Die europäischen Gasmärkte zeigen sich bisher von dem kalten Wetter weitgehend unbeeindruckt. Dies ist dem guten Gasangebot, aber auch einem typischen saisonalen Phänomen geschuldet.
Mit dem kalten Wetter sind die Ausspeicherungen zwar deutlich hochgefahren, aber am Markt dominiert derzeit die Meinung, dass die uns bevorstehenden kühleren Tage die Speichersituation nicht nachhaltig verschlechtern sollte. Man geht derzeit davon aus, dass die Gasspeicher auch zum Ende der Wintersaison auf einem mindestens durchschnittlichen Niveaus bleiben könnten.
Gelassenheit für Januar nicht unüblich
Die Gelassenheit unter den Händlern ist für den Gasmarkt im Monat Januar nicht unüblich. Am Spotmarkt sehen wir bisher im Januar, die für diesen Monat übliche Volatilität. Der Monat Januar ist aus Sicht der vergangenen zehn Jahre ein Monat mit eher geringer Volatilität.
Die Spotpreise schwankten in den meisten Jahren nicht mehr als plus minus zehn Prozent um den Monatsdurchschnittspreis. Bisher verläuft die Schwankungsbreite nahezu exakt in diesem Korridor.
Schwankungsbreiten von bis zu 50 Prozent nicht unüblich
Der Monat Februar hat statistisch hingegen andere Qualitäten, die Wahrscheinlichkeit für Preisspitzen war hier in den vergangenen zehn Jahren deutlich ausgeprägter. Eine Schwankungsbreite von bis zu 50 Prozent um den Monatsdurchschnittspreis war zwar nicht die Regel, aber auch keine Seltenheit.
Errechnet man auf Basis der Handelsergebnisse des vergangenen Jahrzehnts das Konfidenzintervall für den Erwartungswert des Spotpreises auf Basis des aktuellen Preisniveaus, ergibt sich eine statistische Prognose (95/5 Quantil) von 55 bis 100 Euro pro MWh für den THE-Spotpreis im Februar.
Gasmangellage zunehmend unwahrscheinlich
Die Bundesnetzagentur hatte daher bereits am Montag in ihrer Lagebewertung den Indikator Temperaturprognose von stabil auf angespannt hochgestuft. Die restlichen Indikatoren zur Lagebewertung der Gasversorgung in Deutschland (Gasverbrauch temperaturbereinigt, Speicherfüllstände, Situation in den Nachbarländern und Beschaffung Regelenergie) bewertet die Bundesbehörde als stabil.
Die Bundesnetzagentur sieht daher die Lage als deutlich weniger angespannt als noch zu Beginn des Winters. Eine Gasmangellage in diesem Winter wird zunehmend unwahrscheinlich.
LNG-Versorgung sehr solide
Dennoch weist die Aufsichtsbehörde daraufhin, dass eine Verschlechterung der Situation nicht ausgeschlossen werden kann und der sparsame Gasverbrauch weiterhin wichtig ist.
Die LNG-Versorgung zeigt sich auch in dieser Woche sehr solide. In der EU und in Großbritannien zusammen lagen die Ausspeicherungen zuletzt bei knapp 5300 GWh pro Tag. Im laufenden Monat wurden bisher insgesamt knapp 80.000 GWh ausgespeichert. Das entspricht einer Steigerung von 46 Prozent gegenüber dem Fünfjahresmittel für diesen Zeitraum.
US-Terminal vor Wiederinbetriebnahme
Die Aussicht auf ein weiterhin gutes LNG-Angebot und die bevorstehende Wiederinbetriebnahme des Freeport-Terminals dürfte auch für die entspannte Stimmung unter den Händlern verantwortlich sein.
Das Terminal, über das ein Großteil der europäischen LNG-Exporte verschifft wird, war nach einem Brand am 8. Juni 2022 stillgelegt worden. Nach zahlreichen Verschiebungen war man zuletzt davon ausgegangen, dass das Terminal Ende des ersten Quartals oder zu Beginn des zweiten Quartals wieder in Betrieb geht.
Gasnachfrage in USA
Die Gaslieferungen an das Terminal begannen jedoch bereits in der vergangenen Woche und laut einiger Presseberichte könnte die Regasifizierung bereits Ende Januar wieder beginnen, sofern bis dahin alle behördlichen Genehmigungen vorliegen.
Sobald Freeport zurückkehrt, wird die Gasnachfrage in den USA sprunghaft ansteigen. Die Anlage kann etwa 2,1 Milliarden Kubikfuß pro Tag in LNG umwandeln, was etwa zwei Prozent der täglichen US-Produktion entspricht.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Trotz voller Speicher: Warum die Gaspreise wahrscheinlich bald steigen werden"
Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



