Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Gasnachfrage in Europa steigt in dieser Woche auf über 20 TWh pro Tag, das ist der höchste Wert seit Ende Januar dieses Jahres. In Deutschland steigen die Tageswerte zum ersten Mal in diesem Winter auf über 4 TWh.

Ursache ist die sprunghaft gestiegene Gasnachfrage im Stromsektor. Die Stromleistung der Gaskraftwerke lag am Mittwoch bei 95 GW und damit noch vor Atomkraft (86 GW) und Wasserkraft (48 GW). Auch in Deutschland leisteten die Gaskraftwerke am Mittwoch den größten Anteil der Stromproduktion. Mit insgesamt 15,6 GW stieg die Stromleistung auf ein neues Fünf-Jahres-Hoch; 35 Prozent der gesamten Stromleistung wurden durch die Gaskraftwerke produziert.

Milder Ausblick

Die Überreaktion der Gaspreise der letzten vier Wochen, nachdem das Preisniveau als Reaktion auf geopolitische Ereignisse und gestiegene Nachfrage auf fast 50 Euro/MWh stieg, wird nun wieder ausgepreist.

Der Wetterausblick bis Weihnachten ist mild und windig. In Deutschland sollen die durchschnittlichen Tagestemperaturen auf bis zu 8 Grad steigen (6 Grad über saisonaler Norm) und die Windstromleistung soll sich wieder deutlich erholen, mit Leistungswerten von bis zu 40 GW.

Gasspeicher gut gefüllt

Die Gasspeicher in Deutschland sind zu 87 Prozent gefüllt, der Füllstand liegt damit 3 Prozent über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre zu diesem Zeitpunkt im Jahr. Der aggregierte Füllstand aller Gasspeicher der EU-Länder lag zuletzt bei 81 Prozent.

Verläuft der Rest des Winters entlang der langfristigen Norm und kommt es auf der Angebotsseite zu keinen größeren Ausfällen, so könnten die Gasspeicher Deutschlands zum Ende des Winters einen Füllstand von über 50 Prozent halten. Im Falle eines überdurchschnittlich kalten, restlichen Winters könnte der Füllstand jedoch auf bis zu 30 Prozent fallen.

Ausfälle in Norwegen

In dieser Woche kommt es zu einigen ungeplanten Ausfällen in Norwegen, die der Markt jedoch gut verkraften konnte, so dass ein wesentlicher Preiseffekt ausblieb. Durch ungeplante Reparaturen in den Anlagen Åsgard und Kollsnes reduzierten sich die Gasflüsse aus Norwegen in dieser Woche um rund 150 GWh/Tag gegenüber der Vorwoche. Die über Pipelines gelieferten Gasflüsse aus Algerien, Russland und Aserbaidschan zeigen sich in dieser Woche stabil und auf dem Niveau der Vorwoche.

Die österreichische OMV hat am Mittwoch ihren noch bis 2040 laufenden Gasliefervertrag mit der russischen Gazprom wegen deren Lieferstopp gekündigt. Österreich versichert, auch ohne russisches Erdgas ab 2025, die Versorgung in diesem Winter sicherstellen zu können.

Schwache LNG-Nachfrage in Asien

Der Preisverfall am europäischen Markt ist auch eine Folge der schwachen Preissignale des asiatischen LNG-Markts. Die Preise am asiatischen JKM sanken in dieser Woche auf umgerechnet unter 46 Euro/MWh und lagen damit nur knapp über dem Preisniveau am niederländischen TTF. Die Nachfrage in Asien zeigt sich bisher im Dezember schwach, dazu hat sich das Angebot durch den Abschluss einiger Wartungen an australischen Exportterminals wieder verbessert. Die Händler gehen jedoch im Januar von einer wieder erstarkten asiatischen LNG-Nachfrage aus.

Im laufenden Monat wurden bisher 40 LNG-Lieferungen an den europäischen Terminals importiert. Damit könnten die Importe wieder wie im Vormonat auf knapp über 100 Schiffslieferungen steigen. Dennoch liegen wir damit weit unter dem Niveau des Vorjahres, als im Dezember 2023 insgesamt 135 Schiffslieferungen importiert wurden.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Gasnachfrage klettert auf 10-Monats-Hoch

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