Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Gaspreise bewegen sich seit Anfang Juli in einem stabilen Seitwärtskorridor. Einerseits zeigen sich die Handelsvolumina in der Urlaubszeit wie üblich leicht reduziert, andererseits schauen die Händler auf das Treffen zwischen Putin und Trump am Freitag.

Preisniveau niedriger als im Vorjahr

Die Gaspreise am niederländischen TTF befinden sich seit rund sechs Wochen in einer Seitwärtsbewegung im Handelsbereich zwischen 32 und 35 Euro/Megawatt (EUR/MWh). Im Vorjahr, Mitte August 2024, war das Preisniveau mit knapp 40 EUR/MWh deutlich höher.

Im Vorjahr sorgten während der Sommermonate die Spekulationen um einen einerseits frühzeitigen Stopp des Ukraine-Transits und andererseits um eine mögliche Verlängerung der russischen Gasflüsse im Jahr 2025 durch die Ukraine für reichlich Volatilität an den Gasmärkten.

Die Gaspreise waren bis Mitte Juli 2024 auf rund 30 EUR/MWh gefallen und bewegten sich dann in starken Pendelbewegungen im Zeitraum Mitte Juli bis Ende September zwischen 30 und 40 EUR/MWh.

Fokus auf Trump-Putin-Treffen

Mittelfristig richtungsgebend für die Energiepreise könnte sich auch das Treffen am Freitag zwischen US-Präsident Trump und dem russischen Präsidenten Putin auswirken. Kommt es zu einer Ausweitung von Sanktionen und Strafzölle der USA gegen Russland und seine Handelspartner, könnte dies zunächst dem Markt einen bulligen Impuls verleihen.

Sollten die Sanktionen und Zölle greifen, so schränken sie die Flüsse von russischem Öl und Erdgas auf die globalen Märkte ein. Wegen der hohen US-Produktion sollte der Einfluss auf die Preise nicht wie im Jahr 2022 sein, aber er könnte kurzfristig zu Ausschlägen führen.

Fraglich ist jedoch dann, ob die Sanktionen und Zölle greifen, denn Russland hat ein ganzes System entwickelt, um die bestehenden Sanktionen zu umgehen. Die russische „Schattenflotte“ besteht aus Hunderten von Tankern unbekannter Eigentümer, die dazu genutzt wird, die Herkunft des exportierten russischen Öls und Erdgases zu verschleiern.

LNG-Angebot in der zweiten Jahreshälfte

Ein weiterer möglicher bulliger Impuls für die europäischen Gaspreise könnte vom Wettbewerb um das globale LNG ausgehen und eine ähnliche Preisentwicklung wie im Vorjahr provozieren.
Die chinesische LNG-Nachfrage zeigte sich in den letzten Monaten eher schwach beziehungsweise unter Vorjahresniveau. Die Hitzewelle dort in vielen Regionen sorgte aber für eine Erholung der Nachfrage, sodass vieles darauf hindeutet, dass wir in der zweiten Jahreshälfte einen stärkeren Wettbewerb um LNG sehen werden als noch im ersten Halbjahr.

Auch die Gaspreise am US-amerikanischen Henry-Hub zeigen sich gegenüber dem Vorjahr um umgerechnet rund drei bis vier EUR/MWh höher, was durch den dort höheren Gasverbrauch und die LNG-Exporte auf Rekordniveau gestützt wird.

Gasspeicher Füllstandziele im Blick

Die europäischen Gasspeicher sind mit 73 Prozent Füllstand rund 15 Prozentpunkte weniger gefüllt als noch im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt. Die LNG-Importe im August und in den nächsten zwei Monaten bis zur Heizperiode müssen sich gegenüber Juli deutlich erholen, um die Gasspeicher ausreichend zu befüllen. 

Die Entwicklung des LNG-Angebots in den nächsten Wochen wird das Preisniveau bis zum Winter prägen. Es wäre nicht der erste Spätsommer, in dem wir vor Beginn des Winters eine signifikante Rallye an den Märkten erleben könnten.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautet: LNG-Importe auf Jahrestief

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper