Zu Beginn des Jahres lagen die Spotpreise am niederländischen Handelspunkt TTF noch auf einem Niveau von rund 50 Euro je Megawattstunde (Euro/MWh) und sind seitdem um rund 40 Prozent gefallen. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein signifikanter Abschlag – damals notierten die Spotpreise in der ersten Novemberhälfte bei rund 40 Euro/MWh.
Auch am Terminmarkt fand ein beeindruckender Preisverfall statt. Seit Jahresbeginn notierte der Terminkontrakt Cal-26 noch bei rund 40 Euro/MWh. Am Donnerstag, 13.November, fiel der Kontrakt am TTF im Tagesverlauf bereits unter die 30-Euro-Marke. Das entspricht einem Verlust seit Jahresbeginn in Höhe von 25 Prozent.
Schwache Nachfrage in Europa und Asien
Bisher liegt der Gasverbrauch in Europa im November mit bisher rund 140 Terawattstunden rund zehn Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Gasspeicher speicherten bisher deutlich weniger aus als saisonal üblich.
Die Einspeicherungsnachfrage hält sich bisher – trotz der niedrigen Füllstände – auf saisonal üblichem Niveau. Man vertraut wohl auf ein stabiles LNG-Angebot den Winter hindurch.
Die Gasnachfrage in Asien zeigt sich anhaltend schwach. Laut Angaben der Internationalen Energie Agentur (IEA) war die Gasnachfrage in Asien über alle Quartale 2025 hinweg rückläufig, was laut IEA mit der dort schwächeren makroökonomischen Entwicklung zu tun hat.
World Energy Outlook IEA
Laut Angaben der IEA ist die weltweite LNG-Produktion seit Juli um beeindruckende neun Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Hauptverantwortlich in diesem Jahr für das Wachstum ist die gesteigerte LNG-Produktion in den USA und Kanada.
In ihrem jährlichen World Energy Outlook prognostiziert die IEA eine beispiellose Steigerung der LNG-Exportkapazitäten bis 2030. Demnach könnte die globale LNG-Produktion von aktuell rund 600 Milliarden Kubikmeter auf bis zu 900 Milliarden Kubikmeter ansteigen.
Maßgebliche Treiber für das außergewöhnliche Wachstum bis 2030 sind die USA und Katar. Für die US-Produktion wird eine Steigerung von derzeit 150 auf bis zu 300 Milliarden Kubikmeter LNG projektiert, für Katar wird ein Wachstum von derzeit 100 auf rund 175 Milliarden Kubikmeter LNG erwartet.
LNG und Geopolitik
IEA-Chef Birol spricht von der "größten Ausweitung des LNG-Angebots, das die Welt je gesehen hat". Einerseits steigt der LNG-Verbrauch in Europa, um den Rückgang der russischen Pipelineimporte und auch die fallende heimische Gasförderung auszugleichen. Mit dem wachsenden Strombedarf (IEA: "Zeitalter der Elektrizität") steigt der Fuel-Switch-Bedarf, welcher durch LNG kompensiert werden könnte.
Die Frage ist jedoch, auf welchem Preisniveau der Markt sich ausgleichen wird, um die zusätzlichen 300 Milliarden Kubikmeter LNG bis zum Jahr 2030 zu kompensieren. Ein möglicher Preisverfall könnte viele geplante oder bestehende LNG-Projekte unwirtschaftlich machen.
Der geopolitische Aspekt des LNG-Ausbaus wird dabei immer wichtiger. Mit der wachsenden US-LNG-Produktion vermischt sich die geopolitische und geoökonomische Agenda der Trump-Administration. Die Energieversorgungssicherheit der EU-Länder macht sich zunehmend politisch wie ökonomisch abhängig von US-LNG. Im vergangenen Monat Oktober stammten 60 Prozent aller LNG-Importe aus den USA.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet:Im November keine Kältewelle in Sicht


