Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die europäischen Gaspreise notieren aktuell deutlich unter den asiatischen LNG-Preisen. Am niederländischen TTF notierte am Donnerstag der Frontmonat Feb-23 rund 18 Euro pro MWh unter seinem Pendant am asiatischen JKM (umgerechnet 85 Euro pro MWh).

Um jedoch weiterhin genügend LNG nach Europa zu ziehen, sollten die europäischen Gaspreise bald wieder auf die asiatische Konkurrenz stärker reagieren. Eine Preisbewegung um mindestens 20 Euro pro MWh nach oben ist daher in den nächsten Wochen durchaus wahrscheinlich.

Volle Gasspeicher

Seit der letzten Dezemberwoche verläuft die Speicherentwicklung in Deutschland für diese Zeit im Jahr recht ungewöhnlich. Ist üblicherweise der Speichersaldo in diesem Zeitraum negativ, wurde seit 21. Dezember, unterstützt durch die warme Witterung, wieder eingespeichert. Seitdem ist der Füllstand der deutschen Speicher von 87 Prozent auf zuletzt wieder 91 Prozent gestiegen.

In den vergangenen zehn Jahren waren nur im Januar 2020 die Gasspeicher mit damals 93 Prozent noch besser gefüllt. Der Winter war damals sehr mild und die Corona-Pandemie stand kurz vor der Tür. Im langfristigen Durchschnitt waren die Speicher zu diesem Zeitpunkt im Jahr zu etwa 70 Prozent gefüllt.

Niedrige Gasnachfrage

Ungewöhnlich ist auch, dass die Speicher in Deutschland nun im Januar besser gefüllt sind als zu Beginn des Winters am 1. Oktober. Seitdem wurden nur rund 42 TWh (üblich wären etwa 130 TWh) ausgespeichert und 43 TWh eingespeichert (üblicherweise rund 35 TWh).

Die Gasnachfrage in Deutschland liegt aktuell mit etwa 2900 GWh pro Tag auf sehr niedrigem Niveau. Üblicherweise bewgt sie sich zu diesem Zeitpunkt im Jahr bei etwa 4400 GWh pro Tag. Das heißt: Im laufenden Monat Januar liegt die gesamte Gasnachfrage rund 53 Prozent unter dem Fünfjahresmittel und damit mindestens auf einem Fünfjahrestief.

Norwegen vermeldet für 2022 ein Rekordjahr

Der gesamte Gasverbrauch in den Ländern der Europäischen Union lag zuletzt bei knapp 14 TWh pro Tag. Im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt lag die Gasnachfrage EU-weit noch bei über 21 TWh pro Tag. Damit verbraucht die EU bislang im Januar rund 40 Prozent weniger Gas als im Durchschnitt der vergangenen Jahre im Januar.

Die norwegische Gasproduktion war im Jahr 2022 um neun Milliarden Standardkubikmeter höher als im Jahr 2021. Insgesamt wurden 122 Milliarden Standardkubikmeter (Sm3) Gas gefördert. Aktuell liegen die Pipeline-Lieferungen Norwegens bei etwa 3800 GWh pro Tag und damit auf einem Fünfjahreshoch.

Russland hinter Algerien

Norwegen liefert derzeit 68 Prozent des nach Europa importierten Pipelinegases. Russland fällt mit den verbliebenen Lieferungen durch die Ukraine und über die Turkstream-Pipeline mit einem Anteil von elf Prozent hinter Algerien (15 Prozent) zurück.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Gaspreise sinken – Preisrisiken bleiben hoch"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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