Die europäischen LNG-Importe sinken im Juni auf ein neues Jahrestief und auf den niedrigsten Stand seit mindestens Januar 2023. Das Gasangebot zeigte sich trotzdem dank stabiler Importe aus Norwegen solide. Die Einspeicherungen zeigten sich ähnlich schwach wie schon im Vormonat Mai.
Im Juni importierten die europäischen LNG-Terminals nur 100 LNG-Schiffslieferungen. Das waren 19 Lieferungen weniger als im Vormonat. Seit Beginn der Ganexo-Datenerfassung im Januar 2023 verzeichneten wir den bisherigen Tiefststand im März 2024 mit 106 Lieferungen und das Allzeithoch von 164 Lieferungen im April 2023.
Minus von 17 Prozent
In der Folge sank die Regasifizierung der europäischen LNG-Terminals auf einen Tiefststand von 85 Terawattstunden (TWh). Das waren 21 TWh weniger als im Vormonat. Im Vorjahresmonat Juni 2023 lagen die Aussendungen der LNG-Terminals noch bei 134 TWh.
Mit einem Minus von 17 Prozent gegenüber dem Fünf-Jahres-Mittel, lag die Regasfizierung nun bereits den vierten Monat in Folge unter dem Benchmark. Im zurückliegenden Jahr lagen die Monatswerte durchschnittlich 20 Prozent über dem Fünf-Jahres-Mittel.
Gestiegene LNG-Nachfrage in Asien
Europa verlor im Juni viele Spotlieferungen an Asien, da die asiatischen Märkte zuletzt deutlich mehr zahlten als die Europäer. Der Frontmonat August-24 notierte am asiatischen JKM zuletzt umgerechnet sieben Euro pro Megawattstunde (MWh) teurer als am niederländischen Handelsplatz TTF.
Die größten asiatischen Importländer China, Japan, Südkorea, Taiwan und Indien importierten im Juni mit insgesamt 274 LNG-Schiffslieferungen 15 Lieferungen mehr als noch im Vormonat.
Gasangebot auf 10-Monats-Tief
Lagen die Importe in China mit 79 Lieferungen und Japan mit 70 Lieferungen auf der Höhe des Vormonats, stiegen die Importe in Südkorea (Juni: 59, Vormonat: 52), Taiwan (Juni: 28, Vormonat: 24) und vor allem in Indien wegen der dortigen Hitzewelle auf 38 Lieferungen an (Vormonate: durchschnittlich 30).
Wegen der schwachen LNG-Aussendungen sank das europäische Gasangebot im Juni mit rund 295 TWh auf den niedrigsten Stand seit September 2023. Im Vorjahresmonat Juni 2023 standen dem Markt 15 TWh mehr zur Verfügung; damals dank starker LNG-Importe und trotz extensiver Wartungssaison in Norwegen.
Europäische Gasförderung auf Allzeittief
Einem gegenüber dem vergangenen Jahr veränderten Wartungskalender der norwegischen Erdgasförderungsanlagen war es zu verdanken, dass das Gasangebot im Juni nicht noch mehr abrutschte. Norwegen lieferte im Juni insgesamt 106 TWh. Das waren rund 5 TWh Erdgas mehr als im Vormonat und rund 30 TWh mehr als im Vorjahresmonat.
Die europäische Gasförderung sank im Juni mit insgesamt weniger als 30 TWh auf ein neues Allzeittief. Der Wert lag damit knapp 50 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Mittel. Hauptgrund war die rückläufige Gasproduktion in den Niederlanden, was nur rund 7 TWh Erdgas förderte.
Netto-Einspeicherung sinkt unter Vormonat
Die Netto-Einspeicherungen der EU-Gasspeicher sanken im Juni mit 85,7 TWh noch unter den niedrigen Wert des Vormonats Mai (86,4 TWh). Die Gasspeicher waren zuletzt zu 78 Prozent gefüllt, das Füllstand-Plus gegenüber dem Vorjahr und 2020 ist wegen der schwachen Einspeicherungen im Juni mittlerweile aufgebraucht.
Die Einspeicherungen zeigten sich in den einzelnen EU-Ländern jedoch unterschiedlich. Die Netto-Einspeicherung in Deutschland entwickelte sich mit 21 TWh gegenüber dem Vormonat Mai (14 TWh) positiv. In den Niederlanden sank die Netto-Einspeicherung auf niedrige 6,5 TWh. Das war rund die Hälfte weniger als im Vormonat Mai und ein Minus von 57 Prozent gegenüber dem Fünf-Jahres-Mittel.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Gasversorgung Europas ohne russisches Erdgas"
Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.


