro MWh erreicht.

Flatterhafter Gasmarkt

Am späten Dienstagnachmittag meldete die Nachrichtenagentur Reuters, dass die Verhandlungen noch Tage andauern könnten. Demnach sei der Beginn eines möglichen Streiks mindestens eine Woche entfernt. Unterbrechungen könnten von 30-minütigen Arbeitsniederlegungen bis hin zu vollumfänglichen Streiks reichen.

Bereits vergangene Woche hatte sich der Gasmarkt nach ersten Streikandrohungen aus Australien flatterhaft gezeigt. Am Mittwochabend hatte der Kurs knapp vor der 40-Euro-Marke Halt gemacht. In den Tagen danach war jedoch ein leichter Abwärtstrend hinunter auf 34 Euro pro MWh feststellbar. Diesen Dienstag endete diese Entwicklung jäh.

Folgen für globales LNG-Angebot

Australien war 2022 hinter den USA und Katar der drittgrößte LNG-Produzent der Welt. Physisch spielt australisches Flüssigerdgas auf dem europäischen Markt keine bestimmende Rolle, wie Gaskolumnist Joahim Endress vergangene Woche einordnete.

"Australien ist jedoch der mit Abstand dominierende Anbieter von LNG auf dem asiatischen Markt", schrieb er. Würden dort Lieferungen aus Down Under ausbleiben, würde sich das globale Flüssigerdgasangebot verknappen.

Industrieverbrauch stark unterdurchschnittlich

Auf dem deutschen Markt entwickelte sich die Versorgungslage weiterhin den Umständen entsprechend gut. Die Gasspeicher waren zuletzt zu rund 92 Prozent gefüllt. Die wöchentlichen Gasverbräuche der Industrie lagen zuletzt mehr als 20 Prozent unter dem Durchschnittsverbrauch der Jahre 2018 bis 2021, wie von der Bundesnetzagentur aufbereitete Zahlen zeigen.

Haushalte und Gewerbe verbrauchten dagegen zuletzt etwas mehr als im Schnitt von 2018 bis 2021. In den Sommermonaten fällt der Gasverbrauch in diesem Bereich aber traditionell gering aus. (aba)

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des jüngsten Artikels: "Australien-Überraschung: Warum die Gaspreise derzeit so flatterhaft sind"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper