Während der zurückliegenden Dunkelflaute zum Monatsbeginn sank die Stromerzeugung der europäischen Windkraftanlagen an einigen Tagen auf bis zu rund 0,5 TWh/Tag. Das entsprach einem Minus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr und rund 1 TWh täglich weniger als in den Vorwochen.
Der Ausfall der Windkraftausbeute im gesamten Stromangebot wurde im Wesentlichen durch die Flexibilität der gasbefeuerten Kraftwerke kompensiert, deren Stromproduktion von zuvor rund 1 TWh/Tag auf bis zu 2,5 TWh/Tag anstieg.
Wichtige Flexibilität der Gaskraftwerke
In einem zunehmend stärker wetterabhängigen Energiesystem kommt der Flexibilität der Gaskraftwerke eine für die Stabilität des Systems kritische Bedeutung zu. Dies stärkt die Rolle von Erdgas im Kapazitätsmechanismus.
Durch die zuletzt hohe Nachfrage aus dem Stromsektor und die gestiegene Heizgasnachfrage kam es seit Beginn des Winters zu einer deutlich über der Norm liegenden Entleerung der Gasspeicher. Seit Anfang Oktober wurden insgesamt rund 60 TWh Erdgas netto-ausgespeichert, im Durchschnitt der letzten fünf Jahre zum gleichen Zeitpunkt im Gasjahr waren es jedoch nur knapp 20 TWh. Das heißt, die Speicherentleerung liegt aktuell um 200 Prozent über der Norm.
Die Gasspeicher der EU sind seit Beginn der Wintersaison von über 95 Prozent auf zuletzt unter 90 Prozent gefallen, im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 9 Prozentpunkten. Damit sind aktuell rund 100 TWh Erdgas weniger als im Vorjahr eingespeichert, was auch die Preise für Sommer-25 stützt.
Gazprom verkauft an Zwischenhändler
Nachdem Gazprom am letzten Freitag angekündigt hatte, die Lieferungen an die österreichische OMV einzustellen, sanken die Gaslieferungen aus Russland am österreichischen Handelspunkt Baumgarten (Eustream) um rund 70 GWh/Tag. Die OMV teilte mit, keine Lieferungen mehr von Gazprom zu erhalten. Die Gasflüsse am russisch-ukrainischen Übergabepunkt Sudscha liegen jedoch weiterhin bei unvermindert rund 450 GWh/Tag.
Damit verfestigt sich die Vermutung, dass das Erdgas wohl über Zwischenhändler so lange weiterverkauft wird, wie sich das für die russische Gazprom lohnt, beziehungsweise der Gasdruck für die Lieferung nach Sudscha aus technischen Gründen schrittweise reduziert werden kann.
LNG Preise auf 13-Monats-Hoch
Im Zuge dessen verteuerten sich die Gaspreise seit Beginn November um mehr als 15 Prozent und notieren damit auf dem höchsten Stand seit Ende Oktober 2023. Unterstützt wurde die Preisentwicklung auch durch einen festeren Dollarkurs, der um 3 Prozent seit den US-Wahlen anstieg und die LNG-Importe verteuerte.
Die LNG-Preise laut der Acer-Ermittlung stiegen in der laufenden Woche ebenfalls auf den höchsten Stand seit 13 Monaten und schlossen damit zum asiatischen JKM auf, was wieder mehr LNG-Spotlieferungen nach Europa bringen sollte. Seit Beginn der Woche wurden bereits einige LNG-Tanker von Asien nach Europa umgeleitet. Das liegt an der rückläufigen Nachfrage in Asien, aber auch an der Preisrallye in Europa. Für die nächsten 14 Tage werden an den europäischen LNG-Terminals 25 Lieferungen erwartet und sie verbessern damit die LNG-Importprognosen gegenüber der Vorwoche. Im laufenden Monat wurden bisher 70 LNG-Lieferungen importiert.
Der Titel der letzten Kolumne lautete: Gasnachfrage erreicht 9-Monats-Hoch
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