Die europäischen LNG-Importe sind im Juli auf den tiefsten Stand in diesem Jahr gefallen. Dies hatte auch mit Wartungsarbeiten in den USA zu tun. Dementsprechend blieben die Einspeicherungen hinter den Erwartungen zurück.
Wartungsarbeiten in USA drücken LNG-Importe
Das Monatsziel während der Sommermonate von rund 130 LNG-Lieferungen, um die Einspeicherungen gemäß der Speicherziele zu unterstützen, wurde im Juli klar verfehlt. Nur 115 LNG-Tankerlieferungen erreichten die europäischen Terminals, das waren 14 Lieferungen weniger als im Vormonat Juni und der niedrigste Stand seit November 2024.
Einerseits zeigten sich die LNG-Lieferungen aus Russland (13 Tanker), Algerien (10 Tanker) und Katar (6 Tanker) schwächer als in den Vormonaten. Der Hauptgrund waren jedoch die rückläufigen LNG-Lieferungen aus den USA, welche mit insgesamt 66 Lieferungen deutlich unter dem Niveau der Vormonate lagen (Juli-25: 78 Lieferungen).
Im Juli zeigten sich die mittlerweile abgeschlossenen Wartungsarbeiten an den US-Terminals von Cheniere Energy in Corpus Christi und Sabine Pass für den Rückgang der US-LNG-Exporte verantwortlich. In den nächsten Monaten wird jedoch mit neuen Exportrekorden gerechnet, insbesondere durch den Ausbau der Anlagen Plaquemines LNG, Corpus Christo LNG Stage 3 und Golden Pass LNG Train 1.
Norwegische Gasexporte auf Jahreshoch
Die norwegischen Gasexporte per Pipelines zeigten sich im Juli hingegen stark und mit insgesamt rund 110 TWh auf Jahreshoch. Dies war ein Plus von rund 16 TWh gegenüber dem Vormonat Juni, als die Exporte wegen zahlreicher Wartungsarbeiten einen Tiefststand erreicht hatten.
Leicht rückläufig zeigten sich die Gasimporte per Pipeline aus Algerien mit rund 26 TWh, vor allem wegen schwächerer Lieferungen nach Italien. Die russischen Lieferungen legten mit knapp 18 TWh gegenüber den Vormonaten leicht zu, Aserbaidschan lieferte rund 11 TWh, konstant auf dem Niveau der Vormonate.
Die Gaslieferungen Libyens nach Italien zeigten in den letzten Monat einen zunehmenden Verfall und spielen zunehmend keine Rolle mehr. Im Juli wurden nur 460 GWh geliefert, zuletzt fielen die Tagesmengen am italienischen Einspeisepunkt Gela auf rund 10 GWh pro Tag.
Rückläufige Einspeicherungen im Juli
In den EU-Gasspeichern wurde im Juli insgesamt 111 TWh Erdgas netto-eingespeichert, das waren rund 8 TWh weniger als im Vormonat Juni. Die Gasspeicher der EU-Länder sind zu 69 Prozent gefüllt, das sind im Vorjahresvergleich 16 Prozentpunkte weniger als zu Beginn August 2024.
In Deutschland lag die Netto-Einspeicherung im Juli bei nur 25 TWh. Das war zwar nur knapp unter dem Vormonatsniveau, aber weniger als es bedürfte, um die Gasspeicher insbesondere in Rehden und in Süddeutschland ausreichend zu befüllen. Die Speicher in Deutschland sind mittlerweile zu 62 Prozent gefüllt, im Vorjahr betrug der Füllstand zu diesem Zeitpunkt bereits 89 Prozent.
Sollte der Oktober bereits kälter als normal verlaufen, so würde ein Füllstand von 80 Prozent für alle Speicher in Deutschland nicht erreicht werden. Verläuft der Winter im weiteren Verlauf kälter als im Durchschnitt, könnte der Füllstand bereits im nächsten Februar unter 30 Prozent fallen und die Speicher könnten bis Ende des Winters unter die 5 Prozentgrenze fallen.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Gasmärkte auf Richtungssuche



