Gute Aussichten für ein verbessertes LNG-Angebot, ein stabiles Pipeline-Angebot, die schwache Nachfrage und gestiegene Einspeicherungen sind die zentralen Gründe für den bearishen Trend.
Steigendes globales LNG-Angebot
Im 2. Quartal 2024 war das globale LNG-Angebot gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozent gesunken, was die Gaspreise in Europa und Asien stützte. Gründe waren eine rückläufige Produktion in den USA und Australien als auch Rückgänge bei den "kleineren" Produzenten Ägypten, Nigeria beziehungsweise Trinidad und Tobago.
Bei einigen Produzenten sorgten Probleme in der Energieversorgung der LNG-Anlagen (Feedgas) für Einschränkungen in der Produktion. In Ägypten beispielsweise ging die Produktion um 15 Prozent zurück und das Land musste von LNG-Exporten auf Importe umstellen. In den USA sorgten Arbeiten an der Freeport LNG für einen Rückgang um 33 Prozent und der zweiwöchige Ausfall von Wheatstone LNG in Australien schränkte das LNG-Angebot in Asien ein.
Bisher hat die Hurrikan-Saison an der US-amerikanischen Golfküste die LNG-Exporte der USA nicht eingeschränkt. Insgesamt wird erwartet, dass sich die LNG-Exporte der USA und Australien im zweiten Halbjahr des Jahres wieder stabilisieren, insbesondere auch durch die Inbetriebnahme neuer Projekte wie das Plaquemines-LNG-Projekt in Louisiana mit einer Kapazität von 20 Millionen Tonnen pro Jahr.
Positive Nachrichten im LNG-Sektor
Bearish auf die Preisentwicklung wirkt sich auch die jüngste Entwicklung in den USA aus. Der Vergabestopp für neue Exportlizenzen des Energieministeriums muss nach dem letztwöchigen Gerichtsentscheid zurückgenommen werden. Neue Vergaben könnten damit in Kürze wieder anlaufen.
Im norddeutschen Stade hat der Bau des LNG-Terminals begonnen und soll bis 2027 abgeschlossen sein. In Mukran sind mit der Ankunft des FSRU Neptune nun beide FSRUs einsatzbereit und die Kapazität erhöht sich somit auf 13,5 Mrd. Kubikmeter pro Jahr.
Mehr LNG für Europa im dritten Quartal
Die LNG-Nachfrage in Asien insbesondere in Indien wegen der anstehenden Monsunsaison und fallenden Temperaturen sollte sich in den nächsten Wochen rückläufig entwickeln. Dies sorgte zuletzt für fallende Preise am asiatischen JKM und damit für einen kleineren Spread gegenüber dem niederländischen TTF, der zuletzt für den Frontmonat auf unter 2 US-Dollar/MMBtu (million British thermal units) fiel.
Innerhalb der nächsten sieben Tage sollen an den europäischen LNG-Terminals 17 LNG-Lieferungen ankommen. Vier Lieferungen werden in den Niederlanden erwartet, drei LNG-Tanker in Frankreich und zwei in Spanien. In den ersten neun Tagen des Monats Juli sind bisher 25 LNG-Tanker an den europäischen LNG-Terminals angekommen.
Die LNG-Aussendungen in den EU-Ländern lagen zuletzt bei knapp 3000 GWh/Tag. Zum ersten Mal seit Anfang Juni stiegen die Aussendungen in Großbritannien wieder ein wenig an und erreichten rund 250 GWh/Tag, nachdem die Aussendungen über rund 5 Wochen bei nahe Null lagen.
Einspeicherungen auf Jahreshoch
Mit dem verbesserten Angebot und der schwachen Nachfrage steigen die Einspeicherungen in den EU-Ländern mit rund 3500 GWh/Tag auf ein neues Jahreshoch. Die Gasspeicher sind zu 80 Prozent gefüllt und alle Speicherziele, insbesondere das 90-Prozent-Ziel zum 1. November, sollten erreicht werden. In Deutschland und Italien sind die Gasspeicher zu 84 Prozent gefüllt und damit 10 beziehungsweise 11 Prozent über dem Fünf-Jahres-Mittel. Auch in Österreich, der Tschechischen Republik, der Slowakei und Spanien liegen die Füllstände der Gasspeicher über der 80-Prozent-Schwelle.
Der Spread zwischen Spotpreisen und Frontmonat beziehungsweise Frontquartal begünstigt die Nachfrage nach Einspeicherungen. In den letzten Tagen lag der Frontmonat rund 0,5 Euro/MWh über dem Spotpreis, Q4-24 ergab zuletzt eine Prämie von rund 5 Euro/MWh gegenüber dem Day-Ahead.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: Neues Jahrestief: Was hinter den niedrigen Flüssiggasimporten steckt
Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.


