Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Ein durchschnittlicher Gasverbrauch könnte damit Potenziale für weitere Einspeicherungen im November freimachen. Aktuell sind die Gasspeicher der EU-Länder nur zu 83 Prozent gefüllt, neun Prozentpunkte weniger als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Saisonbedingt sollten die Ausspeicherungen spätestens in der zweiten Novemberhälfte deutlich zulegen, so dass der Füllstand zum Ende des Monats im besten Falle bei 80 Prozent liegen könnte. Ein starker Nachfrageanstieg in der zweiten Monatshälfte könnte den Speicherstand aber auf 70 Prozent bis zum Monatsende fallen lassen.

Gas Angebot stabil

Das Pipeline-Angebot insbesondere aus Norwegen sollte sich im November gegenüber dem Vormonat deutlich erholen. Die Wartungsarbeiten sind weitgehend abgeschlossen, einige in den November verschobene Wartungen sollen die Gasflusskapazität an einigen Tagen um rund 20 Millionen Kubikmeter pro Tag kürzen.

Für die Pipeline-Lieferungen aus Algerien, Russland und Aserbaidschan stehen keine wesentlichen Wartungen an, sodass sich die Gasflüsse hier im November stabil entwickeln sollten.

Die LNG-Importe zeigten sich im Oktober gegenüber dem Vormonat erholt. Der positive Trend könnte sich auch im November fortsetzen. Gründe sind eine zuletzt schwächere chinesische LNG-Nachfrage gegenüber dem Vorjahr und ein derzeit ausreichendes Arbitrage-Potenzial am niederländischen TTF, um eine Ableitung von Spot-LNG nach Asien im größeren Stil zu verhindern.

Chinesische LNG-Importe von Arctic LNG 2

Seit August dieses Jahres gehen Lieferungen des sanktionierten Arctic LNG 2 nach China, bis Mitte Oktober wurden bereits 11 Lieferungen an das chinesische LNG-Terminal Beihai geliefert. Aus fundamentaler Sicht entspannte dies seitdem die globale Spot-LNG-Nachfrage, auch wenn von der EU aus politischer Sicht anders gewünscht.

Bisher haben weder die USA noch die EU in ihren jüngsten Sanktionspaketen Maßnahmen gegen das Terminal in Beihai oder den Eigentümer des Terminals Pipe China angekündigt. Dazu gibt es Anzeichen, dass Russland auch auf offener See den Transfer von LNG von Schiff zu Schiff durchführt, um die westlichen Sanktionen zu umgehen.

Mit den kälteren Temperaturen werden sich die russischen nördlichen Seerouten in Kürze schließen. Die Unsicherheit besteht nun darin, abzuschätzen, ob die sanktionierte Logistik der russischen Arctic-LNG-2-Flotte ausreicht, um die Lieferungen in den nächsten Monaten auf dem Niveau der Vormonate zu halten.

Unsicherheit ukrainischer Importbedarf

Die Angriffe Russlands auf viele Gasförderanlagen in verschiedenen Regionen der Ukraine haben umfangreiche Schäden in der Erdgasproduktion und -speicherung der Ukraine verursacht und bedrohen die Gasversorgungssicherheit des Landes im anstehenden Winter.

Naftogaz hat zwar bereits nach eigenen Angaben einen Großteil der für den Winter notwendigen Erdgasimporte vertraglich abgesichert. Sollte jedoch die heimische Produktion zusätzlich weiter durch die Militärschläge Russlands geschädigt werden, würde dies zusätzliche Importe aus der EU notwendig machen.

Einige Analysten gehen davon aus, dass die Erdgasimporte der Ukraine aufgrund der durch Russland verursachten Kriegsschäden an der Energieinfrastruktur in diesem Winter mindestens um 25 Prozent mehr steigen könnten als bisher geplant. Abhängig von den Temperaturen im Winter und der noch zu analysierenden Schäden könnte der Importbedarf zwischen ein und vier Milliarden Kubikmetern liegen. Der dementsprechende Abfluss an Gasmengen für einige südosteuropäische Länder entspräche einem strengen Kaltwinterszenario.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautet:Ungewöhnlich hohes Niveau bei Gas-Ausspeicherungen im Oktober

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